Tarife und Inflation: Eine unerwartet sanfte Entwicklung
Die jüngsten Inflationsdaten haben Ökonomen überrascht: Die Gesamtinflation stieg im Monatsvergleich um lediglich 0,1 % und lag damit unter den Konsensprognosen von 0,2 %. Auf Jahresbasis erreichte der Verbraucherpreisindex einen Anstieg von 2,4 %, was nahe am Inflationsziel der Federal Reserve von 2 % liegt. Auch die Kerninflation, die schwankungsanfällige Kategorien wie Nahrungsmittel und Energie ausschließt, kletterte um 0,1 % – ein Wert, den kein einziger der von Bloomberg befragten 73 Ökonomen prognostiziert hatte.
Bank of America hatte für Mai mit stärkeren Auswirkungen der Handelszölle gerechnet, was auf eine allgemeine Erwartung von tarifbedingten Preissteigerungen hinweist. Insbesondere von Walmart, dem Giganten im Niedrigpreissegment, kam die Ankündigung, die Preise im Mai anzuheben, da die Zölle als kostentreibend erachtet wurden. Diese Entwicklungen könnten den Weg für ähnliche Maßnahmen anderer Einzelhändler ebnen, was bei Analysten Besorgnis über einen längerfristigen Inflationsdruck auslöste.
Unterdessen debattieren Mitglieder der Federal Reserve darüber, wie mit den inflationsdämpfenden Effekten der Zölle umzugehen sei. Während Fed-Mitglied Neel Kashkari vorübergehende Effekte betont, rät eine alternative Sichtweise zu einer expansiven Geldpolitik, um die Beschäftigung zu fördern. Dies basiert auf der Idee, dass die Zölle Zusatzgewinne für den Staat generieren, die wiederum die verfügbaren Einkommen der Haushalte erhöhen könnten.
Obwohl keine unmittelbaren Zinssenkungen erwartet werden, spekulieren die Märkte auf eine Anpassung im September. Die Wahrscheinlichkeit hierfür stieg von 57 % auf mittlerweile 68 %, was die Unsicherheiten und die komplexen Abwägungen der Fed im aktuellen wirtschaftlichen Klima unterstreicht.

