Filmpreise

Tragikomödie «Anora» holt die meisten Oscars

03. März 2025, 06:19 Uhr · Quelle: dpa
«Anora» erzählt von einer Sexarbeiterin in den USA - bei den Oscars gewinnt der Film gleich fünf Auszeichnungen. Auch ein deutscher Filmschaffender ist erfolgreich.

Los Angeles (dpa) - Bei den Oscars hat die Tragikomödie «Anora» über eine Sexarbeiterin in den USA gleich fünf Auszeichnungen gewonnen, darunter für den besten Film. Das Werk von Regisseur Sean Baker war sechsmal nominiert gewesen. Von den deutschen Filmschaffenden ist der Spezialeffekte-Künstler Gerd Nefzer erfolgreich - er gewann für «Dune: Part Two» seinen dritten Oscar.

Überraschung bei den Schauspielpreisen

Baker stellte einen Rekord auf: Er ist der erste Preisträger, der persönlich mit vier Oscars für den gleichen Film ausgezeichnet wird. Sein Film «Anora» erzählt von einer Stripperin, die sich in den Sohn eines russischen Oligarchen verliebt. Der Film ist eine Mischung aus Romanze, Gangster-Komödie und Sozialdrama und hatte auch in Cannes gesiegt. Mikey Madison gewann den Oscar als beste Hauptdarstellerin und setzte sich damit überraschend gegen Favoritin Demi Moore («The Substance») durch.

Drei Oscars gingen an das Drama «Der Brutalist» über einen jüdischen Architekten, der sich nach dem Holocaust ein neues Leben in den USA aufbauen will. Hauptdarsteller Adrien Brody gewann für die Rolle seinen zweiten Oscar - damit ging Timothée Chalamet, der Musiker Bob Dylan in «Like A Complete Unknown» spielte, leer aus.

Brody wird in Dankesrede auch politisch

Den ersten Oscar hatte Brody 2003 für seine Rolle im Holocaust-Drama «Der Pianist» erhalten. Am Ende seiner langen Dankesrede wurde er dieses Mal politisch und sagte: «Noch einmal bin ich hier, um die anhaltenden Traumata und Auswirkungen von Krieg und systematischer Unterdrückung offenzulegen, von Antisemitismus, Rassismus und Fremdbestimmung.»

Er bete «für eine gesündere, glücklichere und inklusivere Welt. Und ich glaube, wenn uns die Vergangenheit etwas lehren kann, dann ist es die Mahnung, den Hass nicht unkontrolliert zu lassen.»

Conan O'Brien spricht über «mächtigen Russen»

Ansonsten hielten sich die Sprecher auf der Bühne weitgehend zurück, was politische Kommentare anging. Moderator Conan O'Brien, der erstmals moderierte, erlaubte sich aber einen markigen Satz über den Widerstand gegen einen «mächtigen Russen». Er sprach nach den ersten Auszeichnungen für «Anora» darüber, dass der Film einen Lauf hatte. Die Protagonistin, die sich in den Oligarchensohn verliebt, bietet darin auch dessen Familie Paroli. «Ich denke, Amerikaner sind begeistert, dass jemand endlich einem mächtigen Russen die Stirn bietet», sagte O'Brien.

Die 97. Oscars wurden in Hollywood verliehen. Eröffnet wurde die Show mit einer Hommage an die Stadt Los Angeles, in der Anfang des Jahres Brände verheerende Schäden angerichtet hatten.

Der Oscar für den besten Nebendarsteller ging an Kieran Culkin («A Real Pain»). Beste Nebendarstellerin wurde Zoe Saldaña («Emilia Pérez»), die auf der Bühne unter Tränen daran erinnerte, dass sie selbst Kind von Einwanderern sei. 

In seiner Eröffnungsrede teilte O'Brien unter anderem gegen Schauspielerin Karla Sofía Gascón aus. Die Hauptdarstellerin des Films «Emilia Pérez» hatte sich in alten, inzwischen gelöschten Posts auf dem Portal X islamfeindlich und rassistisch geäußert. Der Musical-Thriller war mit 13 Nominierungen ins Rennen gegangen und gewann letztlich lediglich in zwei Kategorien.

Wie andere Deutsche abschneiden

Neben Nefzer waren weitere Filmschaffende aus Deutschland nominiert, die allerdings leer ausgingen. Kostümbildnerin Lisy Christl und Komponist Volker Bertelmann, die für den Vatikanthriller «Konklave» nominiert waren, setzten sich nicht durch. Der Film von Regisseur Edward Berger gewann allerdings eine Auszeichnung für das beste adaptierte Drehbuch.

Für Deutschland war das Drama «Die Saat des heiligen Feigenbaums» des in Hamburg lebenden, iranischen Regisseurs Mohammad Rasoulof nominiert - der Preis in der Sparte International Feature Film ging allerdings an das Drama «Für immer hier» («I'm Still Here») über die Militärdiktatur in Brasilien.

Die deutsche Produktion «September 5» über das Olympia-Attentat 1972 in München, die für das beste Originaldrehbuch nominiert war, verpasste die Auszeichnung ebenfalls.

Ausgespuckter Kaugummi und ein Rache-Kuss

Oscar-Gewinner Brody sorgte auch fernab seines Gewinns für Gesprächswert. Auf dem roten Teppich revanchierte sich Hollywoodstar Halle Berry auf überraschende Weise mehr als 20 Jahre nach einem stürmischen Kuss von ihm und küsste ihn auf den Mund.

Als Brody später für seine Dankesrede zur Bühne lief, fiel ihm plötzlich ein, dass er noch einen Kaugummi kaute. Er warf diesen kurzerhand seiner Partnerin Georgina Chapman zu - sie versuchte, ihn aufzufangen.

Während der Verleihung kamen mehrere Feuerwehrleute auf die Bühne, die nach den Waldbränden von O'Brien als Helden gewürdigt wurden. Hollywoodstar Morgan Freeman erinnerte an Schauspieler Gene Hackman, der mit seiner Ehefrau Betsy tot in seinem Anwesen aufgefunden worden war.

Palästinensisch-israelische Doku «No Other Land» gewinnt

Ein Oscar ging an den Dokumentarfilm «No Other Land» eines palästinensisch-israelischen Teams, der von der Räumung palästinensischer Dörfer im Westjordanland erzählt. Der Film war auch bei der Berlinale 2024 ausgezeichnet worden. Den Filmemachern wurde damals nach der Verleihung eine einseitige Positionierung im Nahost-Konflikt und teils auch Antisemitismus vorgeworfen.

Die Regisseure nutzten die Bühne in Los Angeles, um auf die Situation in ihrer Region hinzuweisen. «"No Other Land" spiegelt die harte Realität wider, die wir seit Jahrzehnten ertragen und gegen die wir uns immer noch wehren», sagte der palästinensische Filmemacher Basel Adra, «während wir die Welt auffordern, ernsthafte Maßnahmen zu ergreifen, um die Ungerechtigkeit zu beenden und die ethnische Säuberung des palästinensischen Volkes zu stoppen.»

Schauspielerin Daryl Hannah erinnerte auf der Bühne an die Ukraine, die sich seit drei Jahren gegen einen Angriffskrieg Russlands verteidigt. Zuletzt hatte es im Weißen Haus einen beispiellosen Eklat zwischen US-Präsident Donald Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gegeben.

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03.03.2025 · 06:19 Uhr
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