Herausforderungen, aber Hoffnungsschimmer: Deutschlands Börsengiganten im Wandel
Deutschlands führende Börsenunternehmen stehen weiterhin vor erheblichen Herausforderungen aufgrund der schwachen Wirtschaftslage. Eine Analyse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY zeigt, dass der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) der 100 umsatzstärksten Konzerne in den ersten neun Monaten auf 102 Milliarden Euro sank, ein Rückgang von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dieser Negativtrend setzt sich somit bereits im dritten Jahr fort, wobei mehr als die Hälfte der Unternehmen mit rückläufigen Gewinnen konfrontiert ist.
Positivere Signale gibt es hingegen beim Umsatz, der nach zwei Jahren erstmals wieder leicht um 0,6 Prozent auf rund 1,55 Billionen Euro stieg. Trotz dieser Zunahme bleibt das Wachstum jedoch hinter der aktuellen Inflationsrate zurück. Laut EY-Experte Jan Brorhilker war 2025 ein weiteres Krisenjahr für die deutsche Wirtschaft. Belastet durch eine schwächelnde Konjunktur, geopolitische Unsicherheiten und zunehmende Konkurrenz aus China, ist insbesondere die exportorientierte deutsche Industrie stark gefordert.
Auch am Arbeitsmarkt werden die Auswirkungen spürbar. Unter den untersuchten Unternehmen reduzierten 39 ihre Mitarbeiterzahlen, während 47 eine Zunahme meldeten. Insgesamt gingen rund 17.500 Arbeitsplätze verloren, was einem Rückgang von 0,4 Prozent entspricht. Seit 2023 sind damit schätzungsweise 100.000 Stellen weggefallen. Volkswagen bleibt mit etwa 633.000 Angestellten der größte Arbeitgeber, gefolgt von der DHL Group und Siemens. Besonders im Verwaltungsbereich wird vermehrt Personal abgebaut.
Die Automobilbranche bleibt trotz Verluste an der Umsatzspitze. Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz verzeichneten zusammen einen leichten Umsatzrückgang um zwei Prozent. Deutlich dramatischer war der Gewinnrückgang im Tagesgeschäft, der um 46 Prozent auf 17,8 Milliarden Euro absackte. Der Technologiesektor hingegen blühte auf und verdoppelte seine Gewinne fast, wogegen die Chemiekonzerne herbe Verluste von 71 Prozent hinnehmen mussten. Die Telekommunikation mit der Telekom an der Spitze zeigte sich robust mit einem operativen Gewinnzuwachs um neun Prozent.
Jan Brorhilker sieht trotz aller Widrigkeiten Anzeichen für einen vorsichtigen Optimismus. Die deutsche Automobilindustrie steht hinsichtlich neuer strategischer Ausrichtungen und Elektromobilitätsmodellen vor einer potenziellen Erholung. Dennoch wird erwartet, dass der Technologiesektor weiterhin als Wachstumsmotor agiert. Eine beruhigte geopolitische Lage und gezielte Investitionen könnten hierzu einen bedeutenden Beitrag leisten.

