007 First Light im Review-Check: IO Interactive liefert das beste Bond-Spiel seit GoldenEye – aber nicht ohne Makel
007 First Light startet mit einem Paukenschlag in den Mai. Die ersten Reviews zum neuen Bond-Spiel von IO Interactive sind da, und die Kritiker sind sich weitgehend einig: Die Hitman-Macher haben geliefert. Auf Metacritic steht der PS5-Ableger aktuell bei 88 von 100 Punkten (51 Reviews), die PC-Version folgt mit soliden 87 Punkten (24 Reviews). Es ist das bestbewertete Spiel in der Geschichte des dänischen Studios – und das beste Bond-Spiel seit fast 30 Jahren.
88 Punkte auf Metacritic – IOIs bestbewertetes Spiel aller Zeiten
Dass ausgerechnet IO Interactive mit einem lizenzierten Bond-Spiel seinen eigenen Studio-Rekord bricht, hat eine gewisse Ironie. Die Dänen haben sich mit der Hitman-Trilogie einen Ruf als Meister des Social-Stealth-Genres erarbeitet, doch kein Hitman-Teil schaffte es über die 87-Punkte-Marke, die Hitman 3 hält. First Light zieht vorbei – und zwar mit einer Mischung aus cineastischer Inszenierung, spielerischer Hitman-DNA und einem jungen Bond, den Patrick Gibson als ungeschliffenen Rohdiamanten verkörpert.
Die Review-Landschaft im Kurzüberblick:
- VGC: „Ein Meisterwerk voller Spektakel, Humor, Action und Romantik“
- The Guardian: 5 Sterne – „Niemand hat Bond im Gaming-Bereich besser umgesetzt“
- GamesRadar+: 4 von 5 Sternen – „Smarte Design-Entscheidungen machen das zum rundesten Spionage-Thriller“
- Eurogamer: Zurückhaltender – „Nicht das Bond-Spiel, das ich von IO Interactive erwartet hatte“ – aber dennoch eine klare Empfehlung
Die beiden „Mixed“-Wertungen auf Metacritic liegen übrigens bei soliden 7 von 10 – kein einziger Totalverriss. Für ein Lizenzspiel, das traditionell eine schwierige Gattung ist, spricht das Bände.
GoldenEye bleibt König – aber First Light ist verdammt nah dran
Und jetzt der Gigant im Raum: GoldenEye 007. Rares N64-Meilenstein von 1997 hält bis heute die Metacritic-Krone mit 96 von 100 Punkten – ein Wert, den First Light nicht einmal ankratzt. Aber: Zwischen GoldenEye und First Light klafft eine Gaming-Archäologie des Scheiterns. Die Bond-Spiele nach GoldenEye lesen sich wie ein Warnhinweis an jeden Publisher:
| Spiel | Jahr | Metascore |
|---|---|---|
| GoldenEye 007 (N64) | 1997 | 96 |
| Everything or Nothing | 2004 | 84 |
| Blood Stone | 2010 | 64 |
| Quantum of Solace | 2008 | 65 |
| 007 Legends | 2012 | 41 |
| 007 First Light | 2026 | 88 |
Die Wahrheit ist: Die Messlatte lag auf dem Boden. Dass IO Interactive jetzt mit 88 Punkten das beste Bond-Spiel seit 29 Jahren abliefert, ist trotzdem kein Marketing-Gag, sondern mathematisch belegbar. GoldenEye bleibt unantastbar, aber First Light ist das erste Bond-Spiel seit Ewigkeiten, das den Vergleich überhaupt verdient.
Hitman-DNA, Bond-Improvisation – und der Eurogamer-Einwand
Was die Tests durchweg loben, ist IOIs Übersetzung der Hitman-Formel auf Bond. Die ersten 13 Minuten zeigen einen jungen Navy-Soldaten, der nach einem Hubschrauberabsturz in Island improvisieren muss: Parka klauen, Montenegrinisch vortäuschen, Gegner durch die Umgebung ausschalten. Das ist Hitman-DNA im Schnelldurchlauf – schneller, cineastischer, aber mit dem gleichen kreativen Spielraum.
Die Q-Gadgets unterstreichen das: Die Q-Linse markiert Gegner durch Wände, die Q-Uhr feuert einen Laser zum Seile-Durchtrennen oder Blenden, Umgebungsinteraktionen erlauben „Unfälle“ wie fallende Kronleuchter. Das ist Agent 47 in Bond-Kleidung – und genau das funktioniert.
Doch Eurogamer bringt den spannendsten Kontrapunkt: „First Light is not the Bond game I wanted from IO Interactive.“ Der Vorwurf: IOI hätte mehr auf offene Sandbox-Level setzen sollen, statt sich auf eine lineare, wenn auch breit angelegte Story zu konzentrieren. Dass es keine alternativen Enden gibt, unterstreicht diese Designphilosophie: Ein Bond, eine Geschichte, ein festgelegtes Ende. Das ist mutig – und verweigert sich bewusst dem „Deine Wahl zählt“-Trend.
14 Stunden, 80 Euro – und kein zweites Ende
Die 14-stündige Kampagne ist für ein Vollpreis-Spiel 2026 ambitioniert kurz. In einer Branche, in der selbst lineare Action-Titel gerne 25 Stunden auf die Uhr bringen, könnte das für Manche ein Knackpunkt sein. IOI kontert mit Dichte statt Länge: Keine Füller-Missionen, kein Grind, kein künstlich aufgeblähtes Open-World-Gepäck.
Technisch liefert die hauseigene Glacier Engine ab – auf der PS5 Pro mit 60 FPS via PSSR, auf Standard-Konsolen mit AMD FSR 3.1.5. Die Verschiebung von März auf Mai begründete IOI mit Qualitätssicherung – ob das gereicht hat, zeigt sich ab heute.


