Schüsse und Sprengsätze

Schlag gegen Drogenbande: 132 Tote bei Polizeieinsatz in Rio

29. Oktober 2025, 16:56 Uhr · Quelle: dpa
Nach Polizeieinsatz in Favelas in Rio de Janeiro
Foto: Silvia Izquierdo/AP/dpa
Anwohner reihen Dutzende Leichen auf der Hauptstraße der Favela Penha auf.
Bei einem Polizeieinsatz in Rio de Janeiro forderten Kämpfe gegen das Comando Vermelho 132 Tote. Menschenrechtsaktivisten fordern Untersuchungen zu den Gewalttaten.

Rio de Janeiro (dpa) - Bei dem blutigen Polizeieinsatz gegen das Verbrechersyndikat Comando Vermelho (Rotes Kommando) in der brasilianischen Küstenmetropole Rio de Janeiro sind mindestens 132 Menschen ums Leben gekommen. Das teilte die unabhängige Ombudsstelle des Bundesstaats Rio de Janeiro mit. Damit stieg die Zahl der Opfer einen Tag nach den stundenlangen Gefechten in den Favelas Alemão und Penha auf mehr als das Doppelte. 

Bewohner bargen Dutzende Leichen aus der Umgebung

Die Regierung des Bundesstaats Rio de Janeiro bestätigte zuvor zunächst 64 Tote, darunter vier Polizisten, korrigierte die Zahl dann aber ohne Angabe von Gründen auf 58. Allerdings bargen die Bewohner der Favela Penha am Mittwoch Dutzende Leichen aus den umliegenden Brachflächen und Waldgebieten und legten sich auf der Hauptstraße des Viertels ab. Der Sprecher der Militärpolizei Marcelo de Menezes Nogueira sagte dem Fernsehsender TV Globo, er gehe davon aus, dass es sich um weitere Tote handele, die noch nicht registriert wurden. 

Die Bewohner der Favela reihten die Toten nebeneinander auf, einige unter Decken, viele aber auch nur mit Unterhosen bekleidet. Familienmitglieder suchten nach ihren Angehörigen, andere trauerten bereits um ihre Toten. «In 36 Jahren in der Favela, in denen ich mehrere Operationen und Massaker miterlebt habe, habe ich noch nie etwas Vergleichbares gesehen wie das, was ich heute sehe», sagte der Aktivist Raull Santiago, der bei der Bergung der Leichen half, dem Sender TV Globo. «Das ist etwas Neues. Brutal und gewalttätig auf einem bisher unbekannten Niveau.»

Bei der Operation handelte es sich um den blutigsten Polizeieinsatz in der Geschichte des Bundesstaates Rio de Janeiro. Trotz der blutigen Bilanz bezeichnete Gouverneur Cláudio Castro die Operation als Erfolg. «Wir stehen zu allem, was wir gestern getan haben», sagte er und kondolierte den Familien der vier getöteten Beamten. «Die einzigen Opfer gestern waren diese Polizisten.»

Comando Vermelho ist in Drogenhandel verwickelt

Das Comando Vermelho ist eines der größten Verbrechersyndikate des südamerikanischen Landes und vor allem im Drogenhandel aktiv. Bei dem Einsatz wurden nach Angaben der Behörden 81 Verdächtige festgenommen - darunter ein regionaler Anführer der Gruppe und der Finanzchef von einem der obersten Bosse der Gang. Die Polizei beschlagnahmte zudem über 90 Schnellfeuerwaffen und mehr als 200 Kilogramm Drogen. 

Nach dem Einsatz wurden zehn bereits inhaftierte hochrangige Anführer des Comando Vermelho in ein Hochsicherheitsgefängnis verlegt. Sie sollen Vergeltungsmaßnahmen gegen die Sicherheitskräfte angeordnet haben.

Heftige Gefechte mit Schnellfeuergewehren und Drohnen

Mindestens 2.500 Polizisten waren an der Operation beteiligt, bei der auch zwei Hubschrauber und Dutzende gepanzerte Fahrzeuge zum Einsatz kamen. Kriminelle steckten Barrikaden und Autos in Brand, warfen Sprengsätze von Drohnen ab und eröffneten das Feuer auf die Beamten. Vier Polizisten kamen bei dem Einsatz ums Leben, neun weitere Polizisten wurden angeschossen. Auch drei Zivilisten gerieten ins Kreuzfeuer. 

Auf Videos war zu sehen, wie schwarze Rauchwolken über den Vierteln aufstiegen. Während einer der heftigsten Phasen der Kämpfe peitschten in einer Minute über 200 Schüsse durch die Favela. Schwarzgekleidete Polizisten in Kampfmontur stürmten mit Sturmgewehren im Anschlag durch die engen Gassen der Elendsviertel.

Die bürgerkriegsähnlichen Zustände hatten auch Auswirkungen auf das Stadtleben. Über 100 Buslinien mussten wegen der Kämpfe ihre Routen ändern. Mehrere Universitäten und Schulen ließen den Unterricht ausfallen. In den betroffenen Stadtteilen leben etwa 280.000 Menschen. «Das ist die Realität. Wir bedauern zutiefst, dass Menschen verletzt wurden, aber dies ist eine notwendige, intelligent geplante Maßnahme, die fortgesetzt wird», sagte der Sicherheitsminister von Rio de Janeiro, Victor Santos, dem Sender TV Globo. 

Im Fernsehen waren von Einschusslöchern vernarbte Häuserfassaden zu sehen. Eine Bewohnerin der Favela Alemão berichtete, während der Schießerei habe eine Kugel ihr Fenster durchschlagen und den Kühlschrank getroffen. Eine andere beklagte, ihr Hund sei erschossen worden.

Brasiliens Polizei tötet 17 Menschen pro Tag

In kaum einem anderen Land der Welt kommen so viele Menschen bei Polizeieinsätzen ums Leben wie in Brasilien. 2024 töteten Sicherheitskräfte in dem südamerikanischen Land 6.243 Menschen - durchschnittlich 17 Menschen pro Tag, wie aus dem Jahrbuch für öffentliche Sicherheit hervorgeht. In den USA waren Polizisten im vergangenen Jahr für den Tod von 1.378 Menschen verantwortlich, in Deutschland wurden 22 Personen von Beamten erschossen.

Allerdings lassen sich Polizeieinsätze in Europa nicht mit denen in Brasilien vergleichen: Viele Armenviertel werden von schwer bewaffneten Drogenbanden kontrolliert. Rückt die Polizei in den Favelas ein, um einen Haftbefehl zu vollstrecken oder nach Rauschgift zu suchen, wird sie nicht selten mit Salven aus Sturmgewehren empfangen. Die Operationen in den verwinkelten Gassen der Elendsviertel von Rio de Janeiro und São Paulo gleichen eher Militäreinsätzen als Polizeimaßnahmen. Menschenrechtsaktivisten werfen der Polizei allerdings vor, häufig mit übertriebener Härte vorzugehen und wenig Rücksicht auf die Bewohner der Favelas zu nehmen.

Menschenrechtsaktivisten kritisieren blutigen Einsatz 

Das Menschenrechtskommissariat der Vereinten Nation forderte eine Untersuchung des blutigen Polizeieinsatzes in Rio de Janeiro. «Wir sind entsetzt über die Polizeieinsätze in den Favelas von Rio de Janeiro, bei denen Berichten zufolge bereits über 60 Menschen ums Leben gekommen sind, darunter vier Polizeibeamte», hieß es in einer Stellungnahme. «Sie setzen den Trend extrem tödlicher Einsätzen in den abgehängten Gemeinden Brasiliens fort. Wir erinnern die Behörden an ihre Verpflichtungen aus dem internationalen Recht und fordern eine umgehende Untersuchung.»

Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte die Operation. «Öffentliche Sicherheit wird nicht mit Blut erreicht», hieß es in einer Mitteilung der Gruppe. «Der Einsatz mit den meisten Toten in der Geschichte Rio de Janeiros offenbart das Scheitern der Sicherheitspolitik des Bundesstaates und versetzt die Stadt in einen Zustand des Terrors.»

Kriminalität / Polizei / Drogen / Brasilien
29.10.2025 · 16:56 Uhr
[1 Kommentar]
Käse im Supermarkt (Archiv)
Wiesbaden - Die bundesweite jährliche Inflationsrate, die im November bei 2,3 Prozent gelegen hatte, dürfte im Dezember deutlich zurückgegangen sein. Darauf deuten erste Zahlen aus den Bundesländern hin, die bereits am Dienstagvormittag veröffentlicht wurden. Einen besonders kräftigen Rückgang von 2,3 Prozent im Vormonat auf aktuell 1,8 Prozent maßen die Statistiker dabei in Nordrhein-Westfalen. […] (00)
vor 3 Minuten
Paul Mescal
(BANG) - Paul Mescal würde "den Verstand verlieren", wenn er zwei Jahre Pause vom Schauspielern machen würde. In einem Interview mit der Zeitung 'The Guardian' vom 2. Januar sagte der 29-Jährige, er lerne gerade, dass er "nicht glaube, so viel weitermachen zu können". Nun stellte der irische Schauspieler klar, dass er damit vor allem eine Auszeit von der Promotion kommender Projekte meinte. Paul – […] (00)
vor 2 Stunden
Das renommierte Analysehaus Jefferies hat seine Einschätzung für die Aktie von Scout24, dem führenden Immobilienportalbetreiber, von 'Hold' auf 'Buy' angehoben. Gleichzeitig wurde das Kursziel leicht von zuvor 106 auf nunmehr 105 Euro korrigiert. In einer umfassenden Branchenstudie äußerte Analyst Giles Thorne die Ansicht, dass die Befürchtungen über eine radikale Umwälzung des Marktes durch […] (00)
vor 1 Stunde
Bandai Namco veröffentlicht Walkthrough-Trailer zu CODE VEIN II
Bandai Namco Entertainment Europe veröffentlicht heute einen neuen Trailer zu CODE VEIN II, der Einblicke in ein weitläufiges Spielgebiet sowie das Fähigkeiten- und Partnersystem bietet. Außerdem wird die Demo zum CODE VEIN II Character Creator ab dem 23. 2026 Januar verfügbar sein, bevor das Spiel am 30. Januar 2026 für PlayStation 5, Xbox Series X|S und PC (via Steam) erscheint. Das Video […] (00)
vor 12 Stunden
«Ein starkes Team» will im Februar wieder viele Fans abschleppen
Im nächsten Fall der Reihe geht es um einen Pannen-Dienst - dessen Chef Klaus Bröser wird ermordet aufgefunden. Das Zweite Deutsche Fernsehen sorgt weiter kontinuierlich für Krimi-Nachschub am Samstag-Abend. Bespielt wird jener unter anderem mit der lang etablierten Reihe Ein starkes Team. Wie nun bekannt wurde, wir die nächste Ausstrahlung dieser Marke mit dem Untertitel "Abgeschleppt" schon bald erfolgen. Konkret am Samstag, den 14. Februar […] (00)
vor 1 Stunde
Fitnessgeräte
Wiesbaden (dpa) - Haben Sie zu Hause ein Ergometer, ein Laufband oder einen Crosstrainer? Gut jeder vierte Haushalt in Deutschland hat mindestens ein Fitnessgerät, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.  Rund 12,9 Millionen Fitnessgeräte gab es im Jahr 2023 in den privaten Haushalten. Diese verteilten sich auf 10,5 Millionen Haushalte. Den Zahlen zufolge besaßen zu diesem Zeitpunkt […] (02)
vor 1 Stunde
In Deutschlands Haushalten herrscht reges Treiben auf Ergometern, Laufbändern und Crosstrainern. Laut Statistischem Bundesamt kann mittlerweile jeder vierte Haushalt mindestens ein Fitnessgerät sein Eigen nennen. Im Jahr 2023 summierten sich diese Geräte auf beachtliche 12,9 Millionen, verteilt auf 10,5 Millionen Haushalte. Interessanterweise hat sich der Anteil der fitnessbegeisterten Haushalte […] (00)
vor 13 Minuten
Neue Daten zeigen typische Muster, die auf potenziellen Mitarbeitenden-Fraud hinweisen.
Zürich / Wien / München, 06.01.2026 (PresseBox) - Fraud im HR-Kontext ist selten ein Zufallsprodukt. Analysen zeigen, dass sich Verdachtsmomente oft aus wiederkehrenden Mustern ergeben. Dazu zählen Diskrepanzen in Qualifikationen, nachträgliche Änderungen in beruflichen Stationen, nicht nachvollziehbare Dokumente oder auffällige OSINT-Signale. Unternehmen benötigen Mechanismen, um solche Muster […] (00)
vor 1 Stunde
 
Nach einem jüngsten Anschlag auf das Stromnetz in Berlin fordert der Bundesverband der Deutschen […] (00)
Impfung
Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trumps Regierung rät künftig zu deutlich weniger […] (03)
In einem dramatischen Schritt haben die Streitkräfte der Vereinigten Staaten von Amerika […] (00)
FDP-Chef Christian Dürr
Stuttgart (dpa) - Die FDP kommt zum Auftakt des für sie schicksalhaften Jahres 2026 in […] (03)
Ronan Keating
(BANG) - Ronan Keating sagt, dass die Boyzone-Reunionkonzerte später in diesem Jahr das "letzte […] (01)
Primetime-Check: Montag, 5. Januar 2026
Bei den Öffis wurde gemordet, bei RTL gequizzt - doch vor wie vielen Leuten? Beginnen wir auch zum Start […] (00)
Tennis: United Cup
Sydney (dpa) - Alexander Zverev und Co. droht beim United Cup das frühe Aus. Nach dem klaren 0: […] (02)
coin, currency, ethereum, ether, bitcoin, crypto currency, block chain, finance, dice, digital, virtual, ethereum, ethereum, ethereum, ethereum, ethereum
Bitcoin Hash Ribbons signalisieren bullischen Trend On-Chain-Daten deuten darauf hin, dass die […] (00)
 
 
Suchbegriff