Iran-Krieg

Fristen und Drohungen: Trump und die Straße von Hormus

06. April 2026, 05:30 Uhr · Quelle: dpa
Satellitenaufnahme des Persischen Golfs
Foto: -/The Visible Earth/NASA/dpa
Die Meerenge von Hormus ist wegen ihrer Bedeutung für den Transport von Öl und Flüssiggas ein Nadelöhr der Weltwirtschaft. (Archivbild)
«Feiglinge», «Mistkerle», «verrückte Ajatollahs» - an Schimpfwörtern fehlt es US-Präsident Trump nicht. Doch Irans Blockade der Straße von Hormus setzt ihm seit Wochen zu. Ein Ultimatum läuft bald ab.

Washington (dpa) - Trump will den Iran mit massiven Bombardierungen auch ziviler Infrastruktur in die «Hölle» befördern, er beschimpft die Führung in Teheran als «verrückte Mistkerle» und stellt neue Ultimaten. Damit will er den Iran dazu bewegen, die für den Öl- und Gastransport wichtige Straße von Hormus wieder für die Schifffahrt zu öffnen. Der Iran ist den USA militärisch unterlegen, doch die Blockade der Meerenge ermöglicht es der Führung in Teheran, die USA und die ganze Welt wirtschaftlich unter Druck zu setzen. 

Hier ein Blick auf die Lage in der Straße von Hormus - und eine chronologische Auswahl von Trumps teils widersprüchlichen Äußerungen und Drohungen dazu:

  • 28. Februar: Bis zum Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran verläuft der Schiffsverkehr in der Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman weitestgehend ungestört. Rund ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs wird durch das an der schmalsten Stelle nur etwa 50 Kilometer breite Nadelöhr transportiert. Auch für den Transport von Flüssiggas, Helium und Dünger ist die Meerenge entscheidend. 
  • Anfang März: Nach iranischen Angriffen auf Schiffe und mehreren Drohungen kommt der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus praktisch zum Erliegen. Die Weltmarktpreise für Öl und Gas steigen sprunghaft an. 
  • 15. März: Trump drängt die Nato-Partner mit drastischen Worten zur Unterstützung bei der Sicherung von Öltransporten in der Meerenge. Die Nato werde vor einer «sehr schlechten» Zukunft stehen, sollten die Partner den USA dabei nicht helfen, sagt Trump. 
  • 16. März: Europäische Nato-Partner wie Großbritannien, Frankreich und Deutschland lehnen einen Einsatz zur Sicherung der Straße von Hormus während des Kriegs ab. Ein Sprecher der Bundesregierung sagt in Berlin: «Dieser Krieg hat mit der Nato nichts zu tun.» 
  • 16. März: Trump wiederholt seine Forderung an die Partner und fügt hinzu, die USA hätten der Nato schließlich auch mit der Ukraine geholfen, obwohl das Land von den USA weit entfernt sei.
  • 17. März: Trump kritisiert die Nato-Verbündeten und klagt, sie begingen einen «törichten Fehler». Gleichzeitig betont er nun, die USA bräuchten deren Hilfe gar nicht. «Weil wir solche militärischen Erfolge erzielt haben, "brauchen" oder wünschen wir uns die Unterstützung der NATO-Staaten nicht mehr – DAS HABEN WIR NIE GETAN!», erklärt er auf Truth Social.
  • 20. März: Trump bezeichnet die Nato-Verbündeten auf seiner Plattform in Großbuchstaben als «FEIGLINGE». Ohne die USA sei das Verteidigungsbündnis ein zahnloser Tiger. Jetzt, da der Kampf militärisch «GEWONNEN» sei, beschwerten sie sich über die hohen Ölpreise, würden aber nicht dabei helfen, die Meerenge zu öffnen, schreibt er. 
  • 20. März: Die Straße von Hormus müsse von jenen Staaten bewacht und kontrolliert werden, die auf sie angewiesen seien, schreibt Trump. Die USA könnten dabei vielleicht helfen, falls Verbündete anfragten. 
  • 21. März: Trump setzt dem Iran ein Ultimatum für die Öffnung der Straße von Hormus. Teheran solle diese binnen 48 Stunden vollständig und «ohne Drohungen» öffnen. Andernfalls würden die USA Irans Kraftwerke angreifen und zerstören, droht Trump. 
  • 23. März: Trump gewährt dem Iran Aufschub und ordnet an, in den nächsten fünf Tagen keine Angriffe auf iranische Kraftwerke und die Energieinfrastruktur zu fliegen. Dies sei das Ergebnis «sehr guter und produktiver Gespräche» über eine Beilegung des Konflikts. Der Iran dementiert Trumps Darstellung. 
  • 26. März: Trump verlängert sein Ultimatum an den Iran zur Freigabe der Straße von Hormus erneut. Bis zum Ostermontag um 20.00 Uhr werde es keine Angriffe auf iranische Kraftwerke geben. 
  • 31. März: Der Benzinpreis in den USA klettert im Durchschnitt auf vier US-Dollar pro Gallone (3,785 Liter). Vor dem Krieg waren es noch knapp drei Dollar - ein Anstieg von über einem Drittel in einem US-Wahljahr. 
  • 1. April: Trump sagt bei einer Rede an die Nation, die USA hätten mit dem Problem der Straße von Hormus «nichts zu tun». Das Thema werde sich von selbst erledigen, wenn der Iran-Krieg ende. Die USA importieren tatsächlich nur wenig Öl über die Meerenge, hängen aber genauso wie die übrigen Länder vom Weltmarktpreis des Rohstoffs ab. Die USA könnten bei der Sicherung der Meerenge vielleicht helfen, sagt Trump. 
  • 4. April: Trump pocht auf sein Ultimatum und droht dem Iran mit schweren Angriffen, sollte sich die Führung in Teheran nicht beugen. «Die Zeit läuft davon - 48 Stunden, bevor die Hölle über sie hereinbricht», schreibt er. Die Bedingungen seien erfüllt, wenn der Iran einem Abkommen zustimme oder die Straße von Hormus öffne.
  • 5. April: Trump verleiht seinem Ultimatum mit neuen Drohungen und Beleidigungen auf Truth Social Nachdruck: «Öffnet die verdammte Straße, ihr verrückten Mistkerle, oder ihr werdet in der Hölle landen», schreibt er. 
  • 5. April: Etwa fünf Stunden später gibt Trump der iranischen Führung nun doch bis Dienstagabend Zeit - und scheint sein Ultimatum damit bereits zum dritten Mal zu verschieben. «Wenn sie bis Dienstagabend nichts unternehmen, bleibt kein Kraftwerk und keine Brücke stehen», sagt Trump. Er spricht nun von Dienstag, 20.00 Uhr (Ortszeit Washington; 2.00 Uhr MESZ am Mittwoch) als neuer Frist. 
  • 5. April: Der Iran lehnt Trumps Ultimatum ab. Die Meerenge werde erst dann wieder geöffnet, «wenn im Rahmen einer neuen Rechtsordnung die Schäden des aufgezwungenen Kriegs vollständig aus einem Teil der Transitgebühren kompensiert werden», schreibt ein Vertreter des iranischen Präsidenten. Der Iran beansprucht die Kontrolle über die gesamte Passage und plant ein Mautsystem für die Durchfahrt.
  • 6. April: Der Ölpreis steigt nach Trumps jüngsten Drohungen weiter. Der Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent mit Lieferung im Juni stieg zum Wochenbeginn auf 111 US-Dollar je Barrel (159 Liter). Vor dem Krieg lag der Preis um die 70 Dollar - eine Zunahme von mehr als 50 Prozent. 
Krieg / Konflikte / Öl / Erdgas / Schifffahrt / USA / Iran
06.04.2026 · 05:30 Uhr
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