Star Wars Eclipse steckt laut Insider „in der Entwicklungshölle“ – und NetEase will Quantic Dream loswerden
Star Wars Eclipse versinkt laut neuen Insider-Berichten immer tiefer in der Entwicklungshölle. Insider Gaming-Redakteur Mike Straw berichtet, die Entwicklung des ambitionierten Quantic-Dream-Projekts komme „kaum voran“, während der Mutterkonzern NetEase das französische Studio offenbar abstoßen will. Parallel hat Quantic Dream seinen ersten Live-Service-Titel Spellcasters Chronicles nach nur drei Monaten Early Access beerdigt – ein Projekt, das acht Jahre in der Entwicklung steckte und nun bis zu 95 Arbeitsplätze mit in den Abgrund reißt. Für narrative Star-Wars-Fans ist das ein weiterer Tiefschlag in einem Jahr, das bereits das KOTOR-Remake auf unbestimmte Zeit verschoben sieht.
Fünf Jahre nach der Ankündigung – und noch immer kein Gameplay
Dezember 2021, The Game Awards: Quantic Dream zeigt einen visuell überwältigenden Enthüllungstrailer zu Star Wars Eclipse und verspricht ein narratives Action-Adventure in der Hohen Republik. Seitdem: fünf Jahre nahezu vollständige Funkstille. Kein Gameplay-Material, kein Release-Fenster, kein nennenswertes Update.
Die wenigen Lebenszeichen, die es gab, waren keine guten: Im August 2024 verließ der Chefautor das Projekt. Quantic Dream bestätigte den Abgang auf Nachfrage von IGN knapp, nannte aber weder Gründe noch einen Nachfolger. Für ein Spiel, dessen gesamtes Verkaufsversprechen auf narrativer Tiefe und verzweigten Handlungssträngen fußt, ist der Verlust des Lead Writers ein Warnsignal, das lauter hätte gehört werden müssen.
Insider Gaming berichtet nun unter Berufung auf nicht namentlich genannte Quellen, dass die Entwicklung „sehr langsam voranschreitet“ und das Team „über Monate kaum Fortschritte“ mache. Mike Straw wörtlich: „Es läuft nicht gut. Es läuft überhaupt nicht gut. Und es gibt Frustration – eine Menge Frustration.“ Gleichzeitig bestätigt er, dass Eclipse noch „Jahre von der Fertigstellung entfernt“ sei – eine Einschätzung, die unsere frühere Berichterstattung bereits im April 2026 nahelegte.
Spellcasters Chronicles: Acht Jahre Entwicklung für 888 Spieler
Der Katalysator der aktuellen Krise ist ein Spiel, von dem die meisten bis vor Kurzem nie gehört haben. Spellcasters Chronicles, ein Free-to-Play-3-gegen-3-MOBA mit Deckbau-Elementen, startete im Februar 2026 in den Early Access auf Steam – und floppte auf ganzer Linie:
- 888 gleichzeitige Spieler als Allzeit-Peak – für einen Free-to-Play-Titel ein katastrophaler Wert
- 61 Prozent „Mixed“ auf Steam
- Drei Monate nach dem Early-Access-Start kündigte Quantic Dream an, die Server am 19. Juni 2026 abzuschalten
- Das Projekt verschlang laut Insider-Berichten acht Jahre Entwicklungszeit
GamesIndustry.biz zitiert Quantic-Dream-Co-CEO Guillaume de Fondaumière, der das Scheitern mit einem „besonders herausfordernden Marktumfeld“ erklärt – eine PR-Phrase, die übersetzt bedeutet: Unser Produkt hat schlicht niemanden interessiert.
Der strategische Schaden geht jedoch weit über einen gescheiterten MOBA hinaus. PC Guide zitiert aus dem Insider-Gaming-Podcast die brisante Information, dass Quantic Dream genau auf Spellcasters Chronicles als Einnahmequelle gesetzt hatte, um Eclipse querzufinanzieren. Dieser Plan ist nun krachend gescheitert – und NetEase, der chinesische Mutterkonzern, scheint nicht gewillt, die Lücke zu füllen.
NetEase will raus – bis zu 95 Entlassungen und ein Studio vor dem Ausverkauf
Die Nachrichten aus dem Insider-Gaming-Podcast sind in ihrer Kumulation alarmierend. Mike Straw berichtet, Quantic Dream wolle „aus der NetEase-Abhängigkeit ausbrechen“ und NetEase wiederum erwäge, das Studio noch 2026 oder 2027 zu verkaufen. Straw wörtlich: „Es würde mich nicht überraschen, wenn Quantic Dream bis Ende des Jahres verkauft wird.“
Parallel läuft die von Quantic Dream angekündigte „interne Umstrukturierung“. Die französische Gewerkschaft STJV (Syndicat des Travailleurs et Travailleuses du Jeu Vidéo) berichtet laut GamingBolt von bis zu 95 gefährdeten Arbeitsplätzen. Quantic Dream selbst hält sich bedeckt und verweist auf das frühe Stadium des Verfahrens und französische Arbeitsrechtsvorschriften – eine Formulierung, die in der Branche als sicheres Zeichen für anstehende Kündigungen gilt.
Dass Game Developer die Job-Streichungen bestätigt, macht die Lage nicht besser. Ein Studio, das 95 von rund 200–250 Mitarbeitern abbauen muss, während es gleichzeitig ein AAA-Star-Wars-Spiel fertigstellen soll – diese Rechnung geht nicht auf.
Und als wäre das nicht genug: NetEase hat in den vergangenen Monaten bereits mehrere westliche Studios fallen lassen, darunter Nagoshi Studio und dessen Projekt „Gang of Dragon“. Straw bringt es auf den Punkt: „NetEase weiß nicht, was sie wollen.“ Ein chinesischer Megakonzern ohne klare Strategie für seine westlichen Investments – für Quantic Dream ist das eine existenzielle Bedrohung.
Die Star-Wars-Spielelandschaft: Drei narrative Hoffnungen, zwei in der Hölle
Für Fans narrativer Star-Wars-Spiele zeichnet sich 2026 ein düsteres Bild ab. Der Überblick:
Star Wars Eclipse – Development Hell. Kein Gameplay, Chefautor weg, Finanzierungspipeline geplatzt, Mutterkonzern will verkaufen.
Knights of the Old Republic – Remake – turbulente Entwicklungsgeschichte mit mehreren Studio-Wechseln. Saber Interactive hat das Ruder übernommen, aber ein Releasedatum ist nicht in Sicht.
Star Wars: Fate of the Old Republic – der einzige Lichtblick. Casey Hudsons spiritueller KOTOR-Nachfolger bei Arcanaut Studios macht laut Projektleiter „positive Fortschritte“. Hudson verspricht einen Release „vor 2030″, verzichtet komplett auf generative KI und betont, dass das Spiel keine 200 Stunden lang wird. Verglichen mit Eclipse und KOTOR Remake klingt das fast revolutionär.
Der gemeinsame Nenner der beiden Problemfälle ist frappierend: Beide – Eclipse und KOTOR Remake – leiden unter den Entscheidungen großer Publisher, die Studios übernahmen, ohne zu verstehen, was sie gekauft haben. NetEase und Quantic Dream, Embracer und Aspyr – die Muster ähneln sich unheimlich.


