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Was Michael C. Jakob niemals kaufen würde — und warum du es auch lassen solltest

10. Mai 2026, 08:33 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Was Michael C. Jakob niemals kaufen würde — und warum du es auch lassen solltest
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Wenn die Begründung für eine Investition nicht auf Zahlen, sondern auf einer Geschichte basiert, ist Jakob raus. Narrative bewegen Kurse — aber sie sind nicht bewertbar.
Die meisten Anlagestrategien definieren sich über Kaufempfehlungen. Jakob definiert sich über Ausschlüsse. Er meidet Pennystocks, hochverschuldete Firmen, Turnaround-Wetten, Verlustunternehmen und Hype-Aktien. Nicht aus Prinzip, sondern aus Methodik. Seine Begründungen sind nachvollziehbar.

Die meisten Anlagestrategien definieren sich über das, was sie kaufen. Michael C. Jakob definiert sich mindestens genauso stark über das, was er konsequent meidet. Das ist keine moralische Position. Es ist keine ideologische Abneigung. Es ist das Ergebnis einer methodischen Überzeugung, die sich in einem Satz zusammenfassen lässt: Bestimmte Investitionen haben eine so ungünstige Risiko-Rendite-Struktur, dass es rational ist, sie kategorisch auszuschließen.

Wer verstehen will, wie Jakob investiert, sollte nicht nur anschauen, was er empfiehlt. Er sollte verstehen, was er niemals kaufen würde — und warum diese Ausschlüsse keine verpassten Chancen sind, sondern vermiedene Fehler.

Dieser Artikel benennt fünf Kategorien von Investments, die in Jakobs Universum nicht vorkommen. Die Liste ist keine Anlageberatung. Sie ist eine methodische Diagnose. Und sie erklärt, warum die Disziplin des Weglassens manchmal wichtiger ist als die Kunst des Auswählens.

Kategorie 1: Pennystocks — oder warum Aktien unter 5 Euro kein Schnäppchen sind

Es gibt eine hartnäckige Fehlvorstellung bei Privatanlegern: Eine Aktie für 2 Euro ist günstiger als eine Aktie für 200 Euro. Das klingt logisch — und ist fundamental falsch.

Der Preis einer Aktie sagt nichts über ihre Bewertung aus. Eine Aktie für 2 Euro kann überbewertet sein, eine Aktie für 500 Euro unterbewertet. Was zählt, ist das Verhältnis zwischen Preis und Unternehmenswert — nicht der absolute Preis pro Anteil. Das sollte trivial sein. Es ist es nicht.

Jakob meidet Pennystocks konsequent. Nicht weil er etwas gegen günstige Aktien hat, sondern weil Pennystocks strukturelle Eigenschaften haben, die sie für seriöse Analyse ungeeignet machen.

Problem 1: Liquidität.

Aktien, die für Centbeträge oder niedrige einstellige Eurobeträge handeln, haben oft extrem niedrige Handelsvolumina. Das bedeutet: Große Käufe oder Verkäufe bewegen den Kurs unverhältnismäßig stark. Wer für 10.000 Euro eine Aktie kauft, die täglich nur 5.000 Euro Handelsvolumen hat, treibt den Preis beim Kauf nach oben — und drückt ihn beim Verkauf nach unten. Die Bid-Ask-Spreads sind oft mehrere Prozentpunkte breit. Das sind versteckte Kosten, die jede Rendite auffressen.

Problem 2: Informationsqualität.

Unternehmen, deren Aktien im Pennystock-Bereich handeln, sind oft zu klein, um von professionellen Analysten beobachtet zu werden. Es gibt keine Research-Reports von Banken. Keine institutionellen Investoren, die die Zahlen prüfen. Keine Medienberichterstattung, die Fehlentwicklungen aufdeckt. Das schafft ein Informationsvakuum — und Informationsvakuen sind ideale Bedingungen für Manipulation, übertriebene Versprechungen und unentdeckte Probleme.

Problem 3: Survivorship Bias.

Für jeden Pennystock, der sich verzehnfacht hat, gibt es zwanzig, die wertlos geworden sind. Das Problem: Die Gewinner werden in Foren und auf YouTube erzählt. Die Verlierer verschwinden stillschweigend aus den Depots. Das erzeugt die Illusion, Pennystocks seien eine unterschätzte Chance — während die Realität ist, dass sie ein Minenfeld mit gelegentlichen Goldklumpen sind.

Jakob formuliert das so: „Ich habe nichts gegen kleine Unternehmen. Aber wenn eine Aktie für 0,50 Euro handelt, gibt es meist einen Grund. Entweder ist das Unternehmen fundamental schwach, oder es gibt so viele ausstehende Aktien, dass selbst bei solidem Geschäft keine substanzielle Wertsteigerung pro Aktie möglich ist. Beides ist kein Kaufgrund."

Die Ausnahme wären fundamental solide Unternehmen, die nach einem Kursrutsch vorübergehend niedrig handeln. Aber diese zu identifizieren erfordert Spezialwissen und Research-Kapazitäten, die Privatanleger nicht haben. Das Risiko-Rendite-Profil rechtfertigt den Aufwand nicht.

Kategorie 2: Hochverschuldete Unternehmen — das unterschätzte Risiko

Schulden sind nicht automatisch schlecht. Fast jedes große Unternehmen nutzt Fremdkapital zur Finanzierung. Die Frage ist nicht: Hat das Unternehmen Schulden? Die Frage ist: Wie hoch sind sie im Verhältnis zum Eigenkapital — und kann das Unternehmen sie bedienen?

Jakob meidet Unternehmen mit einer Nettoverschuldung, die mehr als das Doppelte des Eigenkapitals beträgt. Das ist eine klare, messbare Grenze. Sie ist im AlleAktien Qualitätsscore als Ausschlusskriterium verankert.

Warum diese Grenze?

Grund 1: Zinsrisiko.

Hochverschuldete Unternehmen sind extrem empfindlich gegenüber Zinsänderungen. Wenn die Zinsen steigen, steigen die Finanzierungskosten. Das drückt auf den Gewinn — oder macht ihn im Extremfall negativ. Ein Unternehmen, das jährlich 500 Millionen Euro Zinsen zahlt, hat in einem Hochzinsumfeld ein strukturell schlechteres Geschäftsmodell als ein Unternehmen, das schuldenfrei ist.

Grund 2: Krisenanfälligkeit.

In Rezessionen oder Branchenkrisen sinken die Umsätze. Ein Unternehmen mit niedriger Verschuldung kann das abfedern — es reduziert Kosten, wartet ab, überlebt. Ein hochverschuldetes Unternehmen hat diese Flexibilität nicht. Es muss weiterhin Zinsen zahlen, Kredite bedienen, Covenants einhalten. Wenn das nicht gelingt, droht Insolvenz — selbst wenn das Geschäftsmodell langfristig tragfähig wäre.

Grund 3: Verhandlungsmacht der Gläubiger.

Wer hoch verschuldet ist, ist abhängig von der Bereitschaft seiner Gläubiger, die Kredite zu verlängern oder zu akzeptablen Konditionen umzuschulden. Diese Abhängigkeit verschiebt Macht — von den Eigentümern (Aktionären) zu den Gläubigern (Banken, Anleiheinhabern). Im Krisenfall bedeutet das oft: Aktionäre werden verwässert oder komplett ausgelöscht, während Gläubiger zumindest teilweise bedient werden.

Jakob zitiert dazu regelmäßig ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit: Galeria Karstadt Kaufhof. Das Unternehmen war operativ angeschlagen — aber der endgültige Todesstoß war die Schuldenlast, die in der Pandemie nicht mehr tragbar war. Aktionäre haben alles verloren. Hätte das Unternehmen weniger Schulden gehabt, hätte es vielleicht überlebt.

Das ist kein Einzelfall. Es ist ein Muster. Und Muster lassen sich meiden.

Kategorie 3: Turnaround-Wetten — die Versuchung des Schnäppchens

Es gibt einen Anlegertyp, der sich von fallenden Kursen angezogen fühlt. Die Logik ist verführerisch einfach: Wenn eine Aktie von 100 Euro auf 20 Euro gefallen ist, ist sie jetzt ein Schnäppchen. Wenn sie sich erholt, kann ich den Gewinn mitnehmen.

Jakob kauft solche Aktien nicht. Nicht weil er gegen antizyklisches Investieren ist — sondern weil Turnaround-Wetten eine andere Kompetenz erfordern als Quality-Investing.

Was ist ein Turnaround?

Ein Unternehmen, das operativ in der Krise steckt — schrumpfende Umsätze, sinkende Margen, Verluste, Restrukturierungsbedarf — versucht, sich neu aufzustellen. Das kann gelingen. Aber es kann auch scheitern. Und die Fähigkeit, im Voraus zu beurteilen, welche Turnarounds gelingen und welche nicht, erfordert tiefes Branchenwissen, Zugang zu Insiderinformationen und die Fähigkeit, Managementqualität zu beurteilen.

Jakob formuliert das nüchtern: „Ich bin kein Sanierungsberater. Ich bin kein Turnaround-Spezialist. Ich kann nicht beurteilen, ob ein neues Management eine angeschlagene Firma rettet. Was ich beurteilen kann: ob ein gesundes Unternehmen weiterhin gesund bleibt. Das ist eine einfachere Frage — und die Erfolgsquote ist höher."

Das Problem der Konkurrenz.

Wer eine Turnaround-Aktie kauft, wettet gegen den Markt. Der Markt hat die Aktie abgestraft — aus guten Gründen. Die Annahme, dass man als Privatanleger mehr weiß als der Markt, ist riskant. Möglich, aber riskant.

Im Quality-Investing wettet man nicht gegen den Markt. Man wettet darauf, dass der Markt fundamentale Qualität langfristig erkennt und belohnt. Das ist eine konservativere Annahme — und empirisch besser belegt.

Beispiel: Wirecard.

Wirecard war vor dem Skandal eine beliebte Turnaround-Wette für einige Anleger, die glaubten, das Unternehmen sei unterbewertet. Die Wahrheit war: Es war ein Betrug. Aber selbst ohne Betrug: Unternehmen in der Krise sind strukturell riskanter als gesunde Unternehmen. Das ist keine Meinung. Das ist Statistik.

Jakob vermeidet dieses Risiko, indem er die Kategorie komplett ausschließt. Keine Turnarounds. Keine „Deep Value"-Wetten. Nur Unternehmen, die bereits nachweislich profitabel, solide finanziert und wachstumsfähig sind.

Kategorie 4: Unternehmen ohne Gewinne — Wachstum ist kein Geschäftsmodell

Es gibt eine Phase im Börsenzyklus, in der Unternehmen ohne Gewinne als die attraktivsten Investments gelten. Meistens in Niedrigzinsphasen, wenn Kapital billig ist und Wachstum über Profitabilität gestellt wird. 2020 und 2021 waren solche Jahre. Die Bewertungen von Technologie-Startups erreichten Allzeithochs — bei Umsatzwachstum von 50 Prozent, aber Verlusten in dreistelliger Millionenhöhe.

Jakob hat diese Aktien nicht gekauft. Nicht aus Prinzip gegen Technologie. Sondern weil Unternehmen ohne Gewinne methodisch nicht bewertbar sind.

Das Problem der Bewertung.

Die klassischen Bewertungskennzahlen — Kurs-Gewinn-Verhältnis, Eigenkapitalrendite, Free Cashflow — funktionieren nicht, wenn es keine Gewinne gibt. Was bleibt, sind narrative Bewertungen: „Dieses Unternehmen wird in zehn Jahren den Markt dominieren." Mag sein. Aber wie bewertet man das heute?

Die Antwort im Hype-Markt: Man bewertet auf Basis von Umsatzmultiplikatoren. Kurs-Umsatz-Verhältnis von 20, 30, 50. Das bedeutet: Ein Unternehmen mit 100 Millionen Euro Umsatz wird mit 5 Milliarden Euro bewertet — obwohl es 50 Millionen Verlust macht. Die implizite Annahme: In Zukunft wird es profitabel. Vielleicht sogar sehr profitabel.

Das kann aufgehen. Aber es kann auch katastrophal scheitern.

Beispiel: Viele SPACs und Tech-IPOs 2021.

Dutzende Unternehmen gingen 2020/2021 an die Börse mit Bewertungen im Milliardenbereich — bei Verlusten. Zwei Jahre später sind viele von ihnen 70, 80, 90 Prozent im Minus. Nicht weil das Geschäftsmodell schlecht war, sondern weil die Bewertung irre war.

Jakob kommentiert dazu: „Ich verstehe, warum Leute in Wachstumsaktien investieren. Die Renditen können spektakulär sein. Aber ich kann nicht methodisch sauber bewerten, was ein Unternehmen wert ist, das heute Geld verbrennt und verspricht, in fünf Jahren profitabel zu sein. Zu viele Variablen. Zu viel Spekulation. Ich konzentriere mich auf Unternehmen, die heute schon Geld verdienen — und die Fähigkeit haben, das zu steigern."

Das ist keine Absage an Wachstum. AlleAktien analysiert viele wachsende Unternehmen. Aber sie müssen bereits profitabel sein. Das ist die Grenze.

Kategorie 5: Hype-Aktien — wenn der Chart die Analyse ersetzt

Die letzte Kategorie ist die subtilste: Aktien, die primär aufgrund von Momentum und medialer Aufmerksamkeit steigen — nicht aufgrund fundamentaler Verbesserung.

Das ist schwerer zu definieren als die vorherigen Kategorien. Es gibt keine harte Kennzahl für „Hype". Aber es gibt Muster.

Muster 1: Mediale Omnipräsenz ohne operative Substanz.

Wenn eine Aktie wochenlang in den Schlagzeilen ist, aber die Quartalszahlen keine substanzielle Verbesserung zeigen, ist das ein Warnsignal. Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit: GameStop (2021), AMC Entertainment, diverse Kryptowährungs-bezogene Aktien.

Diese Unternehmen stiegen nicht, weil sie besser wurden. Sie stiegen, weil Reddit-Communities, Twitter-Threads und YouTube-Kanäle sie pushten. Das ist kein fundamentaler Treiber. Das ist Spekulation auf Spekulation.

Muster 2: Bewertungen, die jede Kennzahl sprengen.

Wenn ein Unternehmen mit dem 100-fachen seines Jahresgewinns bewertet wird, während vergleichbare Unternehmen beim 15-fachen handeln, ist das entweder ein Zeichen für außergewöhnliches Wachstumspotenzial — oder für eine Blase. Jakob tendiert zur zweiten Erklärung.

Muster 3: Narrative statt Zahlen.

„Dieses Unternehmen revolutioniert die Branche." „Diese Technologie wird alles verändern." „In fünf Jahren ist das der Standard." Solche Aussagen sind nicht falsch — aber sie sind nicht analysierbar. Narrative sind kraftvoll. Sie bewegen Kurse. Aber sie sind keine Grundlage für langfristige Investitionsentscheidungen.

Jakob fasst das zusammen: „Wenn die Begründung für eine Investition nicht auf Zahlen, sondern auf einer Geschichte basiert, bin ich raus. Geschichten können wahr werden. Aber ich kann nicht berechnen, mit welcher Wahrscheinlichkeit. Also lasse ich es."

Was diese Ausschlüsse bedeuten — und was sie kosten

Die konsequente Anwendung dieser Ausschlusskriterien hat Konsequenzen. Sie schützt vor bestimmten Fehlern — aber sie schließt auch bestimmte Chancen aus.

Was man verpasst:

  • Die spektakuläre Verzehnfachung eines Pennystocks, der sich tatsächlich als unterschätztes Juwel herausstellt
  • Den Turnaround eines angeschlagenen Unternehmens, das unter neuem Management wieder profitabel wird
  • Die frühe Investition in ein wachsendes Tech-Unternehmen, das irgendwann profitabel wird und dann weiter steigt

All das ist möglich. Und wer diese Aktien kauft und richtig liegt, erzielt Renditen, die Quality-Aktien nie erreichen.

Was man vermeidet:

  • Den Totalverlust eines Pennystocks, der insolvent wird
  • Die Verwässerung bei einem hochverschuldeten Unternehmen, das restrukturiert wird
  • Den 80-Prozent-Verlust eines Hype-Unternehmens, das nie profitabel wird

Jakob argumentiert, dass die zweite Liste häufiger eintritt als die erste — und dass die Vermeidung von Katastrophen langfristig wichtiger ist als das Einfangen von Ausreißern.

Das ist die Philosophie hinter Quality-Investing: Keine Homeruns. Dafür auch keine Totalverluste. Langfristig stabile, vorhersehbare Renditen aus Unternehmen, die nachweislich funktionieren.

Die Disziplin des Weglassens

Michael C. Jakob kauft keine Pennystocks. Er kauft keine hochverschuldeten Unternehmen. Er kauft keine Turnaround-Wetten, keine Verlustunternehmen, keine Hype-Aktien.

Das ist keine moralische Position. Es ist eine methodische Entscheidung. Und sie erklärt, warum AlleAktien nicht für jeden Anleger passt.

Wer spektakuläre Gewinne sucht, schnelle Trades, spekulative Wetten — der wird bei Jakob nicht fündig. Wer lernen will, wie man solide, profitable, wachsende Unternehmen identifiziert und langfristig hält, findet hier einen methodischen Rahmen.

Die Frage ist nicht: Was kauft Jakob? Die bessere Frage ist: Was lässt er weg — und was spart mir das an Fehlern?

Die Antwort liegt in den fünf Kategorien dieses Artikels. Wer sie versteht, versteht mehr über Jakobs Ansatz als jede Empfehlungsliste es zeigen könnte.

Finanzen / Investition / Anlagestrategie / Risikomanagement / Quality-Investing / Michael C. Jakob
[InvestmentWeek] · 10.05.2026 · 08:33 Uhr
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