Freshfields trotzt Trump – und riskiert dabei den Bruch mit der US-Strategie
Mitten in ihrer US-Offensive geht die britische Kanzlei Freshfields in Konfrontation mit der Regierung Trump. Als einziges der 20 größten globalen Law Firms unterstützte die Sozietät öffentlich die von Washington sanktionierte Kanzlei Perkins Coie – und unterzeichnete eine sogenannte amicus brief, die sich gegen Trumps Executive Order richtete. Weitere Solidaritätsbekundungen folgten: Auch für Jenner & Block, Wilmer Hale und Susman Godfrey stellte sich Freshfields offen auf die Seite der Angegriffenen.
Die Haltung ist bemerkenswert, weil Freshfields derzeit massiv in den US-Markt investiert. Seit 2019 hat die Kanzlei über 50 hochkarätige Partner von US-Adressen wie Skadden, Cravath oder Davis Polk abgeworben. Das Salär: bis zu achtstellige Dollarbeträge. Niederlassungen in Boston und im Silicon Valley kamen hinzu. Inzwischen entfällt knapp ein Fünftel des Umsatzes auf den US-Markt – Tendenz steigend.
Die Konfrontation mit Washington fällt also in eine sensible Phase. Während viele US-Kanzleien sich mit der Trump-Administration arrangierten – etwa durch pro bono-Zusagen zugunsten konservativer Anliegen – entschied sich Freshfields, Stellung zu beziehen. Laut Insidern wurde die Entscheidung von Senior Partnerin Georgia Dawson in Abstimmung mit US-Führungskräften getroffen. Einige warnten vor Reputationsschäden, doch Dawson setzte auf Prinzipien statt Opportunismus.
Tatsächlich hat sich der Schritt bereits in Mandaten und Bewerbungen niedergeschlagen: Anwälte und Mandanten anderer Kanzleien, die mit Trump kooperierten, suchen offenbar gezielt Anschluss an Freshfields. Besonders Mandanten aus Europa werten die Haltung der Kanzlei als Ausdruck von Integrität und Unabhängigkeit – ein potenzieller Wettbewerbsvorteil.
Dass sich Freshfields damit exponiert, ist offensichtlich. Zwar ist das Unternehmen bislang nicht direkt von einem Dekret betroffen, erhielt aber wie viele andere Kanzleien ein Schreiben der Equal Employment Opportunity Commission (EEOC). Viele der kontaktierten Sozietäten schlossen daraufhin Vereinbarungen mit der Trump-Regierung. Freshfields tat dies bislang nicht – eine bewusste Distanz zu einem autoritären Kurs, den andere mittragen.
Die Expansion in die USA hat Freshfields tiefgreifend verändert – nicht nur strukturell, sondern auch kulturell. Das 2017 gelockerte Lockstep-Vergütungssystem, das auf Seniorität basierte, ermöglichte aggressive Top-Hires wie den M&A-Anwalt Ethan Klingsberg von Cleary Gottlieb. Mit ihm kamen auch Tech-Mandate wie zuletzt Alphabets 32-Milliarden-Dollar-Deal zur Übernahme von Wiz.
Allerdings bleibt der finanzielle Balanceakt heikel. Die Personalkosten stiegen seit 2019 um fast 60 Prozent, der Umsatz um 42 Prozent, der Gewinn pro Equity Partner liegt bei geschätzten £2,4 Millionen – deutlich hinter US-Giganten wie Kirkland & Ellis mit rund $9 Millionen.
Ob sich der Mut auszahlt, hängt auch davon ab, wie sehr Mandanten künftig auf klare politische Haltung achten. In Zeiten wachsender Polarisierung könnte das Festhalten an juristischen Grundprinzipien – wie der Unabhängigkeit der Anwaltschaft – zu einem echten Differenzierungsmerkmal im transatlantischen Wettbewerb werden. Freshfields hat diesen Schritt gemacht – jetzt wird sich zeigen, ob daraus eine neue Marktidentität entsteht.

