007 First Light im Test – Ein James Bond-Film zum Spielen
Es gibt Spiele, bei denen man nach wenigen Minuten weiß, was sie sein wollen. Und dann gibt es 007 First Light. Ein Spiel, das nicht einfach nur James Bond spielen lässt, sondern versucht, das gesamte Bond-Gefühl einzufangen. Die schicken Anzüge. Die charmanten Flirts. Die geheimen Organisationen. Die Verschwörungen. Die Explosionen. Die Verfolgungsjagden. Die Momente, in denen man sich fühlt, als würde man gerade einen neuen Bond-Film spielen.
Und genau darin liegt die größte Stärke des neuen Spiels von IO Interactive, den Machern der Hitman-Reihe.

Hubrschrauberabsturz in 007 First Light © IOI Interactive, Screenshot: DailyGame
Story: Ein Bond-Film zum Mitspielen
007 First Light erzählt die Ursprungsgeschichte eines jungen James Bond, lange bevor er zur Legende wurde. Statt eines unantastbaren Superagenten erleben wir einen talentierten, aber noch nicht vollständig geformten Bond, der seinen Platz innerhalb des MI6 erst finden muss. Dabei stolpert er über eine Bedrohung, die deutlich größer ist als die einzelnen Missionen vermuten lassen.
Besonders gelungen ist dabei das Storytelling. Die Handlung entfaltet sich angenehm langsam und belohnt Spieler, die aufmerksam bleiben. Wer nur von Zielmarkierung zu Zielmarkierung rennt, bekommt zwar die wichtigsten Eckpunkte mit. Wer jedoch genauer hinsieht, Gesprächen lauscht und Zusammenhänge selbst herstellt, kann Stück für Stück hinter die eigentliche Verschwörung steigen.
Dazu kommen die typischen Bond-Zutaten. Flirts. Romanzen. Charmante Dialoge. Situationen, in denen Bond einfach Bond sein darf. Das wirkt nie aufgesetzt, sondern fügt sich erstaunlich natürlich in die Geschichte ein.
Am Ende hatte ich tatsächlich oft das Gefühl, keinen Shooter zu spielen, sondern einen interaktiven Bond-Film.

Q Labs in 007 First Light © IOI Interactive, Screenshot: DailyGame
Gameplay: Hitman trifft Uncharted 4
Schon nach kurzer Zeit wird klar, dass hier die Hitman-Macher am Werk waren.
Die Schleich- und Spionagepassagen gehören ohne Frage zu den stärksten Momenten des Spiels. Gegner unbemerkt ausschalten, Sicherheitsrouten beobachten, Gadgets clever einsetzen und sich lautlos durch feindliche Gebiete bewegen… das macht richtig Laune.
Besonders befriedigend wird es dann, wenn man eine komplette Sequenz ohne Alarm und ohne Entdeckung meistert. Dieses Gefühl kennt man bereits aus Hitman und auch hier funktioniert es hervorragend. Habe ich allein deswegen Sequenzen neu gestartet? Vielleicht… War es das wert? Oh ja.
Weniger gelungen sind dagegen die Action-Sequenzen.
Schießereien fühlen sich oft deutlich holpriger an als die Stealth-Passagen. Genau hier entstanden bei mir die meisten Neustarts. Und die meisten Wiederholungen. Und noch mehr Wiederholungen. Aber nicht aus Ehrgeiz. Teilweise weil ich ohne Munition und ohne Deckung festsaß.
Dazu kommt eine KI, die stellenweise erschreckend dumm agiert. Gegner bleiben regelmäßig irgendwo hängen, laufen gegen Hindernisse oder reagieren auf Situationen, bei denen man sich fragt, ob sie überhaupt mitbekommen haben, was gerade passiert ist.
Teilweise konnte ich mehrere Feinde an derselben Ecke ausschalten, weil sie immer wieder exakt denselben Weg genommen haben.
Das wirkt leider nicht wie modernes AAA-Niveau.

Bond Action in 007 First Light © IOI Interactive, Screenshot: DailyGame
Grundsätzlich erinnert das Gameplay an einen Mix aus Hitman und Uncharted 4. Mal schleicht man durch streng bewachte Anlagen, mal kracht alles um einen herum zusammen und plötzlich befindet man sich mitten in einer spektakulären Action-Sequenz. Die Mischung funktioniert überraschend gut… zumindest dann, wenn die Technik mitspielt.
Was mich allerdings wirklich genervt hat, ist der Online-Zwang!
Warum benötigt ein reines Einzelspieler-Spiel überhaupt eine dauerhafte Verbindung? Immer wieder meldet das Spiel Verbindungsprobleme oder versucht irgendwelche Online-Funktionen nachzuladen. Fällt die Verbindung weg, sorgt das unnötig für Frust. Besonders wenn es während einer Verfolgungsjagd ist.
Wozu dieser Müll in einem Solo-Game notwendig ist, bleibt für mich ein Rätsel.

Belauschen in 007 First Light © IOI Interactive, Screenshot: DailyGame
Grafik & Audio: Traumhafter Bond-Sound, Grafik mit Alterserscheinungen
Akustisch trifft 007 First Light nahezu ins Schwarze.
Die Musik klingt so sehr nach James Bond, wie ein James-Bond-Spiel eben nur klingen kann. Hier wurde eine echte Punktlandung hingelegt. Egal ob ruhige Spionagemomente oder große Actionsequenzen… der Soundtrack transportiert genau die Stimmung, die man sich von einem Bond-Abenteuer erwartet. Besonders das wo man bei der Gala ankommt, spielt so ein richtiger Bond Song.
Auch Waffen, Explosionen und sonstige Effekte klingen druckvoll und überzeugend.
Grafisch hinterlässt das Spiel dagegen einen etwas zwiespältigen Eindruck.
Die Zwischensequenzen sehen oftmals hervorragend aus und erzeugen echtes Blockbuster-Feeling. Gleichzeitig wirkt die eigentliche Grafik stellenweise erstaunlich veraltet auf mich. Über weite Strecken erinnerte mich die technische Präsentation eher an ein modernes Uncharted 4 als an ein aktuelles PS5-Pro-Aushängeschild.
Hinzu kommen einige seltsame Animationen. Kleidung wirkt teilweise steif. Gesichtsausdrücke schwanken zwischen hervorragend und merkwürdig leblos. Zuletzt hatte mich das bei dem überhypten Kingdom Come Deliverance 2 so geärgert.
Besonders Lenny Kravitz‘ Figur und einige andere Gesprächspartner wirken in manchen Szenen beinahe seelenlos. Auf der anderen Seite gibt es Charaktere wie Bonds Mentor Greenway, bei denen sichtbar deutlich mehr Arbeit in Mimik und Präsentation geflossen ist.
Dadurch entsteht ein etwas unausgewogener Gesamteindruck.

Erwischt und aufgehängt in 007 First Light © IOI Interactive, Screenshot: DailyGame
Fazit zu 007 First Light
007 First Light ist genau das James-Bond-Spiel, das man sich von den Hitman-Machern erhofft hat.
Die Story funktioniert. Das Bond-Gefühl funktioniert. Die Spionage funktioniert sogar hervorragend. Wenn man lautlos durch feindliche Anlagen schleicht, Hinweise sammelt und langsam die Verschwörung hinter den Ereignissen aufdeckt, spielt das Abenteuer seine größten Stärken aus.
Leider wird dieser starke Eindruck immer wieder durch technische Probleme ausgebremst. Dumme KI, zahlreiche kleinere Bugs, seltsames NPC-Verhalten und der völlig unnötige Online-Zwang kosten wertvolle Sympathiepunkte.
Trotzdem bleibt unter dem technischen Ballast ein richtig gutes Bond-Spiel verborgen.
Denn während andere Studios oft nur die Lizenz verwenden, versteht IO Interactive erstaunlich gut, was James Bond eigentlich ausmacht. Die Mischung aus Charme, Spionage, Action und Geheimnissen fühlt sich über weite Strecken genau richtig an.
Für Bond-Fans ist 007 First Light deshalb trotz seiner Schwächen ein Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Verbindungsfehler in 007 First Light © IOI Interactive, Screenshot: DailyGame


