Skandal bei den Game Awards! Clair Obscur: Expedition 33 verliert Awards wegen KI-Einsatz
Es sollte der krönende Abschluss eines Erfolgsmärchens für das französische Studio Sandfall Interactive werden, doch stattdessen endet die Geschichte von „Clair Obscur: Expedition 33“ bei den Indie Game Awards 2025 in einem beispiellosen Debakel. Nachdem der Titel zunächst sowohl die Trophäe für das „Game of the Year“ als auch für das „Debut Game“ abgeräumt hatte, intervenierte das Komitee nachträglich und erkannte beide Preise rigoros ab. Der Grund für diesen drastischen Schritt ist ein Thema, das die Branche derzeit spaltet wie kein zweites: der Einsatz von generativer künstlicher Intelligenz.
Ein Interview als Stolperstein
Die Ironie des Schicksals wollte es, dass ausgerechnet ein Interview, das Studio-Mitbegründer François Meurisse bereits im Juli der spanischen Zeitung El País gegeben hatte, den Stein ins Rollen brachte. Damals sprach Meurisse offen über technologische Fortschritte und erwähnte, dass man „etwas KI“ nutze, wenngleich in sehr begrenztem Rahmen. Diese Aussage kollidierte jedoch frontal mit den strikten Statuten der Indie Game Awards.
Bei der Einreichung des Spiels für den Wettbewerb hatte ein Vertreter von Sandfall Interactive nämlich versichert, dass keinerlei generative KI im Entwicklungsprozess verwendet wurde. Die Jury der Awards, die eine knallharte Null-Toleranz-Politik gegenüber KI-generierten Inhalten verfolgt, sah darin einen klaren Verstoß gegen das Reglement. Selbst wenn das Spiel wundervoll sei, so das Statement, müsse man die eigenen Regeln schützen. Die Konsequenz war die sofortige Aberkennung aller Titel.
Die Geister, die sie riefen: Das Problem der Platzhalter
Doch wie kam die KI überhaupt ins Spiel? In einer eilig veröffentlichten Richtigstellung erklärte das Studio den Fauxpas. Man habe zu Beginn der Entwicklung im Jahr 2022, als die ersten KI-Tools populär wurden, kurzzeitig mit der Technologie experimentiert, um temporäre Texturen zu generieren – sogenannte Platzhalter. Diese sollten niemals im fertigen Produkt landen.
Unglücklicherweise rutschten einige dieser Texturen durch die Maschen der Qualitätskontrolle und waren beim Launch noch im Spielcode vorhanden. Laut Sandfall wurden diese „Altlasten“ zwar innerhalb von fünf Tagen nach Veröffentlichung durch die eigentlich vorgesehenen, handgemachten Texturen ersetzt, doch für die Jury der Indie Game Awards war das Kind bereits in den Brunnen gefallen. Der bloße Einsatz während der Produktion und die fehlerhafte Angabe bei der Nominierung reichten für das vernichtende Urteil.
Ein teures Lehrstück für die Branche
Sandfall betonte zusätzlich, dass man zwar Assets vom Unreal Engine Marketplace nutze, diese aber nicht KI-generiert seien. El País hat den ursprünglichen Artikel mittlerweile aktualisiert, um die Nuancierung des Studios wiederzugeben. Dennoch bleibt der Schaden an der Reputation hängen. Der Vorfall zeigt drastisch, wie sensibel die Grenzen zwischen technischer Unterstützung und künstlerischer Integrität derzeit verlaufen. Was als harmlose interne Arbeitserleichterung begann, entwickelte sich zum Bumerang, der den wohl größten Moment in der Geschichte des Studios zerstörte.


