Protestwelle im Iran: Ein vorläufiges Innehalten
Die Protesttage im Iran scheinen einem ruhigen Intermezzo gewichen zu sein, wie das amerikanische Critical Threats Project (CTP) berichtet. Am Dienstag wurden noch sieben Proteste in sechs unterschiedlichen Provinzen verzeichnet. Diese Rückgang der Aktivität kommt nach einer intensiven Phase von landesweiten Aufständen, die in der öffentlichen Wahrnehmung ein hohes Maß an internationalem Interesse geweckt hatten.
Der Zugang zu verlässlichen Informationen bleibt jedoch durch die bestehenden Internetsperren erheblich eingeschränkt. Noch am vergangenen Donnerstag dokumentierte das CTP 156 Demonstrationen quer durch 27 von insgesamt 31 Provinzen des Landes. Die hohe Anzahl an Opfern, die durch die Unruhen gefordert wurden, bleibt trotz Berichten von Menschenrechtsorganisationen schwer zu bestätigen. Das Institute for the Study of War (ISW) und das American Enterprise Institute verweisen auf die Brutalität der Repression, die die Protestler offenbar abschreckt und die Anzahl der Kundgebungen reduziert.
Ein kleiner Hoffnungsschimmer: In Teheran, der pulsierenden Hauptstadt des Landes, konnten die Menschen am Dienstag erstmals nach mehreren Tagen wieder Auslandsgespräche führen. Inmitten dieser angespannten Ruhe beschreiben Einwohner die Stadt als ein Pulverfass, dessen sicherheitsmäßig strikte Überwachung keinen Raum für Kompromisse lässt. Besonders heftig fielen die Proteste am letzten Donnerstag und Freitag aus, woraufhin die Sicherheitskräfte mit rigoroser Härte antworteten. Laut der Menschenrechtsorganisation Hengaw haben seit dem Ausbruch der Proteste Ende Dezember mehr als 2.500 Menschen das Leben verloren.

