Technologiesektor bleibt unter Druck: Dax rettet sich ins Plus
Die Zuversicht der Anleger gegenüber dem US-Technologiesektor erhält weiterhin Dämpfer. Die Aufregung um die erfreulichen Quartalszahlen von Nvidia in New York verpuffte und führte hierzulande zu anhaltender Verunsicherung. Der Dax geriet zeitweise unter die 23.000er Marke, konnte sich jedoch im Tagesverlauf stabilisieren und erneut die Tausendergrenze überschreiten. Vom Tagestief bei 22.934 Punkten erholte er sich bis zum Nachmittag mit einem Minus von nur noch 0,2 Prozent und erreichte 23.234 Punkte in der Spitze, womit er einen Wochenverlust von 2,7 Prozent hinnehmen muss. Die Jahresbilanz bleibt gleichwohl mit einem Plus von fast 17 Prozent positiv.
Im MDax, der mittelgroße deutsche Unternehmen abbildet, setzte sich der Abwärtstrend fort und führte den Index um 0,4 Prozent auf 28.322 Punkte zurück. Auch der EuroStoxx 50 büßte 0,6 Prozent ein, während an den amerikanischen Börsen erste Anzeichen einer Stabilisierung sichtbar wurden.
Laut Stephen Innes von SPI Asset Management ergeben diverse Entwicklungen ein komplexes Gesamtbild der derzeitigen Aktienmarktlage. Beispielsweise wächst die Investitionsdynamik im Bereich der Künstlichen Intelligenz schneller als deren Monetarisierung. Zudem verdichten sich die Indizien, dass die US-Notenbank Fed im Dezember auf Zinssenkungen verzichten könnte.
Die Analyse von Index-Radar beschreibt das Geschehen an den New Yorker Börsen als spektakuläre Meinungsumkehr: Ein starker Start endete jäh in einem „Stimmungsbruch“, woraufhin der Nasdaq-100-Index eine Volatilität von 1.200 Punkten verzeichnete. Historisch seltene Marktwenden wie diese bringen oft erfreuliche Folgeentwicklungen mit sich, so die Experten.
Der europäische Technologiesektor musste nach frostigen Nvidia-Nachrichten deutlich Federn lassen; der Chipsektor sah Infineon nahezu um drei Prozent abrutschen. In den hinteren Reihen der deutschen Börse wurden Aixtron und Suss Microtec mit Verlusten von bis zu neun Prozent zu den Schlusslichtern.
Kursverluste verbuchte Siemens Energy als Schlusslicht im Dax, nach Rekordständen am Vortag ging es um 6,6 Prozent abwärts. Barclays-Experte Vladimir Sergievskiy stellt fest, dass der Kurs des Energiekonzerns bereits ununterbrochen gute Geschäftszahlen eingepreist hat, während sich zyklische Spitzen abzeichnen.
Auch Rüstungsaktien gerieten ins Kreuzfeuer, befeuert durch Gespräche um einen Friedensplan im Ukraine-Konflikt. US-Initiativen sehen heikle Zugeständnisse seitens der Ukraine vor, was europäische Partner ins Abseits drängt. Die Wertpapiere von Rheinmetall und Renk erlitten Verluste von 4,4 beziehungsweise fast sieben Prozent, letztere zusätzlich belastet durch negative Reaktionen auf langfristige Unternehmensziele.
Ein Lichtblick in der tristen Marktlandschaft bot CTS Eventim, das nach Übererfüllung der Erwartungen mit seinen Zahlen eine Erholung um zehn Prozent von jüngsten Tiefstständen verzeichnete.

