Bahnchaos in Hamburg: Pendler im Ausnahmezustand
Am Hamburger Hauptbahnhof herrscht Ausnahmezustand: Reisende sind durch den Wintersturm "Elli" gezwungen, ihre Reisepläne auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Die Anzeigetafeln zeigen mehr Ausfälle als Abfahrten, und der Fernverkehr ist weiterhin stark beeinträchtigt, was zu erheblichen Unannehmlichkeiten für die Passagiere führt.
Einige der gestrandeten Reisenden hatten bereits ihren Sitzplatz im Zug gefunden, mussten letztlich jedoch wieder aussteigen, als die ICE-Gänge übervoll waren. André De Bray, auf dem Weg nach Göttingen, fand sich in einem regelrechten Gedränge im Zug wieder und entschied sich schließlich, mit dem Taxi weiterzureisen. "Es war keine andere Möglichkeit mehr da", erklärt er, nachdem im Zug die Streitigkeiten darüber, wer aussteigen soll, zugenommen hatten.
Im Gegensatz dazu erleben Hamburger Taxifahrer wie Mojtaba Walizade einen ungewöhnlich arbeitsreichen Tag. Er beschreibt das hohe Aufkommen an Fahrgästen, das durch die Ausfälle der Bahn begünstigt wird: "Wir helfen, die Menschen in der Not zu transportieren."
Andere Passagiere verzweifeln derweil an dem langwierigen Warten. Momo Cavli, der nach Berlin wollte, ist gezwungen, bereits seit zwei Tagen in Hamburg festzusitzen, ohne Aussicht auf eine baldige Weiterreise. Cano, ebenfalls ein Betroffener, berichtet vom unaufhörlichen Warten und schließlich Aufgeben seiner Pläne nach Leipzig. Auch Daniela Göbel, die mit ihren Kindern unterwegs ist, hofft im Reisezentrum vergeblich auf rasche Hilfe und eine Sitzplatzreservierung nach Frankfurt.
Für einige Reisende wie Norma Nagorsnik, die nach Prag reisen wollte, war der Frust am Ende zu groß: "Die Züge sind entweder ausgefallen oder übervoll." Ähnliche Enttäuschung teilen auch Sieglinde und Werner Strobel, die nach zwei Tagen im überfüllten Bahnhof die Hoffnung beinahe aufgegeben haben.
Die Deutsche Bahn gab bekannt, dass die Verkehrsbeeinträchtigungen bis Sonntag anhalten könnten. Besonders die wichtigen Strecken wie Berlin-Hannover-Ruhrgebiet und Hamburg-Hannover-Frankfurt sind betroffen. Alternativrouten über Bremen und Köln stehen dennoch zur Verfügung. Der Regionalverkehr ist teilweise in Betrieb genommen worden, jedoch weiterhin störanfällig. Geduld bleibt eine unverzichtbare Tugend für alle Reisenden.

