Intel kämpft mit Gegenwind bei Sanierungsbemühungen
Der renommierte Halbleiterhersteller Intel sieht sich auf seinem anspruchsvollen Sanierungskurs mit unvorhergesehenen Lieferengpässen konfrontiert, die den Fortschritt beeinträchtigen. Die von Intel für das laufende Quartal prognostizierten Umsatzzahlen zwischen 11,7 und 12,7 Milliarden US-Dollar enttäuschten die Erwartungen der Wall Street erheblich, was im frühen US-Handel zu einem markanten Kursrückgang der Aktie um mehr als 13 Prozent auf 47 Dollar führte.
Zuvor hatte das Wertpapier seit Jahresbeginn jedoch einen beachtenswerten Anstieg um fast 50 Prozent verzeichnet und lag am Donnerstagabend bei 54,32 Dollar. Harlan Sur, Branchenexperte der US-Bank JPMorgan, äußerte in einer aktuellen Analyse, der jüngste Kursanstieg sei übertrieben gewesen, hob jedoch sein Kursziel von zuvor 30 auf 35 US-Dollar an. Seine Einstufung für die Aktie bleibt auf "Underweight".
Zwar fielen die jüngsten Unternehmenskennzahlen überraschend positiv aus, doch der Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr ließ zu wünschen übrig. Intels Finanzchef David Zinsner betonte während eines Analystentelefonats, dass der Ausbau der Produktionskapazitäten für die neue Chipgeneration Zeit beanspruche.
In den kommenden Monaten wolle das Unternehmen vor allem die stark gestiegene Nachfrage nach Technik für Rechenzentren bedienen, deren Bedarf in den Planungen unterschätzt worden war. Analyst Jay Goldberg von Seaport Research wies darauf hin, dass Kapazitätsengpässe bei Speicherchips die Produktion von PCs mit Intel-Chips einschränken könnten, da die Nachfrage nach Speicher für KI-Rechenzentren die Kapazitäten stark beanspruche.
Obwohl Intel im vergangenen Quartal die Analystenerwartungen übertraf, sank der Umsatz im Jahresvergleich um vier Prozent auf 13,7 Milliarden Dollar. Unterm Strich stand ein Verlust von 591 Millionen Dollar nach einem Verlust von 126 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Unter der Ägide von CEO Lip-Bu Tan setzt Intel, unter anderem durch die Aufgabe geplanter Werke wie das in Magdeburg, auf Kostensenkungen zur Krisenbewältigung. Interessanterweise erhielt Intel im August einen Anteil am US-Staat für vorher zugesagte Subventionen, was zum Kursanstieg beitrug. Historisch betrachtet dominierte Intel einst den Halbleitermarkt, geriet jedoch im Wettbewerb mit dem Grafikkarten-Giganten Nvidia unter Druck, insbesondere im KI-Bereich. Auch im traditionellen Geschäft mit PC-Prozessoren und Rechenzentren spürt Intel zunehmenden Wettbewerb.

