Review – Edifier NeoDots – Auffällig im Design, aber auch auffällig im Sound?

Die Edifier NeoDots sind genau so ein Produkt, bei dem du nach den ersten Minuten eigentlich schon ziemlich genau weißt, wohin die Reise geht. Edifier versucht hier gar nicht erst, irgendwelche superneutralen Studio-In-Ears für Hardcore-Audiophile zu bauen. Die NeoDots sollen einfach nur vernünftig und gut ihren Job erledigen: viel Bass, ordentlich Dynamik, moderne Features und dazu ein Preis, für den einem viel fürs Geld geboten wird. Und genau dieses Konzept geht im Alltag erstaunlich gut auf.
Schon beim Auspacken machen die Ohrhörer einen soliden Eindruck. Das Ladecase ist angenehm kompakt und passt locker in die Hosentasche, auch wenn man relativ schnell merkt, dass Edifier beim Material eher pragmatisch unterwegs ist. Das fühlt sich nicht nach Ultra-Premium an, aber irgendwie passt das auch zum Gesamtpaket – kennt man ähnlich schließlich auch von anderen Modellen. Die NeoDots wollen nicht geschniegelt oder übertrieben hochwertig wirken, sondern einfach praktisch und unkompliziert funktionieren.

Die Ohrhörer selbst sind minimal größer als viele aktuelle Konkurrenten und die etwas breiteren Stiele fallen direkt auf. Trotz dieses etwas klobigeren Auftretens sitzen sie überraschend bequem im Ohr. Selbst nach längerer Nutzung drücken sie nicht unangenehm und auch beim Laufen oder im Gym sitzen sie ordentlich fest. Weniger empfehlenswert ist dagegen der Einsatz unter einem klassischen Motorradhelm, weil sie dort recht schnell unangenehmen Druck erzeugen können.

Durch die IP55-Zertifizierung muss man sich bei Regen oder Schweiß ebenfalls keine großen Gedanken machen. Für „Tiefsee-Aktionen“ aka Schwimmen, sollte man aber lieber zu anderen Modellen greifen… wobei ich schon Produkte des Herstellers versehentlich aus der Waschmaschine gefischt habe, die danach immer noch top funktioniert haben – nur eben sauberer.
Design hin oder her, aber was bekomme ich ins Ohr?
Richtig interessant wird es natürlich beim Sound, denn genau dort spielen die NeoDots ihre größte Stärke aus. Und ich muss sagen: Für die Preisklasse machen die Dinger einen guten Job.
Edifier kombiniert hier einen dynamischen Treiber mit Balanced-Armature-Treiber-Komponenten, die man sonst eher aus teureren Geräten kennt. Im direkten Vergleich merkt man das tatsächlich. Der Klang wirkt lebendiger als bei vielen günstigen Standard-In-Ears, die einfach nur möglichst viel Bass rauswerfen und hoffen, dass das schon beeindruckend genug klingt.
Also: Testplaylist geladen und los geht’s.
Auch wenn ich eher der Rock- und Metal-Typ bin, mussten natürlich auch die massentauglichen Genres herhalten. Ja, selbst Schlager und böser Gangster-Rap. Ihr dürft also gerne etwas Mitleid haben.

Die NeoDots gehen jedenfalls mehr in eine bassorientierte Richtung, verlieren dabei aber nicht komplett die Kontrolle. Gerade bei Hip-Hop oder Pop liefern die Ohrhörer ordentlich ab. Der Bass hat Druck, ohne dass Stimmen komplett untergehen, wie es bei manch günstigen Steckern gerne passiert. Genau das macht sie unterwegs oder im Alltag angenehm. Man setzt sie ein und merkt, dass der Sound der NeoDots generell einen guten ausgewogenen Charakter hat… Nicht so einen linearen Einheitssound, der sich nur im mittleren Frequenzbereich annähernd erträglich anhört oder das jeweilige andere Frequenzspektrum verschluckt. Nö, hier liefert Edifire ein Gerät das den Sound über einen breiten Bereich sauber durchschaltet und gleichzeitig bleiben auch Stimmen überraschend sauber, wo man bei anderen Geräten mehr mit den EQ-Settings spielen muss.
LDAC beziehungsweise der Hi-Res-Modus sorgt zusätzlich für eine bessere Übertragung via Bluetooth.
Vor allem mit aktiviertem LDAC merkt man, dass in den NeoDots mehr steckt als nur typischer Einheitssound. Mit einem kompatiblen Android-Smartphone wirken viele Songs etwas offener und detailreicher. Natürlich reden wir hier nicht über absolutes High-End-Niveau, aber für True-Wireless-In-Ears in dieser Preisregion ist das schon ziemlich stark.
Ein gutes Produkt, was durch die App noch besser wird.
Auch die verschiedenen Klangprofile in der App wirken diesmal nicht wie reine Alibi-Features. Das kennt man ja oft genug: fünf EQ-Modi, die am Ende trotzdem fast identisch klingen. Bei den NeoDots hört man die Unterschiede dagegen tatsächlich. Der Bass-Modus schiebt die Tiefen ordentlich an und eignet sich perfekt als Motivationsschub beim Sport oder für elektronische Musik im kleinen persönlichen Rave-Festival direkt im Ohr. Das klassische Profil klingt dagegen entspannter und ausgewogener. Dadurch lässt sich der Sound angenehm an den eigenen Geschmack anpassen.
ANC und Transparenzmodus – je nach Situation die passende Option
Beim ANC liefern die NeoDots ebenfalls ordentlich ab. Klar, an absolute Topmodelle wie die großen Bose- oder Sony-In-Ears kommen sie nicht ganz heran, dafür kosten sie aber eben auch deutlich weniger. Tiefe Geräusche wie Motoren, Bahnrauschen oder Flugzeuggeräusche werden überraschend effektiv weggefiltert. Gerade im Zug oder in öffentlichen Verkehrsmitteln merkt man schnell, wie viel angenehmer Musik oder Podcasts dadurch werden. Stimmen dringen teilweise zwar noch durch, insgesamt arbeitet das Noise Cancelling für diese Preisklasse aber mehr als ordentlich.

Persönlich finde ich die Abstimmung hier sogar angenehmer als bei manchen deutlich teureren Modellen, bei denen das ANC schnell dieses unangenehme Druckgefühl erzeugen kann, das irgendwann auf den Kopf geht.
Der Transparenzmodus macht seinen Job ebenfalls gut. Durchsagen oder kurze Gespräche funktionieren problemlos, ohne dass man die Ohrhörer direkt herausnehmen muss. Ganz natürlich klingt das Ganze zwar nicht immer, für den Alltag reicht es aber locker aus – oder wenn der Kollege plötzlich zur Tür reinkommt und nach einem Kaffee fragt.
Akku für die halbe Ewigkeit … zumindest gefühlt
Eine der größten Überraschungen war für mich tatsächlich die Akkulaufzeit. Die NeoDots laufen gefühlt ewig. Die angegebenen 56 Stunden wirken dabei gar nicht so unrealistisch. Während viele True-Wireless-In-Ears nach fünf oder sechs Stunden langsam schlappmachen, halten die hier deutlich länger durch. Gerade auf Reisen oder an langen Arbeitstagen ist das extrem angenehm, weil man nicht ständig ans Nachladen denken muss.

Zusammen mit dem Ladecase kommt man auf Laufzeiten, die in dieser Klasse definitiv überzeugen. Dazu gibt’s Schnellladen und sogar Wireless Charging – etwas, das in diesem Preisbereich alles andere als selbstverständlich ist. Letzteres konnte ich im Test allerdings leider nicht ausprobieren, weil mir dafür schlicht die passende Hardware fehlt.

Mit der Smartphone-App alles im Griff
Die Edifier-ConneX-App ist dagegen ein bisschen Licht und Schatten zugleich. Der Funktionsumfang stimmt: ANC-Einstellungen, EQ, Touch-Steuerung, Gaming-Modus und Multipoint sind alles Features, die man gerne sieht. Gleichzeitig wirkt die App an einigen Stellen noch nicht ganz so sauber aufpoliert wie die Hardware selbst. Manche Menüs könnten übersichtlicher sein und gelegentlich braucht man einfach ein paar Klicks mehr als nötig. Nichts Dramatisches, aber eben auch nicht komplett intuitiv.
Gesamteindruck – viel Spaß fürs Geld
Im Alltag machen die NeoDots insgesamt einen ziemlich runden Eindruck. Egal ob Musik, YouTube, Netflix, Podcasts oder Gaming – die Ohrhörer funktionieren für fast alles erstaunlich gut. Auch die Mikrofonqualität ist absolut in Ordnung. Klar, bei starkem Wind kommen sie irgendwann an ihre Grenzen, für normale Telefonate oder Meetings reicht das aber locker aus.
Am Ende sind die Edifier NeoDots vor allem deshalb spannend, weil sie in vielen Bereichen mehr liefern, als man in dieser Preisklasse erwarten würde. Starker Sound, gutes ANC, LDAC, Multipoint, Wireless Charging und eine starke Akkulaufzeit ergeben hier ein Gesamtpaket, das man so nicht allzu oft bekommt.


