BASF eröffnet Mega-Standort in China: Ein Balanceakt zwischen Wachstum und Risiko

BASF setzt mit der Eröffnung seines neuen Verbundstandorts im chinesischen Zhanjiang ein Zeichen in einem der weltweit dynamischsten Märkte. Der rund 8,7 Milliarden Euro teure Komplex stellt die bislang größte Einzelinvestition des Unternehmens dar.
Kritiker befürchten jedoch eine wachsende Abhängigkeit von einer autokratischen Führung, insbesondere angesichts der jüngsten Erfahrungen mit teuren Abschreibungen in Russland. BASF betont hingegen die strategische Bedeutung Chinas als Wachstumsmarkt im globalen Chemiesektor.
China, als einer der bedeutendsten Märkte der Chemieindustrie, trägt bereits ungefähr 50 Prozent zum weltweiten Chemieumsatz bei und wird laut Prognosen bis 2035 rund 80 Prozent des Wachstums der Branche ausmachen. Trotz dieser beeindruckenden Zahlen erkennt BASF eine Unterrepräsentation im chinesischen Markt, wo das Unternehmen 2024 lediglich 13 Prozent seines Gesamtumsatzes erzielte.
Das Engagement in Zhanjiang zielt darauf ab, diese Lücke zu schließen, ohne eine geografische Schwerpunktverlagerung vorzunehmen. Die allgemeine Zuversicht in die Wachstumsaussichten Chinas bleibt hoch. Laut einer Umfrage der deutschen Auslandshandelskammer planen 61 Prozent der Chemieunternehmen, ihre Investitionen in den kommenden zwei Jahren zu verstärken.
Gleichwohl bleibt der geopolitische Kontext, insbesondere Chinas Standpunkt zu Taiwan, ein Risikofaktor, den BASF genau beobachtet. Einige Anteilseigner äußern Bedenken, ob BASFs Investitionen in China langfristig gewinnbringend sind. Sie vergleichen das Engagement mit einer 'riskanten Wette', da sich die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seit der Investitionsentscheidung verändert haben.
BASF verfolgt unterdessen eine Nachhaltigkeitsstrategie: Der Standort in Zhanjiang soll vollständig mit erneuerbaren Energien betrieben werden und verspricht eine Reduzierung der CO2-Emissionen um bis zu 50 Prozent im Vergleich zu konventionellen Standorten. Die global wirtschaftlichen Herausforderungen, einschließlich der schwachen Nachfrage und des Drucks durch Handelszölle, setzen BASF zu. Der Unternehmenschef Markus Kamieth erkennt diese Schwierigkeiten an und plant tiefgreifende Restrukturierungen innerhalb des Konzerns, um die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft zu sichern.
Mit Zhanjiang setzt BASF auf modernste Technik, darunter einen leistungsstarken Steamcracker. Das Werk wird wichtige Industrien wie die Verpackungs-, Bau- und Automobilbranche bedienen. Inmitten der aktuellen Überkapazitäten im chinesischen Markt könnte dies einen langfristigen Wettbewerbsvorteil darstellen, da ineffiziente Anlagen im Land voraussichtlich abgeschaltet werden müssen.

