Im Test: Yoshi’s New Island (Nintendo 3DS)

19. März 2014, 09:00 Uhr · Quelle: next-gamer.de

Er ist meist grün, hat einen treuen Blick, eine lange Zunge und trägt den berühmtesten Videospielhelden aller Zeiten auf dem Rücken – die Rede ist von Dinosaurier und Reittier Yoshi, der seit seinem ersten Einsatz auf dem Super Nintendo eine der beliebtesten Figuren im Mario-Universum geworden ist. So sehr sein Solo-Auftritt in Super Mario Land 2: Yoshi’s Island (1995) bei Kritikern wie Spielern weltweit gefeiert wurde, so tief stürzte der kleine Dino mit Yoshi’s Story auf dem Nintendo 64 (1997) nach den hohen Erwartungen ab. Flops dieses Ausmaßes sind für Nintendo ungewohnt, und so sollte ein weiterer spielerischer Alleingang seine Zeit dauern. 2006 gab es mit Yoshi’s Island DS erstmals eine positive Fortsetzung und somit einen Lichtblick. Ob nun mit Yoshi’s New Island ein weiterer Absturz (vor)programmiert ist, zumal Nintendo mit Arzest einen völlig unbekannten Entwickler ins Rennen schickt?

Alles beim Alten

Dass Nintendo sich auf der Suche nach originellen Storylines oftmals in den rosa Wolken des Pilzkönigreichs verirrt, ist nach der gefühlt achtzigsten Entführung von Prinzessin Peach in sämtlichen Mario-Spielen nichts Neues mehr. Daher dürft ihr auch in Yoshis neuem Abenteuer nicht mit einem ausgefallenen Jahrhundert-Plot rechnen.

Kurz nach dem nur scheinbar glückseligen Ende von Super Mario World 2, als der Storch die beiden Babys Mario und Yoshi vor die Haustür der Eltern legt, stellte sich heraus: Da hat sich wohl jemand bei der Adresse vertan. So fliegt der Storch erneut los und der böse Kamek prescht mit seiner Bande hervor, um die Babys zu stehlen, wobei Mario hinabstürzt und – rein zufällig, versteht sich – auf „Ei-Eiland“ verloren geht. Ein fliegender Planet, der von den Yoshis bewohnt wird, auf dem sich jedoch auch Baby Bowser in einem versteckten Schloss aufhält…

Wer auch immer den SNES-Klassiker gespielt hat, ahnt, wie es jetzt weitergeht. Mit Baby Mario auf dem Rücken müssen die Yoshis ihren Planeten Karte für Karte, Level für Level bereisen, um das entführte Baby Luigi wieder aufzutreiben. Wie gewohnt lauft ihr dabei in einem oldschooligen Sidescroller von links nach rechts. Mit der A-Taste strampelt Yoshi einen kurzen Moment in der Luft („Flatterflug“), was euch die Gelegenheit gibt, einen falsch getimten Sprung zu korrigieren und dem tödlichen Abgrund zu entgehen. Mit der B-Taste verschluckt Yoshi seine Gegner per Zunge und legt dadurch auf Wunsch ein Ei, welches ihr per Schultertaste und mithilfe eines Fadenkreuzes auf weitere Gegner, Items oder Schalter werfen könnt. Bis zu sechs Eier könnt ihr gleichzeitig mit euch herum tragen, die ihr dann wie einen Schwanz hinter euch herzieht. Alternativ könnt ihr geschnappte Widersacher auch ausspucken und damit andere Gegner vernichten.

Das Riesenei ist eines der wenigen Neuerungen

Das Riesenei ist eines der wenigen Neuerungen

Sämtliche Items und Levelinhalte sind bereits aus dem Originalspiel bekannt. So führen euch plappernde weiße Blöcke in die Steuerung ein, Münzen erhöhen die Chancen auf ein Extraleben. Auf dem Touchscreen behaltet ihr die Anzahl bereits gesammelter Blumen und anderer Items im Auge. Kommt ihr mit Gegnern in Kontakt, sterbt ihr in den meisten Fällen nicht sofort. Stattdessen schwebt Baby Mario in einer Seifenblase, die ihr so schnell wie möglich einfangen müsst. Ist die Zeit abgelaufen, schnappt sich Kameks Horde das Baby und ihr verliert ein Leben.

… und was gibt’s Neues?

So weit, so gut – Wer sich noch gut an das Original erinnern kann, hat bisher tapfer durchgehalten und ein Gähnen unterdrückt. Und mal ehrlich, wäre da nicht die aufpolierte Grafik mit der 3D-Optik, man könnte fast meinen, das SNES-Modul stecke im 3DS. Egal ob das Leveldesign mit seinen kunterbunten Wiesen und grünen Rohren, die Items, die Steuerung, die Eier spuckende Pflanze oder auch die Gegner, allesamt Shy Guys, Piranha-Pflanzen, Äffchen und wie sie alle heißen – praktisch alles ist dem 16-Bit-Klassiker entnommen. Nach Neuerungen müssen wir mit dem Mikroskop suchen.  So könnt ihr mit einem Riesenei gleich mehrere grüne Rohre zerstören und holt euch viele Münzen und bis zu drei Extraleben auf einmal. Dazu haftet ihr Yoshis Zunge an einen riesigen Shy Guy, hämmert mehrmals schnell auf eine Taste und verschluckt den Giganten, um ein Riesenei zu legen. Mithilfe des neuen Fernrohrs verschafft ihr euch eine Übersicht und entdeckt so versteckte Items. Dies dient auch dazu, den Wurf des Rieseneis planen zu können, welcher weit über den Bildschirm hinausgeht.

Die Steuerung von U-Boot-Yoshi ist nervtötend

Die Steuerung von U-Boot-Yoshi ist nervtötend

Ist das Riesenei aus Eisen, könnt ihr mit dessen Hilfe unter Wasser laufen. Völlig unverständlich jedoch, dass Nintendo selbst die Neuerungen aus dem direkten DS-Vorgänger, in dem ihr auch kindliche Alter Egos von Donkey Kong oder Prinzessin Peach spielen konntet, wieder entfernt hat. Auch die aus dem Original bekannten Bonuslevel gibt es nicht mehr. Insgesamt wirkt Yoshi’s New Island durch das Ideen-Recycling wie ein altbackenes Spiel aus grauer Vorzeit.

Zum Glück hat Yoshi seine verschiedenen Verwandlungsformen wieder mit im Gepäck, was für ein wenig Abwechslung im Hüpf-Alltag sorgt. Egal ob als Loren-Yoshi in dunklen Minen oder als Presslufthammer-Yoshi beim Zertrümmern von Felsen, zum Steuern neigt ihr unter Zeitdruck den 3DS stets nach links oder rechts. Eine echte Qual ist allerdings die Steuerung von U-Boot-Yoshi, die mehrere Versuche erfordert, weil sich der kleine Dino einfach zu träge bewegt, um rechtzeitig ins Ziel zu kommen.

Warum schwierig, wenn’s auch einfach geht?

Bei allem Ideen-Recycling hat Nintendo ein für die 16-Bit-Ära wichtiges Element abgeändert, was den gesamten Spielspaß lahmlegt. Wer auf dem SNES noch zwei Stunden lang den Wandsprung in Super Metroid ausgetüftelt hat, fühlt sich bei Yoshi’s New Island wie bei einem Bobbycar-Rennen unter Dreijährigen. Endgegner werden wie nebenbei vom Bilschirm gefegt und überhaupt ist der Plattformer unsagbar einfach geworden. Egal ob Eier, Münzen, Schlüssel oder Extraleben – ihr bekommt alles hinterhergeworfen. Wer den Level nicht schafft, bekommt Engelsflügel, so dass Yoshi nicht mehr in den Abgrund stürzen kann. Der Trend, altbewährte Spielkonzepte auf der Casual-Schiene auch Kleinkindern zugänglich zu machen, findet in Yoshis neuem Abenteuer seine Fortführung.

“Was waren wir für Helden, als wir noch pro Endgegner mehrere Bildschirmtode gelassen haben, um anschließend gerechtfertigt über dessen Ableben zu triumphieren.”

Für die Grafik hat Nintendo ein dickes Lob verdient. Wie mit Wachsmalstiften der Fantasie eines träumenden Kindes entsprungen, wirken die Bonbonfarben und weichen Linien, die lächelnden Hügel und bunten Wiesen wie aus einem Guss. Auch die tapsigen Animationen der Yoshis sorgen für schmunzelnde Gesichter. Die Musik plätschert entspannt und besänftigend vor sich hin, fast wie in einem Yoga-Kurs, und die Melodien wurden an den Sound des Originals angelehnt. Dagegen können die gewollt kindlich-hohen Geräusche der Yoshis nach gewisser Zeit nerven. Die Steuerung ist gewohnt eingängig, allerdings bewegt sich Yoshi jetzt leider langsamer und träger als damals.

Im neuen 2-Spieler-Modus dürft ihr einen Freund, der einen 3DS und ein eigenes Exemplar des Spiels besitzt, herausfordern. Die Minispiele für diesen Offline-Koop schaltet ihr jeweils durch das Durchspielen einer Welt im Abenteuer frei. Hier geht es darum, wer schneller einen Ballon per Eierwurf zum Platzen bringt oder wer per Flatterflug ans Ziel kommt ohne Abzustürzen. Leider konnten wir den Mehrspielermodus nicht testen, dieser hätte jedoch an unserer finalen Wertung nichts mehr geändert.

Die malerische Grafik ist ein kleiner Lichtblick

Die malerische Grafik ist ein kleiner Lichtblick

Nintendo recycelt ungeniert alte Ideen, scheint Neuerungen so gezielt gemieden zu haben wie Yoshi Abgründe und macht dem verbleibenden Spielspaß durch nervige Sounds, eine träge Steuerung und den unfassbar niedrigen Schwierigkeitsgrad völlig den Garaus. In den letzten Jahren haben wir keinen Plattformer gezockt, der so leicht war wie dieser. Hieße der Publisher nicht Nintendo, wären wir mit unserer Kritik wohl zurückhaltender – wer jedoch über Jahre eigentlich gewohnt hohes Spiele-Niveau liefert und so dreist bei sich selbst klaut, muss sich den direkten Vergleich mit einem zeitlosen Klassiker gefallen lassen. Soll heißen: An für sich ist Yoshi’s New Island kein wirklich schlechtes Spiel – aber als Nachfolger von Yoshi’s Island eine Bruchlandung. Insgesamt gibt es hier – bis auf die Traumgrafik und die Tatsache, dass Yoshi schon immer niedlich war – nichts Positives zu sagen. Nintendo, schäm dich!

Gaming
[next-gamer.de] · 19.03.2014 · 09:00 Uhr
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