Hades 2 (PS5) – Game Review
Hades II: Wenn du abgeliefert hast, verändere nicht. Ergänze!
Der beinahe unmögliche Nachfolger
Es gibt diese seltenen Spiele, die sich nicht einfach nur gut anfühlen, sondern sich regelrecht einbrennen. Spiele, die so dermaßen Bock machen, bei denen man auch Jahre nach dem letzten Run noch davon spricht. Freunde davon begeistern will.
Hades war genau so ein Spiel.
Ein Titel, der das Roguelike-Genre nicht nur verstanden, sondern neu definiert hat. Ein Genre welches ich, bis zu diesem Game, gar nicht kannte. Flüssiges Gameplay, geile Musik, Charakterdesign mit einem so markanten Stil. Und über allem diese unglaubliche Balance zwischen Herausforderung und Belohnung. Ich weiß nicht wie viele Runs ich insgesamt gemacht habe. Aber ich weiß dass keiner langweilig war.
Und dann kommt Hades II. Beziehungsweise, wurde es mal angekündigt. Angekündigt um dann eine Ewigkeit zu brauchen, bis es von der Alpha und Beta zum PC kam. Und eine weitere Ewigkeit bis es bei mir auf der PlayStation 5 landen durfte. Meine Nerven und Vorfreude auf dieses Spiel waren also bis zum maximum angespannt.
Ein Spiel, das sich einer Frage stellen muss, an der schon unzählige Nachfolger gescheitert sind:
Wie folgt man auf etwas, das bereits so hart abgeliefert hat?
Die Antwort ist überraschend einfach und gleichzeitig unfassbar schwer umzusetzen:
Man kopiert es nicht. Man übertrifft es. Macht das was ihr richtig gemacht habt weiter. Ergänzt es nur mit neuen Ideen.
Und genau das passiert hier.

Melinoe in Hades 2 © Supergiant Games, Screenshot. DailyGame
Hades 2 Gameplay: Vertraut aber anders
Was Hades II so besonders macht, ist nicht, dass es alles anders macht. Es versteht ganz genau, was es verändern musste um sich genau gleich anzufühlen. Und mich mit diesem Gefühl in die Falle zu locken, dass dies ein leichter Einstieg wäre. Der Kern bleibt. Dieses unmittelbare, reaktionsschnelle Kampfsystem, welches sich wie ein Tanz anfühlt. Jeder Dash, jeder Schlag, jede Entscheidung sitzt. Du bist wieder mittendrin, sofort, ohne Umwege.
Und trotzdem ist alles… anders.
Mit Melinoe betrittst du keine Bühne, auf der Geschwindigkeit allein zählt. Zagreus war ein regelrechter Berserker. Insbesondere mit meinem lieblings Build, war ich immer mitten im Geschehen und so nah dran an Gegnern wie möglich. Und so spielte ich mich sofort in meinen eigenen Untergang. Wieder und wieder. Denn Melinoe ist keine reine Kämpferin, sondern eine Hexe die den Kampf bewusst lenkt, ihn formt, ihn kontrolliert.
Ihre Magie ist kein nettes Zusatzfeature. Sie ist das Fundament. Das musste ich erst verstehen lernen. Ungefähr 30 Runs lang.
Plötzlich denkst du anders. Du positionierst dich bewusster. Du planst. Du bannst Gegner an einen Ort, bereitest Angriffe vor, lädst Fähigkeiten auf, lässt Dinge eskalieren, anstatt sie einfach nur abzufeuern. Und genau da fühlt man, was sich alles verändert hat. Obwohl es so „gleich aussieht“.

Melinoes Zelt in Hades 2 © Supergiant Games, Screenshot.
Systeme & Tiefe: Wenn „mehr“ auch wirklich mehr bedeutet
Es wäre einfach gewesen, Hades II mit neuen Waffen, ein paar zusätzlichen Gegnern und erweiterten Dialogen zu füllen. Und glaubt mir wenn ich sage… das haben sie gemacht. Mehr Götter. Mehr Sagengestalten. Sogar mehr Weltenwege – Man kann entscheiden zwischen Unterwelt und Olymp die man stürmen will. Mehr Haustiere. Einfach MEHR.
Aber das hier ist kein Add-on.
Die neuen Mechaniken greifen einfach total gelungen ineinander:
- Arcana-Karten, die deinen Spielstil subtil, aber spürbar verändern indem sie Fähigkeiten, Energieressourcen und Wiederbelebungen Boosten
- Rituale und Beschwörungen, die nicht nur das Lager verändern sondern auch innerhalb der Runs so viele Dinge freischalten
- Ressourcen, die nicht nur gesammelt, sondern bewusst eingesetzt werden müssen. Manche kann man kaufen. Andere anbauen und in der Welt abbauen.
- Begleiter Haustiere, die mehr sind als bloße Unterstützung… sie werden Teil deiner Strategie. Helfen sogar mit dem Sammeln von Ressourcen.
Und dann ist da noch diese eine Entscheidung, die alles verändert:
Du gehst nicht mehr nur nach unten.
Du gehst auch nach oben.
Diese zwei Wege… Unterwelt und Oberfläche. Das sind nicht einfach alternative Routen. Sie fühlen sich wie zwei unterschiedliche Realitäten an. Zwei Perspektiven auf denselben Konflikt. Zwei Spielweisen, die dich zwingen, dich immer wieder neu anzupassen. Und ich könnte nicht sagen, welche „schwerer ist“. Aber verdammt was hasse ich Eris und ihr verdammtes Maschinengewehr.
Und genau hier zeigt Hades II wie man eine würdige Fortsetzung abliefert:
Es gibt dir nicht einfach mehr Inhalte. Es gibt dir mehr Möglichkeiten, dich selbst im Spiel neu zu entdecken.

Hekate in Hades 2 © Supergiant Games, Screenshot.
Story & Welt: Persönlicher, dunkler, größer
Wenn Hades noch die Geschichte eines Ausbruchs war, dann ist Hades II eine Geschichte der Konfrontation. Denn heir geht es nicht mehr drum den Vater Hades zu bezwingen.
Sondern Chronos. Die Zeit selbst.
Ich wünschte ich könnte euch an dieser Stelle sagen wohin dies führt. Aber dieser Genuss blieb mir noch aus. Ebenso wie ich es noch nicht auf die spitze des Olymp geschafft habe. Und glaubt mir. Ich versuche es wieder und wieder.
Melinoë steht dabei nicht im Schatten von Zagreus. Nein so fühlt es sich absolut nicht an. Sie ist klar ein ganz eigener Charakter. Sie fühlt sich anders an und steht in ihrem eigenen Licht.
Ausgebildet von Hecate, geprägt von einer anderen Art von Verantwortung, wirkt sie ruhiger, gefasster, fast schon entschlossener.
Wenn Zagreus der Punk dieser Spielereihe war, ist sie die Gothic Hexe.
Und genau das spiegelt sich in allem wider! Von ihrem Kampfstil, bis in ihre Dialogen und in der Art, wie sie mit dieser Welt interagiert.

Charron in Hades 2 © Supergiant Games, Screenshot.
Charaktere: Wie bisher gilt es Beziehungen zu pflegen
Schon im ersten Teil war jede Figur mehr als nur ein NPC. Aber Hades II geht noch einen Schritt weiter.
Die Gespräche fühlen sich deutlich umfangreicher an . Und Hades war schon ein Epos an Dialog und Story die darin verborgen war. Aber ich muss gestehen, dass ich ab einem gewissen Punkt ausgestiegen bin, weil ich einfach weiter voran kommen will und nicht ewig Zeit habe.
Visuell bleibt sich Hades II treu und genau das ist seine größte Stärke. Die Stärke beider Games. Der zweite Teil versucht nicht, realistischer zu sein. Er versucht nicht, größer zu wirken als nötig. Stattdessen wird alles verfeinert.
Animationen wirken flüssiger, Details klarer, Effekte intensiver aber nie überladen. Manche Artworks wurden etwas überarbeitet ohne den Stil zu brechen. Gerade bei Chaos ist es mir am deutlichsten aufgefallen. Einige der alten Götter fehlen mir noch, werden aber sicher auch ein kleines Facelift bekommen haben.
Und dann ist da natürlich noch der Sound. Die Bassgitarre ist wieder da. Und ja, die genügt vollkommen. Sie hat so einen „Drive“ der einen durch die Level schiebt. Aber ich muss an dieser Stelle lobend den Bossfight mit Scylla erwähnen. Denn dieser hat einen eigenen Song, welcher sich wie ein brutaler Ohrwurm in meinem Kopf eingenistet hat.
Es ist dieses Zusammenspiel aus Bild, Ton und Gameplay, das Hades II nicht einfach nur gut aussehen lässt… sondern es lebendig macht.

Werkzeuge in Hades 2 © Supergiant Games, Screenshot.
Wiederspielwert und die Rogue Like Formel
Wenn ich ehrlich bin passt mir Hades 2 gerade nicht in mein Leben. Denn ich finde das Spiel viel zu genial und es macht einfach zu viel Spaß es nochmal zu versuchen um endlich mal ans Ziel zu kommen. Nur um dann eine neue Ressource zu finden, die SO VIELE neue Möglichkeiten eröffnet.
„Nur noch ein Run.“
„Nur noch ein Versuch.“
„Nur noch ein Upgrade.“
Und plötzlich sind Stunden vergangen.
Weil sich jeder Durchlauf sinnvoll anfühlt.
Weil Fortschritt nicht nur messbar, sondern mit jedem Angriff spürbar ist.
Weil du nicht das Gefühl hast, Zeit zu verlieren… sondern etwas aufzubauen. Ich liebe und hasse Supergiant Games dafür, dass die das so drauf haben.

Die Legende Odysseus in Hades 2 © Supergiant Games, Screenshot.
Kritik heißt jammern auf hohem Niveau
Ja, es gibt Momente, in denen Hades II etwas zu viel auf einmal will.
Systeme können anfangs erschlagen.
Manche Mechaniken brauchen Zeit, bis sie wirklich greifen.
Und der Schwierigkeitsgrad kann sich stellenweise ungleich anfühlen… Ja, noch ungleicher als bei Teil 1.
Aber nichts davon wirkt wie ein Fehler, sobald man mal ein paar Runs hinter sich hat. Plötzlich packt einen diese Gier das alles zu verstehen.

Melinoes Zelt in Hades 2 © Supergiant Games, Screenshot.
Hades 2 Fazit: Supergiant Games 4TW
Hades II ist kein Spiel, das einfach nur fortsetzt, was funktioniert hat. Es nimmt alles, was stark war, und baut darauf auf! Konsequent und mit einer Klarheit, die man nur selten sieht. Jede ergänzung ist stimmig. Jede neue Mechanik passt nicht nur in die Welt, sondern macht das Spielerlebnis „runder“. Es ist eine klare Weiterentwicklung. So müssten eigentlich Fortsetzungen sein. Das hat auch Marvels Spider-Man 2 so gemacht. Das hatte Little Nightmares 2 verstanden. Entwickler Studios machen bei Fortsetzungen manchmal den Fehler, an der eigentlichen Formel zu viel zu verändern. Nicht so hier.
Ich habe Hades geliebt. Nicht nur als Spiel, sondern als Erfahrung. Hades 2 fühlt sich wie ein Wiedersehen an. Wieder eintauchen in diese Mythologie. Wieder eintauchen in ein geniales Gameplay und so viele neue Features, die sich so frisch anfühlen. Genau richtig für mich. Und sollte irgendwann Supergiant Games auf die Idee kommen, so ein Spiel mit dem Nordischen Pantheon zu machen, oder die ägyptische Mythologie in so ein Rogue-Like zu packen. Könnt ihr euch sicher sein, bin ich sofort wieder dabei!


