51. Verhandlungstag

Mutmaßliche Entführerin: Wir nannten Frau Block «Lady C»

27. Mai 2026, 14:31 Uhr · Quelle: dpa
Fortsetzung Prozess gegen Christina Block
Foto: Christian Charisius/dpa-pool/dpa
Christina Block und ihr Anwalt Ingo Bott
Die mutmaßlichen Entführer der Block-Kinder nutzten bei ihrer Aktion Alias-Namen. Das hat eine als «Olga» bekannte Zeugin ausgesagt und verraten, wer den Spitznamen Marienkäfer bekam.

Hamburg (dpa) - Im Block-Prozess hat eine mutmaßliche Entführerin aus Israel vor dem Landgericht Hamburg von Spitznamen berichtet, die ihr Team für Beteiligte in dem Fall erfand. Die Mitarbeiter einer israelischen Sicherheitsfirma hätten Christina Block intern «Ladybug» (Marienkäfer) oder «Lady C» genannt, sagte die 51 Jahre alte Zeugin laut Übersetzung auf Nachfragen der Vorsitzenden Richterin. 

Die Frau hatte während ihrer Zeit in Hamburg den fiktiven Namen «Olga» und wohnte im zur Block-Gruppe gehörenden Luxushotel Grand Elysée unter dem Alias-Namen «Doris White». Sie soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft an der Entführung des Sohnes (damals 10) und der Tochter (13) von Christina Block in der Silvesternacht 2023/24 aus Dänemark beteiligt gewesen sein.

Laut Anklage war die 51-Jährige «die rechte Hand» des Chefs der Sicherheitsfirma, die für die Entführung verantwortlich gewesen sein soll. Dieser sei viele Jahre beim Geheimdienst gewesen, berichtete die Zeugin. Es sei in ihrem «Job» üblich, bei Aufträgen Alias-Namen zu vergeben. Das seien lediglich «Spitznamen». Zudem hätten die «Kunden» neue Mobiltelefone für die gemeinsame Kommunikation bekommen.

Die Hamburger Unternehmerin ist angeklagt, nach einem eskalierten Sorgerechtsstreit mit ihrem Ex-Mann die israelische Sicherheitsfirma damit beauftragt zu haben, ihre Kinder vom Wohnort ihres Ex-Mannes in Dänemark nach Deutschland zu entführen. Die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette «Block House», Eugen Block, beteuert ihre Unschuld.

Zeugin bekam sicheres Geleit

Die Zeugin, die während ihrer Aussage mehrmals mit einem Taschentuch Tränen abwischte, war in ihrer Zeit in Hamburg zu einer Vertrauten der Angeklagten Block geworden. Das haben beide Frauen vor Gericht berichtet. Die Staatsanwältin hakte nach, ob denn mal thematisiert worden sei, was die beiden jüngsten gemeinsamen Kinder von Block und Hensel eigentlich selbst wollten. 

Der Vater habe die Kinder ja im Sommer 2021 nach einem Wochenendbesuch nicht zurückgebracht, sagte die Zeugin. Ihr sei berichtet worden, der Vater hätte die Kinder gezwungen, die Mutter als «Monster» darzustellen. «Haben Sie sich mal die Frage gestellt, ob diese Information zuverlässig ist?», wollte der Anwalt des Vaters, Philip von der Meden, wissen. Die Zeugin erklärte, sie habe den Erzählungen vertraut.

Der ebenfalls angeklagte Familienanwalt habe mehrfach betont, dass rechtlich alles in Ordnung sein werde, wenn die Kinder zurück in Deutschland seien, berichtete die Israelin. Denn die Mutter habe nach seinen Worten zu diesem Zeitpunkt das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht gehabt. «Wir haben ihm einfach geglaubt.»

Männer waren schwarz gekleidet und maskiert

Trotzdem hätten die Männer bei der Rückholaktion in der Silvesternacht 2023/24 schwarze Kleidung getragen und seien maskiert gewesen. «Sie wollten in Dänemark nicht erkannt werden», sagte die Zeugin. «Wir wussten, dass es in Dänemark nicht legal ist.»

Für ihre Aussagen in Hamburg wurde der Frau sicheres Geleit zugesagt. Jedes Teammitglied habe eigentlich eine feste Aufgabe gehabt. Gewalt gegen den Vater Stephan Hensel, der von einem der Männer verletzt worden sei, sei eigentlich nicht geplant gewesen. Hensel ist in dem Prozess Nebenkläger und an den meisten Prozesstagen selbst anwesend.

Christina Block habe das genaue Datum der Rückholaktion gekannt, betonte die Zeugin. Sie sei aber nicht in Einzelheiten des Plans eingeweiht gewesen. Die Angeklagte Block hatte zu Beginn des Prozesses erklärt, dass sich die israelische Sicherheitsfirma eigentlich nur um die Cybersicherheit im zur Block-Gruppe gehörenden Hotel Grand Elysée kümmern sollte. Sie sei davon ausgegangen, dass die Israelis vor Silvester in ihre Heimat abgereist seien. Die israelische Firma habe auf eigene Faust gehandelt. 

Es gibt sechs weitere Angeklagte in dem Prozess. Einer ist Blocks Lebensgefährte, Ex-Sportmoderator Gerhard Delling. Er muss sich wegen Beihilfe verantworten und bestreitet die Vorwürfe ebenfalls.

Prozess (Gericht) / Kriminalität / Hamburg / Christina Block / Kindesentführung / Israel / Sicherheitsfirma
27.05.2026 · 14:31 Uhr
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