Meyer Werft: Ein finanzieller Sturm zieht auf
Die Nachricht, dass die frisch gestützte Meyer Werft mit unerwarteten Mehrkosten zu kämpfen hat, schlägt hohe Wellen in der Branche. Ein kürzlich vorgelegtes Rechtsgutachten enthüllt nun, dass beim Einstieg von Bund und Land keine Kenntnis über die Kostenabweichungen bei Eigentümern oder Geschäftsführung vorlag — ein Fahrlässigkeitsvorwurf ist dem Unternehmen somit nicht zu machen. "Die kontinuierliche Begleitung der Untersuchungen durch die Landesregierung sorgte dafür, dass das finanzielle Ausmaß jetzt nicht überraschend kommt", kommentierte ein Sprecher des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums.
In vertraulichen Gesprächen erhielten auch die zuständigen Landtagsausschüsse Einblick in die Entwicklung der Werft. Ein Bericht der "Neuen Osnabrücker Zeitung" geht den Ursachen auf den Grund: Der Bau von Konverterplattformen und eines Kreuzfahrtschiffes für den Disney-Konzern schlägt mit Mehrkosten von 185 Millionen Euro zu Buche. In einem Gespräch mit dem "Handelsblatt" bezifferte ein Rechtsberater der Werft die Größenordnung der Kalkulationsfehler genauer: Es fehlten Berechnungen für 200 Kilometer Kabel, und ein ganzer Schiffsteil blieb unberücksichtigt.
Die Zukunft des Traditionsunternehmens, dessen wirtschaftliche Notlage vor einem Jahr den Bund und das Land Niedersachsen zum Eingreifen zwang, bleibt ungewiss. Zwar hatte der Staat jeweils 40 Prozent der Anteile erworben und stellte Bürgschaften über 2,6 Milliarden Euro bereit, doch die jetzt bekannten Zusatzbelastungen kratzen erneut an den Optimismus der Beteiligten. Die Pressestelle der Meyer Werft hielt sich zu den aktuellen Vorwürfen bedeckt und deutete an, dass ein umfassender Abschlussbericht noch aussteht.
Die sich nun massiv verändernde Kostenkalkulation lässt auch den letzten Sommer nicht in Vergessenheit geraten, als die Werft begann, sich im segmentübergreifenden Anlagenbau für die Energiewende zu engagieren. Mit dem Bau von vier Konverterplattformen für ein Konsortium wagt das Unternehmen den Sprung ins kalte Wasser der Offshore-Technik, während es parallel um Stabilität im eigentlichen Kerngeschäft ringt.

