Generalsanierung der Bahnstrecken: Ein Marathon statt Sprint
Die zügige Modernisierung des überlasteten deutschen Schienennetzes erweist sich als anspruchsvolle Aufgabe. Im Zuge der Neuausrichtung ihrer Pläne hat die Deutsche Bahn beschlossen, die Renovierung von über 40 stark beanspruchten Bahnstrecken langsamer als ursprünglich vorgesehen durchzuführen.
Laut einem Schreiben der für Infrastruktur zuständigen Tochter DB InfraGo, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, wird der letzte Sanierungsabschnitt erst Mitte der 2030er Jahre abgeschlossen sein, statt wie zuvor geplant bis 2031. Diese strategische Anpassung basiert auf Rückmeldungen aus der Bau- und Bahnbranche und sieht eine Reduzierung der jährlich durchgeführten Sanierungen auf maximal fünf Projekte vor.
Die Maßnahme soll eine ausgewogene Abwägung zwischen Kapazitätsbeschränkungen, Leistungsfähigkeit der Bauindustrie und Investitionsbedarf gewährleisten. Über den Vorschlag wird derzeit mit Vertreterinnen und Vertretern der Bahnbranche, Verbänden und Ländern beraten, bevor endgültige Gespräche mit dem Bund geführt werden.
Kritik am ursprünglichen Zeitplan war nicht aus dem Nichts gekommen: Zahlreiche Wettbewerber, besonders aus dem Güterverkehr, hatten die ambitionierten Ziele als unrealistisch eingestuft. Die ursprüngliche Zielsetzung, bis 2030 das Sanierungsprojekt abzuschließen, sei vielmehr politisch als fachlich bedingt gewesen.
Die nun praktizierte Verlangsamung wird von Branchenvertretern als längst überfällige Anpassung begrüßt – man hatte früh gewarnt, ohne ausreichende Vorbereitungsmaßnahmen an den Start zu gehen. Der neue Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) äußerte sich dazu: „Wir halten am Grundkonzept fest, schauen uns aber die Auswirkungen genau an. Wir dürfen die Bahnkunden nicht überfordern.“
Im Gegensatz dazu äußerte sich die Grünen-Abgeordnete Paula Piechotta kritisch zu den Verzögerungen und den damit verbundenen Konsequenzen. Die Fahrgäste haben jedoch großes Interesse an einem schnellen Fortschritt der Arbeiten, da das gegenwärtige Baugeschehen oftmals die Ursache für Verspätungen ist.
Mit Blick auf die Zukunft bleibt das erklärte Ziel der Deutschen Bahn, bis 2027 im Fernverkehr wieder eine Pünktlichkeit von 75 bis 80 Prozent zu erreichen. Doch Skepsis bleibt – der Fahrgastverband Pro Bahn bezweifelt die Realisierbarkeit der ambitionierten Ziele. Es bleibt abzuwarten, wie die künftigen Entwicklungen die Zuverlässigkeit der deutschen Bahnnetze beeinflussen werden.

