Merck senkt Prognose trotz solider Quartalszahlen
Der führende Darmstädter Pharma- und Technologiekonzern Merck beeindruckt mit soliden Ergebnissen im ersten Quartal, sieht sich jedoch gezwungen, seine Jahresprognose nach unten anzupassen. Unternehmensinterne Mitteilungen vom Donnerstag führen die Anpassung auf globale wirtschaftliche und geopolitische Herausforderungen zurück. Insbesondere starke Wechselkursschwankungen, vor allem beim US-Dollar, sowie Unsicherheiten in Bezug auf Zölle belasten das Geschäft. Dies spiegelt sich negativ im Aktienkurs wider, der im frühen Dax-Handel deutlich abrutschte.
Am Vormittag verzeichnete die Aktie von Merck einen Wertverlust von über fünf Prozent und markierte damit ein neues Tief seit Ende April. Dabei fiel sie zurück auf den niedrigsten Stand seit August 2020. Ursache dafür war nicht zuletzt die allgemeine Marktschwäche, ausgelöst durch die Ankündigung umfangreicher US-Zölle durch Präsident Trump. Glücklicherweise hat sich die Lage teilweise entspannt, nachdem einige Zölle zurückgenommen oder Moratorien eingerichtet wurden.
Laut Finanzchefin Helene von Roeder trägt der schwächere Dollar zu 80 Prozent zur Prognoseänderung bei, da Merck einen beachtlichen Teil seines Umsatzes in Nordamerika generiert. Der schwache Dollar verringert den Wert der Umrechnung in Euro. Zusätzlich beeinträchtigen Zollabgaben das Geschäft, trotz lokalisierter Produktion und Lieferketten. Besonders das globale Laborgeschäft spürt die Auswirkungen, was zur Weitergabe von höheren Zollkosten an Kunden führte. Erleichterungen durch aufgehobene Zölle in China bieten etwas Entlastung.
Trotz Drohungen von Präsident Trump, Zölle auf importierte Medikamente zu erheben, bleiben diese aus. Auch geplante Maßnahmen zur Senkung von US-Medikamentenpreisen scheinen derzeit keinen direkten Einfluss auf Merck zu haben, betont von Roeder. Der Konzern erwartet nun einen Jahresumsatz zwischen 20,9 und 22,4 Milliarden Euro sowie einen operativen Gewinn von 5,8 bis 6,4 Milliarden Euro, jedoch mit optimistischeren Aussichten in der Pharmasparte.
Vorstandschefin Belén Garijo zeigt sich dennoch zuversichtlich und betont die strategische Positionierung für nachhaltiges Wachstum bis 2025 und darüber hinaus. Die kürzlich angekündigte Übernahme des US-Krebsspezialisten Springworks Therapeutics stärkt Mercks Standpunkt auf dem amerikanischen Pharmamarkt trotz bestehender Zölle.
Im ersten Quartal profitierte Merck von einer stabilen Nachfrage, insbesondere in der Arzneimittel- und Halbleiterproduktion. Der Umsatz stieg um rund drei Prozent auf 5,28 Milliarden Euro, während das bereinigte Ebitda mit 1,54 Milliarden Euro erfreulich über den Erwartungen lag. Mit einem Quartalsgewinn von 738 Millionen Euro konnte das Unternehmen den Vorjahreswert von 699 Millionen übertreffen.

