AGF-Studie: Kinder und Jugendliche leben in der Bewegtbildwelt

Streaming, Social Media und YouTube prägen den Medienalltag junger Menschen immer stärker.
Bewegtbild gehört für Kinder und Jugendliche längst selbstverständlich zum Alltag. Laut der neuen „AGF Next Gen Videostudie 2026“ nutzen 85,3 Prozent der 1- bis 17-Jährigen täglich Bewegtbildangebote – darunter lineares Fernsehen, Streamingdienste, Videoportale und Social-Media-Inhalte. Bereits im Vorschulalter erreichen Bewegtbildangebote nahezu alle Kinder. Gleichzeitig verändert sich die Nutzung deutlich: Streaming und Social Media gewinnen an Bedeutung, während das klassische Fernsehen zunehmend als gemeinschaftliches Erlebnis wahrgenommen wird.
Die Studie wurde von der AGF Videoforschung gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Kantar durchgeführt. Dafür wurden 5.250 Kinder und Jugendliche beziehungsweise deren Eltern befragt. Zusätzlich gab es qualitative Interviews, um die Mediennutzung besser zu verstehen. Die Ergebnisse gelten als repräsentativ für Kinder und Jugendliche in Deutschland.
Besonders spannend ist der Blick auf die Geräte. Schon im Grundschulalter entwickeln Kinder laut Studie eine klare „Geräte-Kanal-Logik“. Kürzere Inhalte und Social Media werden meist auf Smartphone oder Tablet konsumiert, längere Inhalte wie Filme, Serien oder Sport dagegen bevorzugt auf dem Fernseher. Vor allem mit dem Wechsel auf die weiterführende Schule steigt die Bedeutung des Smartphones massiv. Bereits 84,3 Prozent der 11- bis 13-Jährigen besitzen ein eigenes Smartphone, bei den 14- bis 17-Jährigen sind es sogar 91,2 Prozent.
AGF-Geschäftsführerin Kerstin Niederauer-Kopf spricht deshalb vom Smartphone als „persönlichem Leitgerät“ der Jugendlichen. Gleichzeitig verliere das Fernsehgerät seine Bedeutung nicht vollständig. Stattdessen werde es immer stärker zum gemeinschaftlich genutzten Medium für Filme, Serien und große Live-Ereignisse.
Gerade dieser soziale Aspekt des Fernsehens zieht sich durch die gesamte Studie. Obwohl Kinder und Jugendliche Inhalte zunehmend individuell konsumieren, bleibt gemeinsames Fernsehen ein wichtiger Bestandteil des Familienalltags. Besonders Film- und Serienabende werden laut AGF bewusst als kollektive Erlebnisse wahrgenommen. Die Studie beschreibt das Fernsehgerät sogar als „Beziehungsmedium“.
Vor allem bei jüngeren Kindern schauen Eltern häufig mit. Bei den 3- bis 6-Jährigen sind Eltern laut Studie in 83,5 Prozent der Fälle immer oder oft dabei, wenn lineares Fernsehen genutzt wird. Selbst bei den 14- bis 17-Jährigen liegt dieser Wert noch bei 50,1 Prozent. Streaming und Social Media werden dagegen überwiegend individuell auf Smartphone oder Tablet genutzt.
Interessant ist auch die Entwicklung der Inhalte und Vorbilder. Während jüngere Kinder weiterhin klassische Kindermarken bevorzugen, verändern sich die Interessen mit zunehmendem Alter deutlich. Bei den Kleinsten gehören «Paw Patrol», «Peppa Pig» und «Bluey» zu den beliebtesten Formaten. Auffällig: Selbst auf YouTube konsumieren viele Kinder vor allem klassische TV-Inhalte. Plattform und Fernsehmarke bleiben in diesem Alter eng miteinander verbunden.
Mit zunehmendem Alter gewinnen dagegen Influencer, Creator und Gaming-Persönlichkeiten an Bedeutung. Laut Studie dient Bewegtbild Jugendlichen heute nicht mehr nur zur Unterhaltung, sondern auch zur Orientierung und Identitätsbildung. Besonders bei den 14- bis 17-Jährigen prägen Lifestyle-, Special-Interest- und Haltungs-Influencer die Medienwelt.
Auch Social Media wird spätestens mit dem Wechsel auf die weiterführende Schule praktisch unverzichtbar. Comedy- und Meme-Inhalte bilden dabei über alle Altersgruppen hinweg den kleinsten gemeinsamen Nenner. Bei Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren dominieren Beauty- und Fashion-Inhalte, bei Jungen derselben Altersgruppe stehen Gaming und eSports im Mittelpunkt. Die AGF sieht Kinder und Jugendliche weiterhin als Vorreiter neuer Mediennutzung. Junge Zielgruppen greifen neue Plattformen und Formate häufig zuerst auf und prägen damit langfristig den gesamten Medienmarkt. Die Ergebnisse der Studie zeigen deshalb nicht nur, wie Kinder heute Medien nutzen, sondern auch, wie sich die Bewegtbildwelt insgesamt verändern könnte.

