Investmentweek

Technokratie statt Aufbruch – Deutschland im Koalitionsstillstand

18. April 2025, 11:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Der schwarz-rote Koalitionsvertrag enttäuscht mit Verwaltung statt Vision. Keine Strategie für Demografie, Migration oder wirtschaftlichen Wiederaufstieg. Dafür viel Planwirtschaft, noch mehr Schulden – und kein Wort zur Nation.

Ein Koalitionsvertrag ohne Richtung

Es war angekündigt als „Politikwechsel“. Was kam, war ein Papier voller Selbstbeschränkung. Der neue Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD wirkt wie das Resultat einer Verwaltungsrunde – nicht wie der Entwurf für einen Aufbruch.

Keine großen Ideen, kein neues Narrativ, kein Impuls für ein Land im Stillstand. Deutschland, so scheint es, soll jetzt von Technokraten gemanagt werden. Nicht mutig, sondern vorsichtig. Nicht ambitioniert, sondern systemtreu.

Friedrich Merz, der in den letzten Monaten noch mit markigen Tönen auftrat, wirkt bereits im Vorfeld seiner möglichen Kanzlerschaft erstaunlich stillgestellt.

Der Kurswechsel, mit dem die CDU ihre Wähler mobilisierte, bleibt weitgehend rhetorisch. Inhalte, die einst versprochen wurden – etwa eine härtere Linie in der Migrationspolitik oder der Abbau ideologischer Förderstrukturen – fehlen fast vollständig.

Migration bleibt ein Nebensatz

Besonders auffällig ist, was nicht im Vertrag steht. Migration – ein zentrales gesellschaftliches Thema – wird weichgespült. Der Begriff „illegale Migration“ taucht nicht auf. Stattdessen ist von „irregulärer Zuwanderung“ die Rede. Echte Begrenzung? Fehlanzeige.

Der Vertrag setzt allein auf „qualifizierte Einwanderung“, ohne zu sagen, wie diese organisiert werden soll – und ignoriert dabei sowohl die überlasteten Kommunen als auch die verunsicherte Bevölkerung.

Auch die demografische Realität bleibt ein politischer blinder Fleck. Die sinkenden Geburtenraten – langfristig eine zentrale Bedrohung für Sozialstaat, Innovationsfähigkeit und innere Stabilität – spielen im Vertrag kaum eine Rolle. Eine echte Familienoffensive? Fehlanzeige. Stattdessen weiter Umverteilung in ein System, das seine eigene Basis erodieren lässt.

Schulden als Allzweckwaffe

Finanzpolitisch setzen CDU und SPD auf eine riskante Strategie: Die dreifache Grundgesetzänderung soll enorme Kreditspielräume schaffen – de facto ein Schattenhaushalt auf Staatskosten.

So sollen milliardenschwere Transformationsprojekte vorangetrieben werden, von Dekarbonisierung bis Digitalisierung. Doch wo bleibt das wirtschaftspolitische Fundament?

Statt Strukturreformen oder Wachstumsimpulsen droht die Planwirtschaft in neuem Gewand. Mit „Klimaneutralität“ als Verfassungsziel, CO₂-Zwangspfaden und ideologischer Umverteilung scheint sich Schwarz-Rot auf eine technokratische Staatsführung einzuschießen, die immer mehr lenken, steuern und kontrollieren will – ohne zu erklären, wie Wohlstand unter diesen Bedingungen überhaupt noch entstehen soll.

Die Union gibt zentrale Themen wie Migration, Bildung und Steuerpolitik kampflos preis – SPD und NGOs behalten die Deutungshoheit.

Eine CDU ohne Stimme

Friedrich Merz hat in den Koalitionsverhandlungen so gut wie alle schärferen Positionen geopfert. Die CDU war lange die Partei der wirtschaftlichen Vernunft, der Rechtsstaatlichkeit, der Ordnungspolitik. Davon bleibt im Vertrag wenig übrig. Stattdessen: staatsgläubige Programme, mehr Geld für NGOs, mehr Bürokratie, kaum marktwirtschaftliche Korrektive.

Die Union bekommt Ministerien – aber keine Richtung. Eine Volkspartei, die nur noch Posten, aber keine Positionen besetzt, verliert nicht nur Wähler, sondern ihre Seele.

Staat als Erzieher, Bürger als Objekt

Besonders irritierend: Die Regierung begreift sich zunehmend als moralische Instanz. Der Vertrag lässt erahnen, dass die schwarz-rote Koalition weniger Vertrauen in die Kräfte der Gesellschaft hat als in ihre eigenen Maßnahmen.

CO₂-Reduktionspfade sollen gesetzlich zementiert werden, die Klimapolitik wird zum Dogma mit Verfassungsrang erhoben. Was nach Weltrettung klingt, ist in Wahrheit eine Zwangsverpflichtung zur Alternativlosigkeit.

Der Staat tritt nicht mehr als Ermöglicher auf, sondern als Erzieher. Wer sich der Linie nicht anschließt, wird durch steigende Preise, mehr Steuern und weniger Freiheit auf Kurs gebracht. Dass dieser Weg gerade jenen Menschen schadet, die ohnehin wenig haben, scheint nebensächlich zu sein.

Keine Nation, keine Idee, kein Vertrauen

Am auffälligsten aber: Das Wort „Nation“ taucht im gesamten Koalitionsvertrag nicht ein einziges Mal auf. Kein Bezug zur eigenen Geschichte, kein Versuch, Zugehörigkeit oder Zusammenhalt zu formulieren. Stattdessen: technokratische Sachverwaltung in einem Land, das mehr denn je Orientierung bräuchte.

Was bleibt, ist ein Programm der Unverbindlichkeiten. Ein Stillstandsvertrag mit Schulden. Ein Politikansatz, der Symptome verwaltet, aber keine Ursachen beseitigt. Und eine politische Führung, die offensichtlich Angst hat, ihrer Verantwortung gerecht zu werden.

Politik
[InvestmentWeek] · 18.04.2025 · 11:00 Uhr
[8 Kommentare]
Buckelwal liegt weiter in Wismarbucht
Wismar (dpa) - Will der Buckelwal, dessen Schicksal an der Ostseeküste seit rund einer Woche Menschen in Atem hält, wieder zurück auf das Meer? Und hat er überhaupt noch die Kraft dazu? Am Montag standen dem Tier nach Aussage des Direktors des Deutschen Meeresmuseums wichtige Stunden bevor. Er wolle nicht vom verzweifelten letzten Versuch reden, sagte […] (05)
vor 6 Minuten
Der Feierabend in der Lausitz hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Neben dem wirtschaftlichen Strukturwandel spielt vor allem die fortschreitende Digitalisierung der Haushalte eine entscheidende Rolle. Wo früher der Abend meist vor dem linearen Fernsehprogramm oder im Vereinsleben verbracht wurde, ermöglichen schnelleres Internet und der […] (00)
vor 37 Minuten
Zwei neue iPhone-Apps für dieses Jahr erwartet
Im Laufe dieses Jahres wird Apple seinen Nutzern voraussichtlich zwei brandneue iPhone-Apps zur Verfügung stellen. Dabei soll es sich um eine Apple Business App sowie eine eigenständige Siri-App handeln. iPhone im Business, Quelle: Unsplash Apple Business App Die neue Apple Business App wird es Mitarbeitern in Unternehmen ermöglichen, die […] (00)
vor 26 Minuten
Fortnite: Infinity Gauntlet LTM mit Thanos könnte zurückkehren
Fortnite ist bekannt für Kooperationen mit großen Marken. Besonders eine Zusammenarbeit ist bis heute legendär: der Infinity-Gauntlet-Modus, in dem Spieler selbst zu Thanos werden konnten. Jetzt sorgt ein neues Gerücht für Aufsehen. Laut aktuellen Hinweisen könnte genau dieser Modus möglicherweise wieder in Fortnite zurückkehren. Einer der […] (00)
vor 35 Minuten
Alison Brie
(BANG) - Alison Brie hatte große Freude daran, die "überlebensgroße" Evil-Lyn in Masters of the Universe zu verkörpern. Die 43-jährige Schauspielerin spielt die Antagonistin im neuen Film, der auf der Medienreihe von Mattel basiert, und genoss es, in dem Schwert-und-Magie-Abenteuer eine für sie eher ungewöhnliche Rolle darzustellen. Alison sagte […] (00)
vor 3 Stunden
Edin Dzeko
Zenica/Rom (dpa) - Den Arroganz-Verdacht wies Italiens Federico Dimarco weit von sich. «Man hat mich arrogant genannt - aber wie könnte ich das sein? Mit welchem Recht, wo wir seit zwölf Jahren nicht bei einer WM dabei waren?», sagte der Nationalspieler von Inter Mailand. Ein Video, das ihn jubelnd beim Finaleinzug Bosnien-Herzegowinas zeigt, sorgte vor […] (02)
vor 5 Stunden
finance, currency, bitcoin, crypto, cryptocurrency, investment, wealth, money, brown money, brown finance
Der CEO von Ripple, Brad Garlinghouse, hat eine potenzielle Chance von $13 Billionen für Kryptowährungen wie XRP und Stablecoins aufgezeigt. Er betonte, wie die Blockchain-Technologie den globalen Finanzsektor durch On-Chain-Zahlungen revolutioniert. Ripple-CEO enthüllt $13 Billionen Potenzial für XRP und Stablecoins In einem Interview mit FOX […] (00)
vor 47 Minuten
VR-Film „Hans im Glück“ feiert seine Premiere auf INDEPENDENT DAYS
Karlsruhe, 30.03.2026 (lifePR) - „Die Würde des Menschen ist unantastbar! “ – so lautet bekanntermaßen der erste Artikel des Grundgesetzes. Doch was bedeutet dieser für das Leben der Menschen in Deutschland? Damit setzt sich der neue interaktive VR-Kurzfilmfilm „Hans im Glück“ auseinander. Dieser erzählt die Geschichte des Flaschensammlers Hans (Dieter […] (00)
vor 1 Stunde
 
Tankstelle am 29.03.2026
Berlin - Die Linke hat das verzögerte Inkrafttreten der neuen Preisregel für […] (01)
Frankfurter Börse
Frankfurt/Main - Der Dax ist am Montagmorgen mit Verlusten in den Handelstag […] (00)
Bundesanwaltschaft
Karlsruhe/Hagen (dpa) - Im Zuge des Krieges in der Ukraine hat die Bundesanwaltschaft […] (00)
UN-Friedenstruppen im Libanon
Beirut (dpa) - Bei der Explosion eines Geschosses in einer Stellung der UN- […] (01)
Nach PS5-Preiserhöhung: Analyst warnt vor steigenden Xbox- und Switch 2-Preisen
Die Nachricht kam für viele wie ein Schlag: Sony erhöht die Preise der PS5 und […] (01)
Primetime-Check: Sonntag, 29. März 2026
Der neue Polizeiruf 110 im Check - was kann Let's Dance am Sonntag - und wie läuft Wer stiehlt […] (00)
Katalonien-Rundfahrt
Barcelona (dpa) - Die letzten Attacken von Florian Lipowitz auf dem olympischen Berg […] (03)
Ryan Gosling
(BANG) - Ryan Gosling hat eine Einladung angenommen, sein Seifenoper-Idol Deidre Hall […] (00)
 
 
Suchbegriff