Illegale Automaten

Glücksspiel-Schwarzmarkt boomt: Politik und Firmen in Sorge

11. April 2026, 05:45 Uhr · Quelle: dpa
Merkur-Spielothek
Foto: Wolf von Dewitz/dpa
Pech gehabt: Es sind nur zwei Kirschen in einer Reihe, das reicht nicht für einen Gewinn. Szene aus einer Spielothek in Deutschland.
Deutschlands Spielautomaten-Anbieter haben eine Pechsträhne. Der Schwarzmarkt erschwert den Firmen das legale Geschäft. Der Staat hat das Problem erkannt - aber tut er genug?

Berlin/Espelkamp/Bingen (dpa) - Angesichts eines wachsenden Glücksspiel-Schwarzmarktes werden Rufe nach schärferen Kontrollen laut. Illegale Märkte müssten konsequent bekämpft und zugleich legale Angebote konsequent begrenzt werden, etwa durch größere Mindestabstände zwischen den Spielhallen und Wettbüros, sagt der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Sebastian Fiedler. 

«Glücksspielsucht ist aus Sicht der Abhängigen die teuerste Suchterkrankung», sagt Fiedler der Deutschen Presse-Agentur. «Bei vielen Suchtkranken führt sie zu Überschuldung, sozialem Abstieg sowie zu Beschaffungs- und Begleitkriminalität.»

Der Bundessuchtbeauftragte Hendrik Streeck warnt ebenfalls vor hohem Suchtpotenzial. In kurzer Zeit könnten Existenzen durch Glücksspiel zerstört werden. In Deutschland entwickelten schätzungsweise 1,2 Millionen Menschen ein problematisches oder pathologisches Spielverhalten. «Wir müssen illegales Glücksspiel wirksam zurückdrängen», sagt der CDU-Politiker. «Und wir müssen sicherstellen, dass das legale Angebot seinem eigentlichen Zweck gerecht wird, nämlich Schutz zu bieten und Risiken zu begrenzen.»

Was die Unternehmen sagen

Legalen Anbietern wie Merkur aus Espelkamp (NRW) und Löwen Entertainment aus Bingen (Rheinland-Pfalz) macht der Schwarzmarkt zu schaffen. Die Regeln seien so restriktiv gehalten, dass viele Spielerinnen und Spieler zu illegalen Angeboten abgewandert seien, sagt Merkur-Vizechef Manfred Stoffers. «Der Schwarzmarkt grassiert.» Die Firma stellt Spielautomaten her, betreibt Spielbanken und bietet Online-Spiele an. Vom Konkurrenten Löwen heißt es: «Das illegale Angebot frisst den legalen Markt auf.» 

Bundesweit gibt es schätzungsweise 160.000 legale Glücksspiel-Automaten und damit 100.000 weniger als vor zehn Jahren. Illegal aufgestellt sind unterschiedlichen Schätzungen zufolge mindestens 60.000 oder sogar mehr als 100.000 Automaten, häufig in Kneipen und in Hinterzimmern von Vereinen und anderen Einrichtungen.

Organisierte Kriminalität mischt mit

Die Polizei ist sich des Problems bewusst. So deckten die Ermittler im vergangenen Jahr in NRW 350 unerlaubte Glücksspielveranstaltungen auf, 15 mehr als 2024, wie das Landesinnenministerium mitteilte. Hierbei geht es um Pokerspiele, andere Spiele und um den Betrieb von Automaten. Kriminelle erzielten durch den professionellen Betrieb von Glücksspielen Einnahmen in Millionenhöhe, schätzt das LKA. Hierbei spielten auch Clanstrukturen mit Bezügen zur Organisierten Kriminalität eine Rolle.

In Schleswig-Holstein wurden 2025 laut dortigem Innenministerium 54 unerlaubte Glücksspielveranstaltungen aufgedeckt, 21 mehr als 2024. In Bayern flogen 99 Veranstaltungen auf, das waren 28 weniger als 2024 und 11 mehr als 2023.

Der Bundessuchtbeauftragte Streeck wertet den Glücksspiel-Schwarzmarkt als ernstes Problem. «Dort gelten keine Regeln, es gibt keinen Spielerschutz und keine wirksame Kontrolle. Verluste können in kürzester Zeit eskalieren, und im illegalen Umfeld entstehen zusätzliche Risiken bis hin zu Druck und Gewalt.» Zur Bekämpfung des Schwarzmarktes müssten die Behörden besser ausgestattet werden. 

Regelwerk weist legales Angebot in Schranken

Glücksspiel ist in Deutschland Ländersache, 2021 wurde der Glücksspielstaatsvertrag beschlossen. In den legalen Spielhallen gelten recht strenge Vorschriften. Ein Spieler darf in Deutschland an einem Automaten maximal 60 Euro pro Stunde einsetzen. Er muss alle fünf Sekunden einen Knopf drücken, um die Kontrolle zu behalten und nicht in einen Spielsog abzudriften. Außerdem gibt es Trennwände zwischen Automaten, um das Sichtfeld der Spieler einzuschränken und sich nicht gegenseitig hochzuschaukeln, sowie weitere Abstandsgebote.

Automatenunternehmer werden «zwischen den Mühlsteinen der Spielpreisdeckelung und der steigenden Kosten zermahlen», moniert der Sprecher der Firma Löwen. Merkur-Vizechef Stoffers sagt: «Illegale Anbieter scheren sich nicht um solche Regeln: In Hinterzimmern oder Spielhallen, die als legale Gastronomie oder Kulturzentren getarnt sind, werden Geldspielgeräte betrieben – ohne Lizenz und ohne Spielerschutz.» Die Polizei könne nur stichprobenartig gegen das grassierende Problem vorgehen.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) signalisiert Entschlossenheit, um das Problem zu entschärfen: «Wir entziehen dem illegalen Wildwuchs den Boden, denn für Geschäfte gegen das Gesetz ist bei uns kein Platz.»

Die Regeln werden wohl nicht gelockert

Die legalen Anbieter sähen die Vorschriften gern gelockert und argumentieren, dass ihr Angebot dann attraktiver würde und mehr Menschen in legale Spielhallen gingen und weniger in illegale Spielhallen. Das würde den Schwarzmarkt «weitgehend trockenlegen» und dem Staat mehr Steuereinnahmen bescheren, sagt Merkur-Manager Stoffers.

Aus der Politik kommt Widerspruch. Die Glücksspielbranche vereinfache die Zusammenhänge, sagt SPD-Innenexperte Fiedler. Die Argumentation à la «Je größer und attraktiver das legale Angebot, desto kleiner die illegalen Märkte» sei nicht haltbar. Fiedler sieht einen höheren Verfolgungsdruck samt spürbaren Sanktionen als zentralen Hebel, um den Schwarzmarkt wirksam zu bekämpfen. «Eine Attraktivitätssteigerung legaler Angebote kann dazu führen, dass der Gesamtmarkt wächst.» Das hält er mit Blick auf die schon jetzt 300.000 bis 600.000 Spielsüchtigen in Deutschland für problematisch.

Der Suchtbeauftragte Streeck sieht es ähnlich. «Würde man dieser Logik folgen, müsste man überall dort, wo es illegale Angebote gibt, Schutzstandards zurücknehmen - das kann nicht der Maßstab staatlichen Handelns sein», sagt er. Vielmehr setze der Staat Regeln, um die Menschen zu schützen. Diese Regeln müssten durchgesetzt werden.

Glücksspiele / Kriminalität / Sucht / Deutschland / Schwarzmarkt / Politik
11.04.2026 · 05:45 Uhr
[0 Kommentare]
Sanddünen in Sossusvlei
Windhuk (dpa) -    Nach dem Absturz eines Kleinflugzeugs mit vier deutschen Todesopfern in Namibia sind der Polizei zufolge nun auch die sterblichen Überreste der bislang noch vermissten vierten Person gefunden worden. An allen Opfern seien Obduktionen und DNA-Identifizierungen vorgenommen worden, wie die Polizei mitteilte. «Alle Opfer wurden […] (00)
vor 19 Minuten
Fast 1 Kilometer lang! Taiwan eröffnet die längste einpylonige Brücke der Welt
914 Meter Brücke und nur eine einzige Stütze: Die Danjiang-Brücke in Taiwan bricht einen Weltrekord. Was bislang als unmöglich galt, ist damit Realität geworden – »schuld« daran trägt das Architektenbüro Zaha Hadid Architects (ZHA). Die Planer haben sich von den Zweifeln nicht behindern lassen und konnten ihr Bauwerk sogar erdbebensicher konstruieren. […] (00)
vor 4 Stunden
Kuo: iPhone-Kameramodule werden durch neue Technologie deutlich teurer
Laut dem zuverlässigen Apple-Analysten Ming-Chi Kuo steht bei den kommenden iPhone-Modellen ein kostspieliges Upgrade der Kamerasysteme an. Das neue Objektiv mit variabler Blende, das für das iPhone 18 Pro erwartet wird, soll die Produktionskosten spürbar in die Höhe treiben. iPhone 11 Pro, […] (00)
vor 1 Stunde
The Witcher 3 knackt gigantischen Meilenstein – doch eine neue Erweiterung wirft Fragen auf
The Witcher 3: Wild Hunt hat die nächste Verkaufsschallmauer durchbrochen: 65 Millionen Exemplare hat CD Projekt REDs Rollenspiel-Moloch inzwischen abgesetzt – fünf Millionen mehr als noch vor einem Jahr. Parallel dazu sickern aus der Investorenkonferenz und dem Blood-and-Wine-Jubiläumsstream neue Details zur dritten Erweiterung Songs of the Past […] (00)
vor 19 Minuten
Trotz möglicher WM-Konkurrenz: «extra 3» bleibt bei Das Erste
Das Erste hält auch während der Fußball-Weltmeisterschaft an seinem Satiremagazin «extra 3» fest. Am Donnerstag, den 2. Juli 2026, sendet Das Erste um 23.50 Uhr eine neue Ausgabe von extra 3 mit Christian Ehring. Weitere Details zur Sendung liegen derzeit noch nicht vor. Bemerkenswert ist die Programmierung vor allem mit Blick auf die Fußball-WM 2026. Zwar steht das endgültige Sportprogramm […] (00)
vor 1 Stunde
Montpellier HB - THW Kiel
Hamburg (dpa) - Die Handballer des THW Kiel stehen im Endspiel der European League. Die Norddeutschen gewannen ihr Halbfinale beim Final Four in Hamburg gegen den französischen Vertreter Montpellier HB nach einem spannenden Spiel mit 29: 28 (15: 12). Damit nahmen die «Zebras» Revanche für die 31: 32-Niederlage aus dem Vorjahr. Im Endspiel am Sonntag […] (00)
vor 25 Minuten
btc, bitcoin, cryptocurrency, crypto, money, currency, coin, finance, mining, payment
Mehr als 1.400 Liquiditätspools, die mit alten DxSale-Verträgen auf der BNB Chain verbunden sind, wurden in einem Exploit im Wert von $7,3 Millionen angegriffen, wie Blockchain-Sicherheitsfirmen am 29. Mai meldeten. Dieser Angriff reiht sich in eine wachsende Liste von DeFi-Sicherheitsverletzungen in diesem Monat ein. Sicherheitsexperten warnen, dass veraltete Smart […] (00)
vor 33 Minuten
Redwood AI gibt Absichtserklärung für die potenzielle Übernahme von Quantum.IQ bekannt
Lüdenscheid, 30.05.2026 (lifePR) - Dies ist eine bezahlte Werbung im Namen von Redwood AI Corp. Redwood AI Corp. (WKN: A422EZ | ISIN: CA7579221093),  Redwood oder das Unternehmen, freut sich bekannt zu geben, dass es eine unverbindliche Absichtserklärung (LOI) unterzeichnet hat, um eine mögliche Transaktion zur Übernahme von Quantum.IQ (QIQ), […] (00)
vor 2 Stunden
 
Krankenhausbett (Archiv)
Berlin - Die Techniker Krankenkasse (TK) hat im vergangenen Jahr so viele […] (00)
Kundgebung "Nein zur Wahl eines AfD-Landrates"
Berlin (dpa) - Die Grünen warnen vor einem Erstarken faschistischer Tendenzen in […] (00)
Arne Slot (Archiv)
Liverpool - Der FC Liverpool hat sich mit sofortiger Wirkung überraschend von […] (01)
Toter Wal vor dänischer Insel Anholt
Anholt (dpa) - Nach seiner erfolgreichen Bergung auf der dänischen Insel Anholt soll […] (05)
Barclays bewertet Commerzbank positiv Die britische Investmentbank Barclays hat die […] (00)
Mikel Merino und Ousmane Dembele (r)
Budapest (dpa) - Es sind fast zwei Fußballwelten, die im Champions-League-Finale […] (04)
Xiaomi kündigt vier neue Geräte fürs Smart Home an: Kampfpreise treffen auf Servicerisiko
Xiaomi  hat am 28. Mai in Düsseldorf seine neue Smart-Tech-Appliances-Reihe für den […] (00)
Tristan Thompson hat zugegeben, dass er sich sterilisieren ließ, nachdem Ex-Freundin Khloé Kardashian ihm ein Ultimatum gestellt hatte.
(BANG) - Tristan Thompson ließ sich nach einem "Ultimatum" von Khloé Kardashian […] (00)
 
 
Suchbegriff