Steigende Wohnkosten als Herausforderung für alle Gesellschaftsschichten
Wohnen birgt in Deutschland immer stärkere finanzielle Herausforderungen für eine wachsende Anzahl von Bürgerinnen und Bürgern. Ein Bericht des Deutschen Mieterbunds beleuchtet, dass nicht mehr nur die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft von den Wohnkosten belastet werden. Verbandspräsidentin Melanie Weber-Moritz warnt, dass auch die Mittelschicht zunehmend unter Druck gerät.
Mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung lebt mittlerweile zur Miete, Tendenz steigend. Besonders ausgeprägt ist dieses Phänomen bei Alleinerziehenden, Alleinstehenden und Menschen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit. Steigende Mieten führen dazu, dass viele Personen mehr als 30 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für Wohnkosten aufwenden müssen. In stärker von Armut betroffenen Gruppen war das zuletzt bei 37,5 Prozent der Fall.
Doch auch bei Personen, deren Einkommen mindestens 60 Prozent des bundesweiten Medians erreicht, hat sich die Quote der durch Wohnkosten belasteten Haushalte seit 2020 auf etwa 7 Prozent erhöht. Dies führt bisweilen zu Zahlungsrückständen. Bundesweit verwendeten mehr als 12 Prozent der Bevölkerung über 40 Prozent ihres Einkommens für Wohnzwecke, ein Wert, der als extrem belastend eingestuft wird.
Besonders betroffen sind Familien mit Kindern, die zudem oft in beengten Wohnverhältnissen leben müssen. Ein Mangel an geeignetem und bezahlbarem Wohnraum führt laut einer Umfrage dazu, dass fast ein Drittel der Befragten gerne umziehen würde, jedoch keine alternative Unterkunft findet. Der Eigentümerverband Haus und Grund sieht eine Ursache hierfür in hohen Mieten bei Neuvermietungen, die in den letzten zehn Jahren angestiegen sind.
Alleinlebende verspürten einen Anstieg der Mietbelastung um 2 Prozentpunkte auf 26,3 Prozent bei einem Umzug. Der "Lock-in-Effekt" wird dadurch verstärkt: Mieter, die bereits eine Wohnung haben, halten an dieser fest. Zwar blieb die durchschnittliche Mietbelastung deutschlandweit stabil, jedoch können in städtischen Regionen extreme Überlastungen auftreten.
Weber-Moritz fordert eine stärkere staatliche Eingriffspolitik, mehr sozialen Wohnraum sowie eine Anpassung der Mietpreisregulierung. Investitionen in Neubauten werden befürwortet, jedoch mit einer Anpassung des bisher geltenden Neubaudatums, um jüngere Gebäude in Mietpreisregulierungen einzubeziehen.

