Generalsanierung der Bahnstrecke Hamburg-Berlin: Ein Mammutprojekt im Schienennetz
Die Eisenbahnverbindung zwischen Hamburg und Berlin, eine der bedeutendsten Pendlerstrecken Deutschlands, steht vor einer kompletten Rückverwandlung. Mit der anstehenden Generalsanierung wird die Strecke ab Freitagabend für den gesamten Zugverkehr gesperrt, was weitreichende Auswirkungen auf den Regional-, Fern- und Güterverkehr mit sich bringt. Täglich nutzen circa 30.000 Fahrgäste im Fernverkehr diese 280 Kilometer lange Strecke, die in ihrer bisherigen Form dem enormen Verkehrsaufkommen kaum mehr standhält. Besonders erwähnenswert: Einige Stellwerke arbeiten noch mit altertümlicher Diskettentechnologie, verrät Projektleiter Julian Fassing.
Diese Sanierung steht in einer Reihe weiterer ambitionierter Projekte wie der Riedbahn und der Emmerich-Oberhausen-Route. Ziel ist es, das gesamte deutsche Schienennetz zuverlässiger und pünktlicher zu gestalten. Die Strecke bleibt bis zum 30. April geschlossen, weshalb Pendler Umleitungen und verlängerte Fahrzeiten in Kauf nehmen müssen. Fernzüge fahren zukünftig über Stendal und Uelzen, was eine zusätzliche Reisezeit von 45 Minuten bedeutet. Auch umgeleitete Strecken zwischen Hamburg und Rostock über Lübeck erfordern Geduld.
Für den Regionalverkehr wird es noch umständlicher: Einige Linien entfallen vollständig, während Ersatzbusse auf 28 Verbindungen das Mobilitätsangebot sichern sollen. Diese, von Ecovista betriebenen Busse, sind mit modernem Komfort wie WLAN ausgestattet. Jedoch sind nicht alle Fahrzeuge rechtzeitig verfügbar, sodass auf Busse von Subunternehmen zurückgegriffen wird.
Auch der Güterverkehr wird umgeroutet, was zu erheblichen Verzögerungen führen kann. Die parallele Sperrung von Umleitungsstrecken im Frühjahr verschärft die Lage zusätzlich. Kritiker bemängeln das autarke Vorgehen der Deutschen Bahn bei einem Projekt dieser Größenordnung und Kosten.
Einmalige Reparaturen im Vorjahr sind der Ausgangspunkt für die jetzt umfassendere Sanierung, um den Streckenzustand wesentlich zu verbessern. Geplante Maßnahmen umfassen unter anderem die Modernisierung von 28 Bahnhöfen, den Austausch von 165 Kilometern Gleisen und die Modernisierung zahlreicher Stellwerke. Dabei wird auf die digitale Technik zunächst verzichtet.
Die Hoffnung auf mehr Pünktlichkeit nach Abschluss der Bauarbeiten ist groß, wenngleich eine sofortige Verbesserung im gesamten Netz unwahrscheinlich bleibt. Doch bereits in wenigen Jahren sollen vier weitere Generalsanierungen folgen, um das Netz weiter zu optimieren, darunter die Strecken von Hagen über Wuppertal nach Köln und von Nürnberg nach Regensburg.

