Verteidigung

Rüstungsproduktion: Panzerbauer fordern politischen Konsens

17. Februar 2023, 19:52 Uhr · Quelle: dpa
Warum kommt die Rüstungsproduktion nicht in Gang? Eigentlich ist alles bereit, so ein führender Rüstungsmanager. Norwegen platziert eine Großbestellung, die Ampel steht noch nicht im Startblock.

München/Berlin (dpa) - Der Panzerbauer Krauss-Maffei Wegmann (KMW) sieht keine industriellen Hindernisse für ein deutliches Hochfahren seiner Produktion. Sein Unternehmen frage dazu laufend alle Unterlieferanten, welche Produktionsraten möglich seien, sagte KMW-Chef Ralf Ketzel der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Ein Signal wie etwa "das geht gar nicht" hat uns bisher niemand gegeben», sagte er. «Was wir dafür brauchen, ist ein klarer politischer Konsens.»

Fast ein Jahr nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine werden Kapazitäten und Fähigkeiten westlicher Rüstungsunternehmen absehbar bis Sonntag auch Thema auf der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) sein. Aus der deutschen Rüstungsindustrie wird immer deutlicher kritisiert, dass die Bundesregierung ungeachtet aller politischen Erklärungen kaum Aufträge vergibt.

Unterdessen hat die norwegische Rüstungsbeschaffungsbehörde (NDMA) bei KMW am Freitag 54 Leopard-2-Kampfpanzer in der neuesten Version A7 NOR bestellt. Die Fahrzeuge sollen von 2026 bis 2028 ausgeliefert werden, teilte KMW nach der Vertragsunterzeichnung mit. Vereinbart sei eine Option auf die Lieferung von weiteren 18 Leopard 2 A7 NOR. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius kündigte in München bei Ankunft zur Sicherheitskonferenz an, zunächst Gespräche mit der Rüstungsindustrie zu führen. Er sprach von «first things first» - das Wichtigste zuerst.

Anderes Geschäftsmodell seit Ende des Kalten Kriegs

KMW ist Hersteller von Waffensystemen wie dem Kampfpanzer Leopard 2 und der Panzerhaubitze 2000. Mit mehr als 4000 Mitarbeitern bezeichnet sich die Firma als Marktführer für hochgeschützte Rad- und Kettenfahrzeuge in Europa. Im Kalten Krieg hat KMW jährlich etwa 300 Leopard-Panzer produziert, also etwa einen pro Arbeitstag. Danach änderte sich das Geschäftsmodell. Zuletzt gab es ein Neubauprogramm in der Größenordnung von 50 Leopard-Panzern pro Jahr. Zudem gibt es ein Upgrade-Programm, bei dem 60 oder 70 Fahrzeuge pro Jahr auf einen moderneren Stand gebracht werden. Etwa 50 weitere Fahrzeuge kommen zur Instandsetzung, also zur Reparatur und Wartung.

«Wenn man erneut in die Produktion von jährlich 300 Fahrzeugen gehen will, haben wir einige Themen, die zu beachten sind. Zum Beispiel sind die Fahrzeuge heute komplexer, denn sie bestehen aus wesentlich mehr Teilen. Außerdem würde wir bestimmte Aufgaben, die wir jetzt im Hauptwerk erledigen, wieder an Tochterunternehmen oder Partnerfirmen abgeben», sagte Ketzel. «Auch da haben wir genug Luft, um relativ zügig wieder in so eine Produktion einzusteigen, wenn sie denn wirklich gewollt ist.»

Als er selbst in das Unternehmen gekommen sei, habe es im Prinzip eine Bandmontage gegeben, «keine einzige Instandsetzung, keine einzige Umrüstung», erinnert er sich. Ketzel: «Es fand nur Serienfertigung des Leopard statt. Wir haben die Infrastruktur seitdem allerdings nicht reduziert, sondern wir sind größer geworden. Wir haben drei Hallen dazu gebaut. Das gibt uns Raum zum Atmen.» KMW sei mit Instandsetzungs- und Umrüstaufträge gut ausgelastet.

Infrastruktur reicht aus

Nach Zahlen, die in Europa noch vor dem Ukraine-Krieg erhoben wurden, und mit dem Ersatz der nun abgegebenen Fahrzeugen werde man auf eine Produktion von 500 bis 600 Leopard 2 kommen, so der KMW-Chef. Wenn dies nicht in einem extrem kurzen Zeitraum erforderlich sei, sei dies mit der jetzigen Infrastruktur in Europa und mit den jetzigen Fertigungslinien möglich.

«Wir haben einen Vorlauf von einem Jahr, bevor bei uns Montage und Integration beginnen. Das bedeutet, dass die großen Unterlieferanten, die Motoren herstellen, Optronic, Elektronik oder spezielle Optiken, sofort gefordert sind», sagte Ketzel. «Manche haben überhaupt gar kein Problem damit, weil sie für viele Systeme ohnehin eine größere Produktionsstraße haben. Manchmal lösen aber auch kleine Themen Kopfschmerzen aus. Das kann zum Beispiel ein Chip sein.»

Für Hochlaufen einer Koproduktion - ob als weitere Produktionslinie im Ausland oder in Deutschland - veranschlagt er ein bis zwei Jahre. Allerdings brauchen auch die Unterlieferanten einen Vorlauf. Ketzel: «Wir können, wenn wir jetzt einen Auftrag haben, sicherstellen, dass die ersten Systeme in zwei Jahren ausgeliefert werden. In drei Jahren geht das dann hoch. Wie steil diese Kurve wird, hängt von den Parametern ab. Wir können vielleicht zwei Linien aufbauen, aber wir können nicht fünf aufbauen.»

Bislang keine Order für Großwaffensysteme

Fast ein Jahr nach der Zeitenwende haben die Bundesregierung und das Beschaffungswesen der Bundeswehr aber noch keine Order für die Großwaffensysteme platziert. Auf die Frage, ob es für das Hochfahren der Produktion schon den Startschuss gibt, antwortet Ketzel: «Nein. Wir sind im Gespräch mit dem (Beschaffungsamt) BAAINBw für viele Verträge. Die sind aus unserer Sicht auf einem sehr guten Weg. Aber da reden wir nicht über dreistellige Stückzahlen.»

Ein klarer politischer Konsens als Entscheidungsgrundlage könne auch eine «bestimmte Zielkonfiguration» sein, was in vier Jahren erreicht werden solle. «Ein prominentes Beispiel ist der Schützenpanzer Puma: Da gab es die klare Aussage, dass im Jahr 2027 eine Division gebraucht wird. Dafür haben wir investiert. Ein gutes Beispiel sind die Briten. Die sagen, sie wollen über zehn Jahre 500 Radpanzer Boxer haben. Das funktioniert.»

Ketzel betont, dass KMW - anders als Automobilbauer oder Computerhersteller - nicht frei am Markt agieren. «Alles unterliegt dem Kriegswaffenkontrollgesetz. Das ist einfach formuliert. Das Herstellen von Kriegswaffen ist erst mal verboten, und dann gibt es Ausnahmegenehmigungen. Wenn wir mit der Herstellung einer Kriegswaffe beginnen wollen, brauchen wir dafür eine Genehmigung», sagt er. «Das ist deutsche Gesetzeslage, und die wird sich nicht ändern. Das ist auch vernünftig. Wir sind eine regulierte Industrie.»

«Ad-hoc-Entscheidungen, die gar nicht so schön geplant sind»

Der Panzerbauer, der seine Zentrale in München und mehrere Niederlassungen in Deutschland und Übersee hat, beobachtet den Verlauf der Gefechte in der Ukraine und zieht daraus Schlüsse für die eigenen Konzepte beim Bau der Waffensysteme. «Heute sehen wir vieles - und verstehen es vielleicht sogar, was unser Bild von Gefechtsführung ändern wird», sagt Ketzel.

So gehe es um Fragen, ob man in der Zukunft noch mit «zeltstadtähnlichen Gefechtsständen» werde leben können oder komplexe Entscheidungsprozesse in Stäben organisiert werden müssten. «Aus der Ukraine spürt man: Das läuft völlig anders, mehr wie ein Netzwerk mit guter Kommunikation. Wir erleben ad-hoc-Entscheidungen, die gar nicht so schön geplant sind, wie wir das mit Karte und Lagebild und Berichtswesen kennen. Unsere Welt und ihre Nervensysteme funktionieren oft andersherum. Die reagieren auf Impulse, auf Informationsblöcke und nicht auf Lagevorträge.»

Konferenzen / Verteidigung / Rüstungsindustrie / Krieg / Panzer / Rüstungsproduktion / Deutschland / Ukraine / Norwegen
17.02.2023 · 19:52 Uhr
[11 Kommentare]
Rettungshubschrauber
Olfen (dpa) - Bei einem Messerangriff in einem Seniorenheim in Olfen im Münsterland ist eine 86 Jahre alte Bewohnerin ums Leben gekommen. Zudem gebe es zwei schwer verletzte Frauen, eine von ihnen schwebe in Lebensgefahr, sagte eine Polizeisprecherin in Münster. Die 81- und 83-Jährige seien ebenfalls Bewohnerinnen. Vom Täter gehe keine Gefahr mehr aus. […] (01)
vor 19 Minuten
Glasfasern sollen Risse in Atommüllbehältern hörbar machen
Abgebrannte Brennelemente geben auch nach der Abkühlung im Wasserbecken weiter Wärme ab. In den USA kommen sie deshalb in verschlossene Stahlkanister, die eine Hülle aus Beton schützt. Diese Behälter stehen oft jahrzehntelang an Reaktorstandorten, Lüftungsöffnungen leiten die Wärme ab. Ein Team der University of Pittsburgh hat nun in Idaho ein […] (00)
vor 8 Stunden
Pressesprecherin des Weißen Hauses Zacharia
Washington (dpa) - Die gerade erst angetretene neue Pressesprecherin von US-Präsident Donald Trump, Katie Zacharia, gibt ihr Amt US-Kreisen zufolge auf. Sie werde den Posten räumen, bestätigte ein ranghoher Regierungsbeamter der Deutschen Presse-Agentur, ohne nähere zeitliche Angaben dafür zu nennen. Zacharia hatte den Job erst am Montag angetreten. Wer […] (00)
vor 1 Stunde
Klassisches JRPG neu aufgelegt: Tales of Eternia Remastered startet
Bandai Namco Entertainment Europe gibt die Veröffentlichung von Tales of Eternia Remastered bekannt. Die überarbeitete Version des beliebten RPG-Klassikers aus dem Jahr 2006 erzählt eine Geschichte über Ewigkeit und Freundschaft und ist ab sofort für Nintendo Switch 2, Nintendo Switch, PlayStation 5, PlayStation 4, XBOX Series X|S sowie für PC via Steam […] (00)
vor 5 Stunden
Daisy Edgar-Jones hat verraten, dass die Dreharbeiten zum Katastrophenfilm 'Twisters' offenbar bleibende Auswirkungen auf ihr Gehör hatten.
(BANG) - Daisy Edgar-Jones hat verraten, dass die Dreharbeiten zum Katastrophenfilm 'Twisters' offenbar bleibende Auswirkungen auf ihr Gehör hatten. Die 28-jährige Schauspielerin erklärte, dass sie seit der Produktion auf ihrem linken Ohr etwas schlechter höre. In dem Film, der als eigenständige Fortsetzung des Klassikers 'Twister' von 1996 entstand, […] (00)
vor 9 Stunden
Eintracht Frankfurt - 1. FC Köln
Frankfurt/Main (dpa) - Younes Ebnoutalib verzichtete nach dem Abpfiff auf große Jubelgesten, aber die Erleichterung war auch dem Matchwinner deutlich anzumerken. Der Neu-Nationalspieler hatte mit seinem Siegtor in der 77. Minute der Eintracht aus Frankfurt ein verdientes 1: 0 (0: 0) gegen den 1. FC Köln beschert und die lange Heimflaute seines Teams […] (01)
vor 3 Stunden
trading, blockchain, cryptocurrency, stocks, stock market, derivatives, bitcoin, crypto, currency, investing
Berichten zufolge wurden die Plattformen Coinbase und Kalshi in Taiwan gesperrt, da der Verdacht besteht, dass sie Wetten auf Wahlen ermöglichen. Seit dem 14. Oktober haben mehrere Nutzer von Coinbase Schwierigkeiten, auf die Website zuzugreifen. Gerichtsbeschluss vor den Wahlen im November Ein Gericht in Neu-Taipeh hat die […] (00)
vor 2 Stunden
Gute Trainer brauchen gute Kontakte – und neue Ideen für Marketing und Vertrieb!
München, 16.10.2026 (lifePR) - Gute Vorträge halten, überzeugende Trainings anbieten und Menschen begeistern – das können viele Trainer und Speaker. Doch wie gelingt es, sichtbarer zu werden, neue Kunden zu gewinnen und die eigenen Angebote erfolgreich zu vermarkten? Genau darum geht es am Dienstag, 20. Oktober 2026, von 18: 00 bis 20: 30 Uhr beim […] (00)
vor 8 Stunden
 
Jobcenter (Archiv)
Berlin - Kurz vor dem Deutschlandtag der Jungen Union am Wochenende warnen führende […] (09)
US-Fahne an der New York Stock Exchange
New York - Die US-Börsen haben am Freitag nachgelassen. Zu Handelsende in New York […] (02)
Gasaustritt an Schule - mehrere Kinder verletzt
Schwelm (dpa) - In einer Grundschule in Schwelm bei Wuppertal sind mehrere Kinder […] (00)
Starlink-Einheit (Archiv)
Warschau - Nach dem Brandanschlag auf ein Starlink-Terminal in Polen führt offenbar […] (00)
Ein aufgeklappter Laptop
Hamburg/Berlin (dpa/tmn) - Ein gefälschtes Browserfenster im Browser, um Nutzende zu […] (00)
Fed-Chef Warsh stärkt die Erwartung einer Zinspause im Oktober
Keine Festlegung, keine Überraschung US-Notenbankchef Kevin Warsh hat die Erwartung […] (00)
Dreharbeiten auf Sylt: Weiterer «Nord Nord Mord»-Fall entsteht
Gedreht wird im hohen Norden also noch bis zum 12. November 2026. Auch in Zukunft wird das […] (02)
SC Freiburg - FK Jablonec
Freiburg (dpa) - Der SC Freiburg hat seinem Trainer Julian Schuster zum Jubiläum […] (02)
 
 
Suchbegriff