Generationenzauber im Pflegewohnheim „Alt-Treptow“: Wie Märchen Brücken schlagen

28. Mai 2026, 10:07 Uhr · Quelle: LifePR
Generationenzauber im Pflegewohnheim „Alt-Treptow“: Wie Märchen Brücken schlagen
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Generationenzauber im Pflegewohnheim "Alt-Treptow": Wie Märchen Brücken schlagen
Im Pflegewohnheim Alt-Treptow erleben Kinder und Senioren mit Demenz monatlich gemeinsame Märchenstunden.

Berlin, 28.05.2026 (lifePR) - Im Pflegewohnheim „Alt-Treptow“ öffnen Märchen einmal im Monat eine besondere Tür: Kinder der benachbarten Kita und hochaltrige Menschen mit Demenz begegnen sich, lachen, staunen und lernen voneinander. Ein Projekt, das zeigt, wie viel Kraft in gemeinschaftlichem Engagement und gelebter Generationenverbindung steckt.

Ein heller Gruppenraum im Pflegewohnheim „Alt-Treptow“, ein Donnerstagvormittag im April. Die Bewohnerinnen und Bewohner sitzen im Halbkreis, einige im Rollstuhl, manche mit geschlossenen Augen. Dann öffnet sich die Tür, eine Kinderschar der benachbarten Kita „Heureka“ stürmt herein – und plötzlich leuchten die Gesichter der älteren Menschen. Schon in diesem Moment wird spürbar, worum es in diesem Projekt eigentlich geht: um die besondere Magie generationenübergreifender Begegnungen.

Wie alles begann

Die Märchenerzählerin Birgit Hägele kommt einmal im Monat ins Pflegewohnheim „Alt-Treptow“, um gemeinsam mit Kindern der Kita „Heureka“ Märchen lebendig werden zu lassen. Ihren Weg dorthin verdankt sie einer sehr persönlichen Erfahrung: Ihre eigene Mutter erkrankte an Demenz. Birgit Hägele erlebte, wie der Kontakt allmählich verloren ging – und suchte nach Wegen, wie Verbindung trotzdem bestehen bleiben kann, wenigstens in Momenten, in Stimmungen, in Bildern.

Aufgrund dieser Erfahrung entwickelte sie in ihrem Berufsleben ein Projekt mit dem Titel: „Märchen als Türöffner – interaktiv Märchen erzählen für Menschen mit Demenz und Kindern“. Auf dieses Projekt wurde Frau Prof. Dr. Kollak von der Alice Salomon Hochschule aufmerksam und gewann Birgit Hägele, die selbst als Dozentin dort arbeitete, für einen längeren Artikel in dem von ihr herausgegebenen Fachbuch „Menschen mit Demenz durch Kunst und Kreativität aktivieren“.

Zur gleichen Zeit suchte die damalige Mitarbeiterin des Sozialdienstes im Pflegewohnheim – Petra Clasen – nach Möglichkeiten, Kinder und alte Menschen zusammenzubringen. Sie war überzeugt, dass beide Seiten davon profitieren würden.

Sie stieß auf den Artikel im erwähnten Fachbuch und nahm Kontakt zu Birgit Hägele auf. Aus dieser Verbindung, viel Ideenreichtum und einer großen Portion Idealismus entstand das Märchenprojekt im Pflegewohnheim, das bis heute fortgeführt wird.

„Viele Menschen machen gemeinsam etwas – für uns“

Was Birgit Hägele besonders betont: Die Märchenstunde ist weit mehr als ein schönes Angebot im Pflegewohnheim. Die Bewohnerinnen und Bewohner erleben, dass viele Menschen gemeinsam etwas für sie tun. Mitarbeitende im Pflegewohnheim, Kolleg*innen in der Kita, die Kinder selbst, die Märchenerzählerin – sie alle engagieren sich, damit diese Stunde stattfinden kann. Dieses Miteinander, dieses stille „Wir tun das für euch“, ist spürbar. Es stiftet Sinn, vermittelt Wertschätzung und löst große Dankbarkeit aus.

Heute ist es vor allem Elisabeth Pelka aus dem Sozialdienst, die mit viel Herzblut die Märchenstunde organisiert, begleitet von zahlreichen Kolleg*innen im Haus. Sie koordinieren Termine, bereiten den Raum vor, sprechen mit Angehörigen, stimmen sich mit der Kita ab. Ohne dieses Engagement im Hintergrund würde aus der Idee kein gelebter Moment werden. Und genau diese Erfahrung – Teil einer fürsorglichen Gemeinschaft zu sein – ist für viele Bewohner*innen mindestens so wichtig wie das Märchen selbst.

Wenn Chaos verbindet: Kinder und Menschen mit Demenz

Auf den ersten Blick könnten die Lebenswelten der Kinder und der hochaltrigen Menschen kaum unterschiedlicher sein. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch eine berührende Gemeinsamkeit: Sowohl Kinder als auch Menschen mit Demenz leben stark im Moment. Die Kinder erleben täglich Neues, sind in einem ständigen Strom aus Eindrücken, Wachstum und Lernen; sie überlegen noch nicht groß, was sie sagen, sondern reagieren spontan. Ähnlich ist es bei vielen demenziell veränderten Menschen: Auch sie handeln oft impulsiv, sprechen ohne vorherige Abwägung, lassen sich von Stimmungen leiten.

Dieses „Chaos“ – bei den Kindern durch Entwicklung und Neugier, bei den Alten durch die Demenzerkrankung – wird im Rahmen der Märchenstunde nicht als Störung betrachtet, sondern als verbindendes Element. Es schafft eine gemeinsame Ebene jenseits von Leistungsansprüchen und „richtig“ oder „falsch“. Hier müssen weder Kinder „brav“ sein noch Senior*innen „funktionieren“. Alle dürfen einfach so sein, wie sie gerade sind. Das schafft eine Atmosphäre der Erlaubnis und Entspannung, in der echte Begegnung möglich wird.

Ein Vormittag voller Blumenmärchen

An diesem Morgen beginnt alles mit einem leisen Raunen: Die Kinder kommen in den Raum, stellen sich vor die Senior*innen und sagen reihum „Guten Morgen“. Kurz sind noch Berührungsängste zu spüren – ein schüchterner Blick, eine zögerliche Stimme. Doch sie verschwinden schnell, als die Kinder beginnen, ihr großes, selbst gestaltetes Plakat zu präsentieren. Die Bewohner*innen dürfen raten, welches Märchen darauf dargestellt ist. „Der Froschkönig“, tönt es schließlich aus der Runde – und die erste gemeinsame Freude ist da.

Dann kündigt Birgit Hägele das Thema des Tages an: Blumenmärchen. Spontan stimmen die Senior*innen ein Frühlingslied an, ein heiteres „Tulipan“-Lied, einige der älteren Menschen summen leise mit. Es folgt ein kurzes Flötenspiel, und die Märchenerzählerin holt einen großen, goldenen Schlüssel hervor. Sie hält ihn hoch, ihre Stimme wird feierlich:

„Mit diesem goldenen Schlüssel hier, da öffne ich die Märchentür.“

Die Kinder sprechen den Satz im Chor mit, und für einen Moment scheint es, als würde tatsächlich eine unsichtbare Tür aufgehen – hinein in eine andere Welt.

Das Märchen beginnt mit dem vertrauten „Es war einmal …“, das alle gemeinsam sprechen, begleitet von zarten Klängen verschiedener Instrumente. Dazu bewegen alle kreisend ihre Arme. Später heißt es: „Wir reiten mit einer Kutsche“, und schon hüpfen die Kinder vergnügt und „kutschenreitend“ durch den Raum. Einige Senior*innen verfolgen die Szene mit strahlenden Augen, andere machen kleine Bewegungen mit, tippen mit den Fingern, wippen mit den Füßen oder flüstern einzelne Textzeilen mit.

Aufmerksamkeit für den Moment

Während Birgit Hägle erzählt, bindet sie Kinder wie Senior*innen immer wieder ein – spontan, feinfühlig, reagierend auf das, was gerade im Raum passiert. Stellt ein Kind eine Frage, nimmt sie diese auf und verwebt sie in die Geschichte. Lacht eine Bewohnerin plötzlich über eine Erinnerung, bleibt kurz Zeit dafür. Manchmal braucht jemand eine Berührung, manchmal einen Blick, manchmal eine Pause. Keine Märchenstunde gleicht der anderen; sie ist nie komplett planbar, sondern lebt von der Situation und von den Menschen, die an diesem Tag da sind.

Für die Kinder bedeutet das: Sie erleben alte Menschen nicht nur als „die im Heim“, sondern als Persönlichkeiten mit Humor, mit Geschichten, mit Verletzlichkeit. Sie lernen, dass Demenz zwar vieles verändert, aber nicht die Würde eines Menschen. So wachsen ganz nebenbei Empathie, Respekt und ein natürlicher Umgang mit Alter und Krankheit.

Für die Bewohner*innen wiederum sind diese Begegnungen ein kostbarer Lichtblick im Heimalltag. Kinder bringen Bewegung, Geräusche, Farben – und vor allem: Leben. Sie holen Erinnerungen hervor, wecken längst verloren geglaubte Lieder und Sätze. Manchmal sprechen Bewohner*innen nach der Märchenstunde noch darüber, teilen ihre Eindrücke miteinander oder mit dem Pflegepersonal.

Zwei Senior*innen sagten mir hinterher:

„Für uns ist die Märchenstunde ein Geschenk. Wir spüren, mit wieviel Liebe das alle hier machen. Oft sprechen wir hinterher nochmal darüber und freuen uns immer schon auf die nächste Märchenstunde.“

Gemeinschaft als Schlüssel – und die Rolle der Förderung

Damit dieser märchenhafte Vormittag überhaupt stattfinden kann, braucht es viele helfende Hände:

  • Mitarbeitende im Pflegewohnheim, die organisieren, begleiten, nachbereiten.
  • Erzieher*innen in der Kita, die die Kinder vorbereiten, Sicherheit geben und im Trubel den Überblick behalten.
  • Eltern, die das Projekt unterstützen und ihren Kindern die Teilnahme ermöglichen.
  • Birgit Hägele, die mit ihrer Professionalität, ihrer Erfahrung und ihrer warmen Art die Fäden zusammenhält.
Und es braucht auch eine finanzielle Basis: Die Unionhilfswerk-Förderstiftung unterstützt das Märchenprojekt, damit die regelmäßigen Besuche, Materialien und Begleitungen verlässlich gesichert sind. Doch im Mittelpunkt steht etwas anderes: der gemeinsame Wille vieler Menschen, den Alltag von Kindern und alten Menschen durch echte Begegnungen zu bereichern.

Am Ende der Stunde legt sich wieder Ruhe über den Raum. Die Kinder verabschieden sich, winken, rufen noch ein letztes „Auf Wiedersehen!“. Zurück bleiben Bewohner*innen, die ein wenig aufrechter sitzen, und ein Gefühl, das man mit Zahlen schwer beschreiben kann: das Gefühl, gesehen, gemeint, beschenkt zu sein.

Generationenzusammenhalt zeigt sich manchmal in großen gesellschaftlichen Debatten. Hier, an einem Vormittag im Pflegewohnheim „Alt-Treptow“, zeigt er sich in etwas ganz Einfachem – in einem Märchen. Und genau darin liegt sein Zauber.

Familie & Kind / Demenz / Generationenverbindung / Pflegeheim / Kita / Märchenerzählung / Unionhilfswerk
[lifepr.de] · 28.05.2026 · 10:07 Uhr
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