Krieg gegen die Ukraine

Kampfpanzer-Lieferungen setzen Pistorius schon unter Druck

18. Januar 2023, 16:01 Uhr · Quelle: dpa
Kaltstart für den designierten Verteidigungsminister Boris Pistorius: Schon jetzt geht es darum, ob Deutschland Kampfpanzer in die Ukraine liefert. Denn von dort werden die Hilferufe immer lauter.

Berlin (dpa) - Der neue Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) steht schon unmittelbar nach seiner Nominierung unter starkem Druck, die von der Ukraine geforderten Kampfpanzer-Lieferungen umzusetzen.

Grünen-Fraktionsvize Agnieszka Brugger sagte dem Medienhaus Table.Media: «Wer der Lieferung von Mardern zustimmen kann, kann auch Leopard-Panzer liefern.» Aus der Ukraine kamen deutliche Forderungen direkt an Pistorius.

Der bisherige niedersächsische Innenminister soll am Donnerstag im Bundestag vereidigt werden und tags darauf an einem Treffen der von den USA geführten «Kontaktgruppe zur Verteidigung der Ukraine» auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz teilnehmen. Dort wollen die westlichen Verbündeten über weitere militärische Unterstützung für das von Russland angegriffene Land beraten. Dabei stellt sich auch die heikle Frage, ob Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 geliefert werden sollen. Deutschland nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein, weil die Panzer hier produziert werden und die Bundesregierung deswegen jeden Export auch anderer Länder genehmigen muss.

US-Präsident Joe Biden und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatten am Dienstag erneut miteinander telefoniert und über Unterstützung für die Ukraine gesprochen, wie das Weiße Haus anschließend mitteilte. Nach Angaben des Sprechers der Bundesregierung, Steffen Hebestreit, stimmten Scholz und Biden darin überein, dass diese Unterstützung «wirksam, nachhaltig und eng abgestimmt» sein müsse. Zuletzt hatten Biden und Scholz vereinbart, der Ukraine Schützenpanzer zu liefern.

Scholz will sich weiterhin nicht festlegen

Zuvor hatte Scholz in einem auf Englisch geführten Interview der Nachrichtenagentur Bloomberg seine bisherigen Positionen in der Frage der Waffenlieferungen wiederholt: «Wir werden die Ukraine so lange unterstützen, wie es notwendig ist, mit allen Mitteln, die wir einsetzen können.» Er wiederholte auch seinen Vorbehalt, dass die Nato-Verbündeten vermeiden müssten, in einen direkten Konflikt mit Russland hineingezogen zu werden. Mit Blick auf weitere Waffenlieferungen sagte er: «Wir gehen nie allein, denn das ist notwendig in einer sehr schwierigen Situation wie dieser.»

Der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen, plädiert dafür, dass Deutschland Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 an die Ukraine liefert. Viele Partner, so etwa Großbritannien oder Polen, wollten selbst Kampfpanzer an die Ukraine liefern und seien dafür, dass Deutschland dies ebenfalls tue, sagte Heusgen am Dienstagabend dem ZDF-«heute journal update». «Wir müssen da vorangehen. Und wir müssen im Geleitzug jetzt auch die Leopard 2 liefern.» Kanzler Scholz habe mehrfach versucht, Russlands Präsidenten Wladimir Putin «zum Einlenken zu bekommen». Jetzt sei es an der Zeit, Härte zu zeigen.

Hohe Erwartungen in der Ukraine

Auch aus der Ukraine kamen erneut laute Rufe nach Kampfpanzern. Der stellvertretende Außenminister Andrij Melnyk sagte dem Nachrichtenportal «t-online», er erwarte, das Pistorius «viel entschlossener und schneller» agieren werde als seine Vorgängerin Christine Lambrecht (SPD). Deutschland müsse «Kampfpanzer, Kampfjets, Kriegsschiffe, Mehrfachraketenwerfer, Artillerie, Flugabwehr und natürlich ausreichend Munition» liefern.

Wladimir Klitschko, Bruder von Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko, schrieb auf Twitter an Pistorius: «Wir setzen in der Ukraine darauf, dass Sie den Satz ernst meinen: "Die Ukraine muss diesen Krieg gewinnen!" Nur das ist jetzt wichtig für uns und dafür brauchen wir jetzt vor allem eines: Leopard II Panzer!». Der Botschafter der Ukraine in Deutschland, Oleksii Makeiev, schloss sich der Forderung im «Münchner Merkur» (Mittwoch) an und kritisierte, dass Deutschland offenbar keine langfristige Strategie für Lieferungen habe, sondern «immer nur von Tag zu Tag» denke.

Der ehemalige Bundeswehr-General Hans-Lothar Domröse rechnet damit, dass die Zurückhaltung in Berlin aufgegeben wird. «Ich erwarte, dass die Bundesregierung beim Treffen der Ukraine-Unterstützer am Freitag in Ramstein die Zusage für die Lieferung von Leopard-Kampfpanzern macht», sagte Domröse den Zeitungen der Funke Mediengruppe. «Ich gehe davon aus, dass sie den europäischen Partnern nicht nur die Verschickung der Kampfpanzer erlaubt, sondern selbst noch "Leos" aus dem Bestand der Bundeswehr dazugibt - vielleicht im niedrigen zweistelligen Bereich.» Auf diese Weise könnten der Ukraine insgesamt rund 100 Leopard-Panzer aus Europa geliefert werden.

Panzer gelten als wichtig für die Rückeroberung besetzter Gebiete. Der Leopard 2 wiederum gilt als einer der wirkungsvollsten Kampfpanzer weltweit. Die Ukrainer wollen mit ihm gegnerischen Linien in dem zuletzt eher statischen Stellungskrieg durchbrechen.

Konflikte / Krieg / Verteidigung / Boris Pistorius / Vitali Klitschko / Panzer / Leopard 2 / Deutschland / Ukraine / Russland
18.01.2023 · 16:01 Uhr
[21 Kommentare]
Wetter in Niedersachsen
Offenbach (dpa) - Regenschirm nicht vergessen: Mit Schauern und teils kräftigen Gewittern muss nach der Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) fast bundesweit gerechnet werden. Teilweise sind auch Unwetter möglich.  Am Vormittag ist vor allem im Westen mit Gewittern zu rechnen. Im Laufe des Tages ziehen die Gewitter dann von der Mitte bis in den […] (05)
vor 26 Minuten
Exponentielles Wachstum? Laut neuem Modell kann die Weltbevölkerung 2064 kollabieren
Vor gar nicht langer Zeit kursierten Horrorszenarien zur Weltbevölkerung: Von exponentiellem Wachstum und nahender, massiver Überbevölkerung war die Rede. Mittlerweile nehmen die Geburtenraten weithin ab, was die Bevölkerungsexplosion deutlich bremst. Neue Rechenmodelle kommen auf, die auch vergangene Szenarien und aktuelle Entwicklungen mit […] (00)
vor 16 Stunden
Grundschule
Dortmund (dpa) - In der Debatte um eine Regulierung des Zugangs für Kinder und Jugendliche zu sozialen Medien haben Experten des Aktionsrats Bildung ein Social-Media-Verbot in Grundschulen gefordert. «Die Gefahren und unerwünschten Nebenwirkungen von Social Media überlagern nach unserer Einschätzung mögliche positive Aspekte im Grundschulalter», sagte Bildungswissenschaftlerin Nele […] (00)
vor 3 Stunden
007 First Light im Test: Das beste Bond-Spiel seit Goldeneye – aber kein zweites Hitman
007 First Light war das risikoreichste Projekt, das IO Interactive je angegangen hat. Das dänische Studio, das mit der Hitman Trilogie den Stealth-Maßstab einer ganzen Dekade gesetzt hatte, musste nicht nur eine 14-jährige Durststrecke für Bond-Spiele beenden – es musste die Welt davon überzeugen, dass James Bond ihren talenten würdiger ist als ein […] (00)
vor 7 Stunden
Bill Bailey moderiert neue Channel-4-Erfindershow «Ingenious»
Der britische Sender setzt auf eine neue Feelgood-Wettbewerbssendung rund um kreative Hobby-Erfinder aus Großbritannien. Channel 4 hat die neue vierteilige Competition-Serie Ingenious angekündigt. Moderiert wird das Format von Comedian und Musiker Bill Bailey, der sich selbst seit Jahren für Technik, Konstruktionen und ungewöhnliche Erfindungen begeistert. Produziert wird die Sendung von Curve […] (00)
vor 1 Stunde
Oklahoma City Thunder - San Antonio Spurs
Oklahoma City (dpa) - Isaiah Hartenstein muss in der NBA den Traum von der Titelverteidigung begraben. Seine Oklahoma City Thunder verpassten den erneuten Einzug in die Endspielserie der nordamerikanischen Basketballliga, nachdem sie noch in der vergangenen Saison den Titel geholt hatten.  Im entscheidenden siebten Spiel der West-Finals verlor der […] (00)
vor 1 Stunde
Finanznachrichten ohne Clickbait 2026: Seriöse Quellen im Überblick
Die Aufmerksamkeitsökonomie der digitalen Medienlandschaft hat im Jahr 2026 pathologische Züge angenommen. Getrieben von sinkenden Werbeeinnahmen pro Kopf und dem unerbittlichen Kampf um jeden einzelnen User-Impression haben sich weite Teile des Wirtschaftsjournalismus in eine Arena des Reißerismus verwandelt. Überschriften, die mit manipulativen […] (00)
vor 10 Minuten
Redwood AI gibt Absichtserklärung für die potenzielle Übernahme von Quantum.IQ bekannt
Lüdenscheid, 30.05.2026 (lifePR) - Dies ist eine bezahlte Werbung im Namen von Redwood AI Corp. Redwood AI Corp. (WKN: A422EZ | ISIN: CA7579221093),  Redwood oder das Unternehmen, freut sich bekannt zu geben, dass es eine unverbindliche Absichtserklärung (LOI) unterzeichnet hat, um eine mögliche Transaktion zur Übernahme von Quantum.IQ (QIQ), […] (00)
vor 20 Stunden
 
Raucherin (Archiv)
Berlin - Anlässlich des Weltnichtrauchertags an diesem Sonntag haben Politiker von […] (05)
Hörsaal an der Uni Leipzig (Symbolbild)
Berlin (dpa) - Bundesforschungsministerin Dorothee Bär rechnet nicht mehr mit einer […] (02)
Dorothee Bär (Archiv)
Berlin - Forschungsministerin Dorothee Bär rechnet nicht mehr mit einer schnellen […] (00)
Iran - Währung
Teheran/Washington (dpa) - Während eine Einigung auf ein Rahmenabkommen zwischen den […] (01)
Protestaktionen und Verkehrssituation Die umfassende Sperre des Brennerpasses, die […] (00)
Mistfall Hunter zeigt fünf Minuten neues Gameplay – und die Open Beta startet schon im Juni
Bellring Games hat einen ausführlichen Gameplay Deep Dive zu Mistfall Hunter […] (00)
Lithium ohne Hochofen: MIT-Verfahren löst Gestein bei Raumtemperatur
Lithium steckt nicht nur in Salzseen, sondern auch in hartem Gestein, vor allem im […] (02)
«Husbands in Action» bringt Action und Ehe-Chaos
In der neuen koreanischen Actionkomödie müssen ein Ex-Ehemann und der neue Mann seiner früheren […] (00)
 
 
Suchbegriff