Lufthansa: Ein Jahrhundert zwischen Tradition und Transformation
Die Lufthansa, Europas umsatzstärkster Luftverkehrskonzern, bereitet sich auf ein bedeutsames Jubiläum vor. Im kommenden Jahr jährt sich der Erstflug der Gesellschaft zum 100. Mal, und bereits heute erinnert man in kleinerem Rahmen an die Gründung der ersten «Deutsche Luft Hansa Aktiengesellschaft» in Berlin im Jahr 1926. Diese historische Verbindung, trotz ihrer komplexen Vergangenheit, wird vom MDax-Konzern für seine fliegerische und technische Tradition in Anspruch genommen.
Mit dem ehrgeizigen Ziel, sowohl das Flugerlebnis als auch den Betrieb zu optimieren, investiert Lufthansa umfangreich. Ein Highlight wird die Eröffnung des neuen Besucher- und Konferenzzentrums «Hangar One» im April sein, in dem auch historische Flugzeuge ausgestellt werden. Zudem hat der Konzern eine umfassende Flottenerneuerung angestoßen. Besonders im Fokus stehen dabei effektivere Langstreckenjets mit der neuen Allegris-Kabine, die den Passagieren auf Fernflügen mehr Komfort bieten sollen—von erweiterten Speiseoptionen bis hin zu einem Austausch sämtlicher Bordausstattung.
Die Gründung des Unternehmens 1926 war Teil einer Strategie zur Wiederbelebung der deutschen Luftfahrtindustrie, die durch den Versailler Vertrag erheblich eingeschränkt worden war. In der nationalsozialistischen Ära spielte die damalige Lufthansa jedoch eine umstrittene Rolle. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, 1955, startete die neugegründete Deutsche Lufthansa AG ihre Linienflüge, getrennt von der kriegsbelasteten Vorgängergesellschaft. Doch der Weg zur Auseinandersetzung mit dieser Vergangenheit war lang und komplex. Zur Hundertjahrfeier plant Lufthansa eine tiefgehende historische Aufarbeitung, darunter einen umfassenden Geschichtsband und eine Ausstellung im neuen Zentrum, die sich kritisch mit der Rolle des Unternehmens im Dritten Reich befasst.
Kommerziell hat das Unternehmen durch strategische Übernahmen, unter anderem in der Schweiz, Österreich und Belgien, eine Führungsposition in Europa behauptet. Doch auch nach der Rückzahlung von Staatshilfen im Zuge der Corona-Krise steht der Konzern weiterhin vor wirtschaftlichen Herausforderungen. Unter CEO Carsten Spohr, der den Konzern bereits seit 2014 leitet, ist Lufthansa bestrebt, durch kostensparende Umstrukturierungen und einer stärkeren Zentralisierung der Konzernfunktionen profitabler zu werden. Vor Herausforderungen steht Lufthansa weiterhin in Bezug auf staatlich gestützte Konkurrenten und die notwendige Dekarbonisierung der Luftfahrt. Trotz einer skeptischen Einschätzung zur Erreichung der CO2-Neutralität bis 2050 bleibt der Konzern in Bewegung und setzt auf Anpassungen, um nachhaltigen Erfolg zu sichern.

