Mobbing und Cybermobbing: Eine unterschätzte gesellschaftliche Herausforderung
Susanne, eine 30-jährige Kölnerin, hat über Jahre hinweg diverse Formen des Mobbings erlebt – von der Schulzeit bis in ihr Berufsleben. Ihr Schicksal steht exemplarisch für ein wachsendes Problem in Deutschland. Der jüngste Bericht des Bündnisses gegen Cybermobbing zeigt alarmierende Zuwächse bei Mobbing-Fällen unter Erwachsenen: Eine aktuelle Untersuchung mit 2.300 Teilnehmern offenbart, dass rund 37 Prozent von ihnen bereits Ziel klassischer Mobbing-Angriffe waren, was einem Anstieg von 12,9 Prozent seit der letzten Erhebung 2021 entspricht.
Insbesondere der Arbeitsalltag erweist sich als konfliktträchtiges Terrain; hier entfallen 43 Prozent der Vorfälle auf Mobbing. Besonders besorgniserregend ist, dass Vorgesetzte häufig in das Mobbing involviert sind. Beim Phänomen Cybermobbing sind über 7,2 Millionen Menschen betroffen – ein Anstieg um 21,7 Prozent. Besonders junge Erwachsene stehen dabei unter Druck: 45 Prozent der 18- bis 24-Jährigen erfahren Mobbing, während 25 Prozent von Cybermobbing betroffen sind.
Bemerkenswert ist die Wandlung der Opfer zu Tätern, ein Phänomen, das sich durch das Fortschreiben negativer Verhaltensmuster von der Schulzeit ins Arbeitsleben zeigt. Die hohe Sozialdynamik von Mobbing illustriert sich durch die Aussage vieler Täter, aus Gruppenzwang zu handeln. Cybermobbing scheint hingegen oft auf individuelle Konflikte zurückzuführen sein.
Die sozialen und wirtschaftlichen Folgen sind erheblich: Fast die Hälfte der Mobbing-Opfer leidet unter psychischen Beschwerden, und Suizidgedanken bei Cybermobbing-Opfern sind keine Seltenheit. Der wirtschaftliche Schaden durch Ausfälle am Arbeitsplatz wird auf rund 4,3 Milliarden Euro jährlich geschätzt. Dies sollte Unternehmen wachrütteln, da die Arbeitsleistung ihrer Mitarbeiter stark beeinträchtigt wird.
Uwe Leest vom Bündnis gegen Cybermobbing fordert mehr präventive Maßnahmen und proaktive Unterstützung durch Unternehmen. Ohne weitergehende gesellschaftliche Sensibilisierung und Nachsorge, so Leest, könnte dieses Problem noch weiter eskalieren. Die Geschichte von Susanne zeigt jedoch, dass mit Therapie und Unterstützung eine Rückkehr in ein normales Leben möglich ist. Ihre Geschichte mahnt: Individuelle Unterstützung und eine stärkere gesellschaftliche Aufmerksamkeit sind dringend nötig.

