Gastgewerbe

«Keine Juden erlaubt»: Oberpfälzer Hotel sorgt für Empörung

03. Juni 2026, 16:07 Uhr · Quelle: dpa
Hotel lehnt Buchung mit antisemitischer Begründung ab
Foto: Armin Weigel/dpa
Das «Hotel zum Hirschen» in der Oberpfalz hat mit einer Äußerung zu Juden für Fassungslosigkeit gesorgt.
Ein Hotel im Bayerischen Wald schockiert mit einer diskriminierenden Antwort an einen Gast aus Israel. Jetzt ermittelt die Justiz – und die internationale Empörung wächst.

Lam (dpa) - Keine Juden erlaubt - mit dieser Antwort an einen Gast aus Israel hat ein Hotel in der Oberpfalz für Fassungslosigkeit gesorgt. «Sind wir wieder in den 1930er Jahren?», fragte die Generalkonsulin des Staates Israel für Süddeutschland auf der Plattform X mit Blick auf die systematische Entrechtung und Ermordung von Juden im Nationalsozialismus. Das «Hotel zum Hirschen» in Lam im Bayerischen Wald entschuldigte sich und lud den Gast zu einem kostenlosen Urlaub ein. Dennoch könnte ein strafrechtliches Nachspiel folgen - Volksverhetzung steht im Raum. 

Das ist passiert

Öffentlich gemacht hatte den Vorfall unter anderem die Generalkonsulin Talya Lador-Fresher. In dem Post auf X zitierte sie die Antwort, die ein Mann aus Israel auf seine Buchungsfrage über die Plattform Booking.com erhalten hatte: «Sorry, there are no Jews allowed in our hotel» («Entschuldigung, in unserem Hotel sind keine Juden erlaubt.»). 

So reagiert das Hotel

Das Hotel ist um Schadensbegrenzung bemüht. «Wir sind keine Antisemiten», sagte Juniorchef Andreas Vogl auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. «Das ist überhaupt nicht unser Weltbild.» Im Grunde genommen sei es ein Irrtum gewesen, «ein dummer Irrtum auf unserer Seite und die falsche Reaktion darauf». 

Bei dem Gast entschuldigte sich der Familienbetrieb: «Es war definitiv falsch von uns, auf diese Art und Weise im Chat zu antworten», heißt es in einer E-Mail, die auch an die Bayerische Staatskanzlei ging. Darin erläutern die Betreiber, wie es zu der Äußerung kam. Man kämpfe seit längerer Zeit mit gefälschten Buchungen und Phishing-Versuchen über eine Buchungsplattform, bei denen Nutzerdaten gestohlen worden sein sollen, so ihre Begründung. 

Auch bei der Anfrage aus Israel habe man fälschlicherweise angenommen, dass es sich um einen Fake handele. «Es ist uns aber wirklich äußerst wichtig, dass Sie verstehen, dass diese Äußerung nicht im Hinblick auf Menschen jüdischen Glaubens gemacht wurden, sondern aus Ärger über die zahlreichen Fake-Buchungen», heißt es in dem Schreiben. «Das war nichtsdestotrotz inakzeptabel und darf so in einem professionellen Betrieb nicht passieren.»

Doch woher kam dann der Zusammenhang zu Juden? «Das war eine Buchung aus Israel», sagte Vogl der dpa. Dass der Gast jüdisch war, habe man nicht gewusst. 

Mögliche strafrechtliche Folgen

Die Justizbehörden sind bereits tätig. Der Zentrale Antisemitismusbeauftragte der Bayerischen Justiz habe ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, teilte die Generalstaatsanwaltschaft München mit. Es gehe um den Anfangsverdacht der Volksverhetzung. Gegenstand der Ermittlungen sei zunächst «die vollständige Aufklärung des Sachverhalts». Nähere Angaben machte die Behörde nicht, stellte aber klar: «Es gilt die Unschuldsvermutung.»

Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle ordnet den Vorfall als «eindeutig antisemitische Äußerung eines Hotels im Landkreis Cham» ein. Diese habe man an die zuständigen Behörden zur Prüfung und Weiterbehandlung weitergeleitet. «Es ist wichtig, dass wir mit offenen Augen auf solche Vorfälle reagieren und konsequent handeln», so Spaenle. 

Eine Überprüfung strafrechtlicher Konsequenzen hat auch der Zentralrat der Juden in Deutschland gefordert. «Die menschenverachtende Aussage "keine Juden erlaubt" lässt sich unabhängig vom Versuch ihrer Kontextualisierung keinesfalls rechtfertigen», sagte Zentralratspräsident Josef Schuster. «Auch wenn ich die Entschuldigung für diese inakzeptable Äußerung zur Kenntnis genommen habe, bleibt es schockierend, dass jemand diesen Gedankengang nicht nur haben, sondern auch verschriftlichen und verschicken würde.»

Hotel fliegt von Plattform

Bei Booking.com war das Hotel nicht mehr zu finden. «Wir dulden keinerlei Diskriminierung», hieß es dazu von dem Unternehmen. «Wenn wir auf diskriminierendes Verhalten eines Unterkunftspartners aufmerksam gemacht werden, gehen wir dem immer umgehend nach und können Unterkünfte von unserer Plattform entfernen – so wie wir es auch in diesem Fall getan haben.» Ob das Hotel irgendwann auf die weit verbreitete Plattform zurück darf, dazu gab es keine Angaben. Hotel-Juniorchef Vogl räumt ein: «Das ist ein Riesen-Problem.» 

Das Landratsamt Cham und die Marktgemeinde Lam haben nach eigenen Angaben den Hotelbetreiber bis auf weiteres auf touristischen Webseiten gesperrt und aus dem touristischen Marketing genommen. «Antisemitismus hat im Landkreis Cham keinen Platz», hieß es. «Ein solcher Einzelfall darf nicht das Bild unserer zahlreichen engagierten und weltoffenen Gastgeber prägen.»

Juniorchef Vogl kritisierte indes die Art und Weise, wie das Ganze in den sozialen Medien ausgeschlachtet werde. Die Folge: Beleidigungen und sogar Morddrohungen auf verschiedensten Kanälen. 

Hoffen auf Wiedergutmachung

In der E-Mail lud das Hotel den Gast und dessen Familie für eine Woche kostenlos in die Oberpfalz ein, «um uns persönlich kennenzulernen, und um Ihnen zu beweisen, dass wir keine schlechten Menschen sind, die andere diskriminieren». Beim Hotel hofft man: «Vielleicht entsteht eine Freundschaft, wie auch immer». Was der Gast dazu sagt? Unklar. Er wolle sich nicht äußern und bitte darum, seine Privatsphäre zu respektieren, sagte er der dpa in Tel Aviv. 

Internationale «Empörung und Trauer»

Der Imageschaden dürfte indes gewaltig sein. Weltweit hörten Überlebende der deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager diese Nachricht des antisemitischen Hasses «mit Empörung und Trauer», hieß es vom Internationalen Auschwitz Komitee. Dessen Präsidentin Eva Umlauf verwies auf ein von ihr verfasstes Buch über Beobachtungen im Deutschland von heute. «Es trägt den Titel: "Genau so fängt es an". Es ist dennoch entsetzlich, wenn meine Eindrücke jetzt auf erneute und so bizarre Weise bestätigt werden.» 

Und Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Komitees erinnert an eine Begegnung in Argentinien. «"Haben sie dort überhaupt irgendetwas gelernt?", fragte mich eine über 90-Jährige, die als jüdisches Kind aus dem Warschauer Ghetto geschmuggelt wurde und so überlebt hat.»

Gastgewerbe / Gesellschaft / Bayern / Deutschland / Israel / Antisemitismus / Volksverhetzung
03.06.2026 · 16:07 Uhr
[12 Kommentare]
Iran-Krieg - Israel
Tel Aviv (dpa) - Israels Luftwaffe hat Ziele im Westen und im Zentrum des Irans angegriffen. Das teilte das israelische Militär in den frühen Morgenstunden auf der Plattform X mit. Weitere Details gab es zunächst nicht. Der Angriff folgte auf iranische Raketenangriffe auf Israel am Abend zuvor. Am späten Sonntagabend hatten Staatsmedien der Islamischen […] (00)
vor 2 Minuten
Nach dem Ende ihrer Ehe mit Fußballstar Thomas Müller richtet Lisa Müller den Blick offenbar konsequent nach vorn.
(BANG) - Nach dem Ende ihrer Ehe mit Fußballstar Thomas Müller richtet Lisa Müller den Blick offenbar konsequent nach vorn. Statt sich in öffentlichen Diskussionen über die Trennung zu verlieren, konzentriert sich die Dressurreiterin auf ihre Zukunft. Und dabei soll es nun vor allem um Beruf, Sport, Selbstliebe und persönlicher Weiterentwicklung gehen. […] (00)
Samstag um 14:30
Merach S29R2 – Abwechslungsreiche Workouts ganz ohne Kabel
Merach S29R2, ein Heimtrainer, der konsequent auf einen Stromanschluss verzichtet. Ein eingebautes Generator-System wandelt die Tretbewegung in Energie um und versorgt damit Display und Elektronik. Das Bike steht einfach dort, wo Platz ist, also gibt’s keine Kabel, ein fixer Standort ist nicht nötig. Wichtige Merkmale vom S29R2: Selbstgespeist: […] (00)
vor 10 Stunden
Isabel reißt im neuen Fable Trailer die Krone an sich und verrät endlich den Erscheinungstermin
Playground Games hat beim Xbox Games Showcase nicht nur einen neuen Trailer zum Fable-Reboot abgeliefert, sondern gleich drei dicke Brocken auf einmal serviert: Hayley Atwell als eiskalte Gegenspielerin Isabel, den finalen Erscheinungstermin am 23. Februar 2027 und einen kurzen, aber brisanten Auftritt von Jack of Blades. Dass der Termin die dritte […] (00)
vor 3 Stunden
WM-Halbfinale wirbelt Das Erste-Programm durcheinander
Wegen der noch offenen WM-Planungen hält Das Erste sein Krimiprogramm für den 14. und 15. Juli gleichermaßen vor. Die Fußball-Weltmeisterschaft sorgt Mitte Juli für besondere Programmplanungen bei den öffentlich-rechtlichen Sendern. Da zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht endgültig feststeht, an welchem der beiden Abende das ZDF ein WM-Halbfinale übertragen wird, hat Das Erste vorsorglich […] (00)
vor 14 Stunden
Der Fitnesstracker Fitbit Air von Google
Berlin (dpa/tmn) - Der Trend bei Fitness-Wearables geht zunehmend in Richtung Minimalismus. Statt leuchtender Displays und ständiger Smartphone-Benachrichtigungen am Handgelenk setzen immer mehr Menschen auf schlichte Armbänder, die im Hintergrund unauffällig Vitaldaten sammeln. Mit dem Fitbit Air bringt nun Google sein erstes Modell ohne Bildschirm auf den Markt und greift damit direkt […] (00)
vor 3 Stunden
stock, chart, apple, bitcoin, investing, trading, crypto, block chain, vpn, euro
Der Ethereum-Kurs hat eine Erholungswelle über der $1.600-Marke gestartet. ETH konsolidiert derzeit und könnte weiter steigen, wenn es einen klaren Ausbruch über den Widerstand bei $1.750 gibt. Ethereum hat eine Erholungswelle über der $1.600-Marke begonnen. Der Kurs handelt über $1.620 und dem 100-Stunden-Simple-Moving-Average. Es gab einen […] (00)
vor 41 Minuten
Latino-Domains: Der Countdown  läuft
Koeln, 06.06.2026 (PresseBox) - Die Einführung der Latino-Domains erreicht ihre entscheidende Phase. Nach einer mehrwöchigen Sunrise-Periode, in der Inhaber eingetragener Marken ihre Kennzeichen bevorzugt sichern konnten, öffnet sich die neue Domainendung am 12. Juni 2026 für die breite Öffentlichkeit. Damit beginnt ein neues Kapitel für Unternehmen, Organisationen und […] (00)
Samstag um 16:46
 
Flüchtlinge auf der Balkanroute (Archiv)
Brüssel - Nach Angaben der EU-Kommission ist die Zahl der irregulär eingereisten […] (01)
Markt in Peking (Archiv)
Straßburg - EVP-Chef und CSU-Vize Manfred Weber drängt im EU-Handelswettbewerb mit […] (01)
Fahne von Russland (Archiv)
Berlin - Bundes- und Europapolitiker von Union, SPD, Grünen und FDP haben die […] (00)
OB-Stichwahl in Aue
Aue-Bad Schlema (dpa) - Der CDU-Kandidat Marcus Hoffmann hat die […] (06)
kostenloses stock foto zu 4k wallpaper, anlagekonzept, bitcoin
XRP könnte vor einem der größten Kursanstiege seiner Geschichte stehen – allerdings […] (00)
French Open
Paris (dpa) - Alexander Zverev benötigt nur noch einen Sieg für seinen ersten Grand- […] (00)
Anthropic möchte weltweite Pause bei KI-Entwicklung: Könnten sonst Kontrolle verlieren
»Wir glauben, dass es gut für die Welt wäre, die Option zu haben, die Entwicklung […] (00)
Final Fantasy 7 Revelation: 2027 endet eine der größten RPG-Reisen aller Zeiten
Square Enix hat offiziell Final Fantasy 7 Revelation angekündigt. Der Titel bildet […] (00)
 
 
Suchbegriff