State of Decay 3 will auf dem Xbox Showcase beweisen, dass sich sechs Jahre Wartezeit gelohnt haben
State of Decay 3 wurde 2020 mit einem bombastischen Trailer angekündigt, der komplett vorgerendert war – und verschwand danach fast vollständig von der Bildfläche. Sechs Jahre später soll das ambitionierte Projekt von Undead Labs nun endlich auf dem großen Xbox Showcase am 7. Juni gezeigt werden. Ein interner Alphatest mit ausgewählten Fans läuft bereits, und die ersten Stimmen loben eine Qualität, die man sonst nur von den großen Blockbustern der Branche kennt.
Zwischen Konzeptpapier und Alphatest – der steinige Weg von State of Decay 3
Dass ausgerechnet State of Decay 3 eine derart lange Durststrecke hinter sich hat, erklärt Studioleiter Philip Holt mit einem bemerkenswert ehrlichen Eingeständnis. Als der erste Trailer 2020 über die Bildschirme flimmerte, existierte das Spiel lediglich als Konzeptpapier. „Es gab kein Spiel, kein Team – das Projekt war in einem Word Dokument“, räumte Holt in einem Interview ein. Der von Blur produzierte Cinematic-Trailer war eine reine Vision, die Microsoft der Öffentlichkeit präsentieren wollte, lange bevor die erste Zeile Code geschrieben war.
Die folgenden Jahre waren turbulent. Undead Labs, 2018 von Microsoft übernommen, wurde von einer Entlassungswelle erschüttert, während parallel Vorwürfe über ein toxisches Arbeitsumfeld und Sexismus-Vorfälle die Runde machten. Talente wanderten ab, die Entwicklung stockte. Erst 2024 gab es mit einem neuen Trailer, der direkt aus der Engine gespeist wurde, wieder ein Lebenszeichen. Seitdem hat das Studio sämtliche Inhaltsupdates für State of Decay 2 eingestellt und alle Ressourcen auf den Nachfolger konzentriert. Xbox Game Studios Chef Craig Duncan ließ zuletzt durchblicken, dass die Entwicklung „richtig gut“ voranschreite – gemessen an der Vorgeschichte klingt das fast schon euphorisch.
Was Produktionsqualität auf Blockbuster-Niveau für ein Survival-Spiel tatsächlich bedeutet
Jez Corden von Windows Central berichtet nun, das Spiel befinde sich in einem internen Alphatest mit einem kleinen Kreis aus Community-Mitgliedern und ausgewählten YouTubern. Seine Einschätzung fällt deutlich aus: Undead Labs habe das Niveau eines AAA-Titels endlich getroffen – eine Qualitätsstufe, die State of Decay 2 nie erreicht habe. Das ist eine steile Ansage, denn zwischen den Zeilen schwingt mit: Der Vorgänger war technisch nie auf der Höhe.
Was steckt hinter diesem Anspruch? Zwei handfeste Indizien stechen hervor. Erstens wechselt State of Decay 3 von einer Peer-to-Peer-Architektur auf eine serverbasierte Infrastruktur. Das klingt technokratisch, ist aber für den Koop-Modus mit bis zu vier Spielern die mit Abstand wichtigste Änderung. Im Vorgänger musste der Host online sein, Mitspieler waren räumlich an ihn gebunden, und Verbindungsabbrüche kosteten regelmäßig den Spielfortschritt. Im dritten Teil sollen Spieler eine gemeinsame Welt aufbauen und verwalten können, selbst wenn der ursprüngliche Ersteller offline ist. Zweitens setzt Undead Labs auf die Unreal Engine 5 und holte sich dafür Unterstützung von The Coalition, dem technisch versiertesten Studio im Xbox-Kosmos.
Gleichzeitig verspricht das Team, das Beste aus Teil 1 und 2 zu vereinen: Die emotionale Wucht und die handgeschriebenen Charaktere des ersten Teils sollen mit dem tiefgreifenden Systembaukasten des zweiten zusammengeführt werden. Auf der offiziellen Playtest-Seite können sich Interessierte seit April registrieren – die Plätze sind begrenzt, aber Undead Labs verspricht weitere Testwellen im Laufe des Jahres. Ein Release wird für 2027 erwartet, und die Steam-Seite des Spiels listet bereits die Kernfeatures: eine offene Spielwelt Jahre nach dem Ausbruch, dauerhaften Charaktertod und eine sich weiterentwickelnde Zombie-Bedrohung.
Der Xbox Showcase am 7. Juni – wer noch auf der Bühne stehen könnte
Neben State of Decay 3 zeichnet sich ein Showcase ab, der vor allem durch Dichte statt durch Hardware-Bombast punkten muss. Project Helix, Microsofts nächste Konsolengeneration, wird beim Showcase am 7. Juni nach offizieller Bestätigung von Matt Booty keine Rolle spielen. Speicher-Engpässe bei GDDR7-Chips bremsen die Fertigstellung aus. Stattdessen setzt Microsoft ganz auf Spiele: Neben State of Decay 3 gelten Clockwork Revolution von inXile und ein neuer Spyro-Titel von Toys for Bob als heiße Kandidaten. Auch Halo: Campaign Evolved mit drei Prequel-Missionen um Master Chief und Sergeant Johnson wird erwartet.
Blizzard hingegen dürfte dem Showcase fernbleiben – das Studio präsentiert seine großen Projekte traditionell auf der eigenen BlizzCon. Dort wird unter anderem der seit Jahren gemunkelte Shooter im StarCraft-Universum erwartet. Ninja Theory und Double Fine arbeiten zwar an ambitionierteren Projekten als ihren letzten Veröffentlichungen, stecken aber noch zu früh in der Entwicklung für eine Enthüllung. Auf der Hardware-Seite kursieren zudem Gerüchte um eine dritte Generation des Xbox Elite Controllers, auch wenn eine offizielle Ankündigung beim Showcase unwahrscheinlich ist.
Die offene Rechnung mit dem Vorgänger
So verlockend die aktuellen Leaks auch klingen: Wer State of Decay 2 zum Launch 2018 gespielt hat, erinnert sich an eine technische Bruchlandung. Verschwindende Gegner, Fahrzeuge, die meterweit durch die Luft katapultiert wurden, zerschossene Spielstände und eine Performance, die selbst auf der damaligen Xbox One X ins Straucheln geriet – das war der Stand, mit dem Undead Labs sein Survival-Spiel auf die Spieler losließ. Über die Jahre hat das Studio mit dutzenden Patches und der Juggernaut Edition nachgebessert, und auf Steam steht State of Decay 2 heute mit starken Nutzerwertungen da. Aber der erste Eindruck war verbrannt.
Genau hier wird sich State of Decay 3 beweisen müssen. Nicht beim Konzept – die Mischung aus Basisbau, Ressourcenmanagement, permanentem Charaktertod und Koop-Chaos funktioniert nach wie vor und hat im Genre kaum direkte Konkurrenz. Sondern bei der handwerklichen Umsetzung. Die serverbasierte Architektur ist ein starkes Signal, die Zusammenarbeit mit The Coalition für die Unreal Engine 5 ebenfalls. Aber ein internes Alpha-Testlob von einigen Fans und YouTubern ist noch lange kein Garant für einen sauberen Launch. Und dass Microsofts First-Party-Bilanz zuletzt von Totalausfällen wie Redfall bis zu Triumph-Momenten wie Hi-Fi Rush buchstäblich alles abdeckte, macht die Spannung nicht kleiner.


