Octopus bereitet Abspaltung von Kraken Technologies vor – Milliardenbewertung für Energiesoftware möglich
Die britische Octopus Energy plant die Abspaltung ihrer Technologiesparte Kraken Technologies. Die eigenständige Gesellschaft könnte laut mit dem Vorgang vertrauten Personen mit bis zu 10 Milliarden US-Dollar bewertet werden. Der Schritt erfolgt nach Jahren rasanten Wachstums – zuletzt hatte Kraken den Zuschlag für die Abrechnungssysteme der US-Sparte von National Grid erhalten.
Die Softwareplattform unterstützt Versorger weltweit bei der Optimierung von Tarifen, E-Mobilität, Solaranlagenintegration und der automatisierten Kundenabrechnung. Neben Octopus selbst setzen unter anderem Eon und EDF auf die Kraken-Technologie. Mehr als 70 Millionen Energie- und Wasseranschlüsse weltweit werden bereits über das System gesteuert. Bis 2027 sollen es 100 Millionen werden.
Kraken gilt als technologische Schlüsselsäule des Erfolgsmodells von Octopus Energy. Die Bewertung des Gesamtkonzerns stieg im Mai 2024 auf 9 Milliarden US-Dollar, nachdem Großinvestoren wie Generation Investment Management, Canada Pension Plan Investment Board sowie Galvanize Climate Solutions ihre Beteiligungen aufstockten. Letztere betonten die Rolle von Kraken als „skalierbare Plattform mit Start-up-Agilität und Konzernvertrauen“.
Die Abspaltung, die innerhalb der nächsten zwölf Monate erfolgen soll, wird von Investmentbanken begleitet. Ziel ist es, Kraken Technologies als eigenständige Gesellschaft mit einer unabhängigen Struktur aufzustellen. Derzeit gehört Kraken vollständig der Muttergesellschaft Octopus Energy. Im Zuge der Abspaltung könnten externe Investoren Minderheitsanteile übernehmen, während Octopus laut Insidern möglicherweise einen kleineren Anteil behält.
In Vorbereitung auf diesen Schritt hatte Octopus bereits organisatorisch vorgebaut: So wurde Amir Orad als CEO von Kraken installiert, während Gavin Patterson, der frühere Chef der BT Group, den Vorsitz im Verwaltungsrat übernahm. Diese Maßnahmen sollten vor allem Bedenken von Lizenzkunden hinsichtlich potenzieller Interessenkonflikte entschärfen.
Eine Börsennotierung von Kraken steht im Raum, konkrete Entscheidungen hierzu gibt es bislang nicht. Octopus-CEO Greg Jackson äußerte sich im Januar offen für verschiedene Optionen. Das Unternehmen lehnte eine Stellungnahme zur aktuellen Entwicklung ab.

