Investmentweek

Grover kämpft jetzt um sein zweites Leben

18. April 2025, 20:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Einst galt Grover als Musterbeispiel für die Sharing Economy und schaffte es zum Milliarden-Start-up. Dann gingen Geld und Geduld der Investoren aus. Jetzt soll ein 1000-Seiten-Rettungsplan das Berliner Unternehmen vor dem Kollaps bewahren.

Berliner Tech-Hoffnung am Wendepunkt

Der Hype ist vorbei. Was bleibt, ist ein dickes Dossier mit juristischen Fußnoten, viel kaputtem Vertrauen – und die Frage, ob aus einem Start-up-Wunderkind ein tragfähiges Unternehmen werden kann.

Der Technik-Vermieter Grover, einst als grüner Hoffnungsträger in der Konsumwelt gefeiert, steht vor dem Neustart. Oder besser: dem Überlebenskampf.

Am Mittwoch wurde ein entscheidender Schritt gemacht. Grovers Finanzgläubiger haben dem Sanierungsplan zugestimmt. Ein Rettungspaket, zusammengeschraubt von einer Phalanx aus Sanierungsexperten und Wirtschaftskanzleien. 1000 Seiten, viele davon in Paragrafensprache, verhandelt unter dem Dach des StaRUG – einem Gesetz, das eigentlich kaum jemand kennt, jetzt aber über das Schicksal eines Einhorns entscheidet.

Das Einhorn, das zu schnell rannte

Grover wurde groß mit einer einfachen Idee: Technik nicht kaufen, sondern mieten. Smartphones, Laptops, VR-Brillen, Drohnen – wer etwas nutzen, aber nicht besitzen wollte, fand bei Grover ein Angebot. Das passte perfekt zum Zeitgeist. Weniger Elektroschrott, mehr Nachhaltigkeit, alles bequem per Abo.

2022 knallten die Sektkorken: Grover stieg in die Riege der deutschen Einhörner auf. Bewertung: über eine Milliarde Euro. Kapital floss reichlich – insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro, davon über 250 Millionen als Eigenkapital.

Doch der Traum hatte einen Haken: Das Geschäft brannte Geld. Viel Geld. Die letzten veröffentlichten Zahlen stammen aus dem Jahr 2022: 48 Millionen Euro Umsatz – bei 70 Millionen Euro Verlust. Ein Geschäftsmodell, das vom Goodwill der Kapitalgeber lebte. Und von deren Geduld.

Wenn Investoren die Geduld verlieren

Im Sommer 2024 musste Grover erneut um Hilfe bitten. Eine Brückenfinanzierung über 50 Millionen Euro hielt das Unternehmen am Leben. Aber klar war: Es braucht mehr als Geld, um wieder auf Kurs zu kommen. Die Sanierung war unausweichlich.

Einst gefeiertes Einhorn, heute Sanierungsfall: Grovers Geschäftsmodell basiert auf massiver Fremdfinanzierung – Profitabilität blieb bislang aus.

Der jetzt beschlossene Plan sieht drastische Einschnitte vor. Einige Gläubiger verzichten auf Rückzahlungen, andere bekommen ihr Geld später. Frisches Kapital in Höhe von 30 Millionen Euro soll zusätzlich fließen. Im Gegenzug erhalten die Geldgeber und Investoren, die jetzt noch bereit sind zu zahlen, je zur Hälfte das Unternehmen.

Die Altgesellschafter, darunter Gründer Michael Cassau, verlieren die Kontrolle. Sie bleiben über sogenannte virtuelle Anteile beteiligt – und könnten im Erfolgsfall bei einem Exit rund sieben Prozent des Verkaufserlöses erhalten. Viel ist das nicht. Aber immerhin: besser als nichts.

Interne Grabenkämpfe

Hinter den Kulissen war der Deal hart umkämpft. Laut Informationen von Bloomberg sollen Gründer und Gesellschafter versucht haben, den Einstieg der Gläubiger als feindliche Übernahme zu framen. Doch die Realität ist: Grover hat keine andere Wahl. Ohne die Finanzierer wäre längst Schluss gewesen.

Dass die Gesellschafter dem Plan am Mittwoch nicht zustimmten, bleibt ein symbolischer Widerstand. Denn: Im StaRUG-Verfahren können Gruppen überstimmt werden – wenn das Gericht den Plan für rechtmäßig hält. Genau das steht nun an: Die Entscheidung liegt beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg.

Ein Modell auf dem Prüfstand

Unterm Strich bleibt eine grundsätzliche Frage offen: Ist Grovers Modell überhaupt tragfähig? Kann man mit Technik zur Miete nachhaltig Geld verdienen – oder ist das Geschäftsmodell nur mit Dauerzufuhr von Investorenkapital überhaupt am Leben zu halten?

Intern rechnet man damit, dass das Unternehmen mit den jetzt vereinbarten Maßnahmen bis 2028 durchfinanziert wäre. Fünf Jahre Zeit, um zu beweisen, dass das Abo-Modell mehr ist als eine nette Idee fürs Pitchdeck. Und dass Grover mehr kann als Wachstum ohne Gewinn.

Lehrstück für die Szene

Grovers Absturz ist nicht nur ein Einzelfall. Er steht exemplarisch für viele Start-ups, die in den letzten Jahren mit großen Visionen, aber ohne stabile Geschäftsgrundlage gewachsen sind. Die Berliner Szene schaut genau hin – denn der Fall Grover zeigt, wie eng die Luft da oben ist, wenn das Geld knapp wird und die Erwartungen nicht mehr erfüllt werden.

Für die Investoren ist der Rettungsplan ein Versuch, zumindest einen Teil ihres Einsatzes zu retten. Für Gründer Cassau ist es der vielleicht letzte Versuch, sein Lebenswerk zu bewahren. Und für die Politik ein Beispiel, dass Instrumente wie das StaRUG tatsächlich funktionieren können – wenn auch zum Preis eines vollständigen Machtwechsels.

Finanzen / Unternehmen
[InvestmentWeek] · 18.04.2025 · 20:00 Uhr
[0 Kommentare]
Kommission: Milliarden-Sparpotenzial für Krankenkassen
Berlin (dpa) - Die Expertenkommission für eine Reform der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) schlägt Eingriffe in Milliardenhöhe vor, um steigende Ausgaben zu bremsen und neue Beitragserhöhungen zu vermeiden. Das Gremium legte in Berlin einen Bericht mit 66 Empfehlungen vor, die für nächstes Jahr ein Volumen von bis zu 42 Milliarden Euro ausmachen könnten. […] (00)
vor 5 Minuten
Ölpreise
Wiesbaden (dpa) - Der Iran-Krieg mit dem Ölpreisschock hat die Verbraucherpreise in Deutschland auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren getrieben. Im März lag die Inflationsrate bei 2,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Daten mitteilte. Das ist der höchste Stand der Teuerung seit Januar 2024, als 2,9 Prozent gemessen […] (01)
vor 6 Minuten
Sophie Turner
(BANG) - Sophie Turner hat sich bei den Dreharbeiten zur neuen 'Tomb Raider'-TV-Serie verletzt. Die Produktion des Reboots der Videospielreihe für den kleinen Bildschirm wurde "pausiert", nachdem sich die Hauptdarstellerin – die Lara Croft spielt – eine nicht näher bezeichnete Verletzung zugezogen hat und sich nun Zeit zur Erholung nimmt. In einer […] (00)
vor 4 Stunden
Gesprochene Sprache entsteht oft schneller, als sie bewusst geordnet werden kann. Gedanken bilden sich im Moment des Sprechens, nicht davor, und werden selten in einer festen Struktur vorbereitet. Genau deshalb wirkt Sprache so natürlich: Sie folgt dem Denkprozess, nicht einem fertigen Plan. Das Problem beginnt erst danach. Audio speichert alles in […] (01)
vor 53 Minuten
Kingdom Come: Deliverance 2 im Shitstorm – Entwickler wegen KI angeblich entlassen
Eigentlich läuft es für Kingdom Come: Deliverance 2 seit dem Release hervorragend. Das Mittelalter-Rollenspiel von Warhorse Studios erhielt starke Kritiken und verkaufte sich millionenfach. Doch aktuell sorgt ein ganz anderes Thema für Schlagzeilen. Ein ehemaliger Mitarbeiter behauptet, dass er entlassen wurde, weil sein Job künftig von einer KI […] (00)
vor 16 Minuten
3sat zeigt Doku über Deso Dogg und eine verhängnisvolle Liebesgeschichte
Der Kultursender setzt auf eine außergewöhnliche True-Crime-Dokumentation über Radikalisierung, Propaganda und persönliche Verstrickung. Der Kultursender 3sat zeigt Anfang April den Dokumentarfilm Die Honigfalle – Eine wahre Geschichte über Liebe, Lügen und das FBI als Free-TV-Premiere. Die Produktion von Chris Moukarbel ist bereits ab dem 6. April 2026 in der 3sat-Mediathek abrufbar und wird […] (00)
vor 2 Stunden
Edin Dzeko
Zenica/Rom (dpa) - Den Arroganz-Verdacht wies Italiens Federico Dimarco weit von sich. «Man hat mich arrogant genannt - aber wie könnte ich das sein? Mit welchem Recht, wo wir seit zwölf Jahren nicht bei einer WM dabei waren?», sagte der Nationalspieler von Inter Mailand. Ein Video, das ihn jubelnd beim Finaleinzug Bosnien-Herzegowinas zeigt, sorgte vor […] (02)
vor 2 Stunden
m2m Germany gewinnt viboo als starken IoT-Kunden für intelligente Gebäudetechnik
Wehrheim, 30.03.2026 (PresseBox) - Die m2m Germany GmbH baut ihre Position im Bereich intelligenter Gebäudetechnik weiter aus und gewinnt mit viboo einen innovativen Kunden im Bereich Smart-Building. Das Schweizer Unternehmen setzt auf die bewährten LoRaWAN-Heizkörperthermostate von MClimate sowie die Siemens Connect Box aus dem Portfolio von m2m […] (00)
vor 1 Stunde
 
Der trügerische Arbeitsmarkt: Warum die USA auf eine gefährliche Stagflationsfalle zusteuern
Die vermeintliche Stabilität der wöchentlichen Erstanträge kaschiert strukturelle […] (00)
Das Immobilien-Beben: UBS-Fonds reißt Anleger mit in den Abgrund
Die Nachricht schlug am Donnerstag in der Finanzwelt ein wie eine Granate. Was viele […] (01)
Navigieren durch Marktvolatilität: Verständnis für ungewöhnliche Aktivitätswarnungen […] (00)
Iran-Beben: Merz wagt den Frontalangriff gegen Trumps Kriegs-Maschinerie
Der Bruch hätte kaum gewaltiger ausfallen können. Noch vor wenigen Wochen suchte […] (02)
Julian Nagelsmann
Stuttgart (dpa) - Julian Nagelsmann würde am liebsten einfach die Repeat-Taste […] (02)
John Mulaney und Olivia Munn
(BANG) - John Mulaneys Humor half Olivia Munn, ihre Krebserkrankung zu bewältigen. […] (00)
Nahostkonflikt - Israel
Tel Aviv/Ramallah (dpa) - Nach Gewalt israelischer Soldaten gegen Journalisten des […] (00)
«Terra X History» erzählt Geschichten legendärer Luxushotels
Die ZDF-Doku beleuchtet berühmte Häuser zwischen Glamour, Geschichte und prominenten Gästen. […] (00)
 
 
Suchbegriff