Die Lage im Überblick

Fragile Waffenruhe im Libanon erneut verlängert

16. Mai 2026, 11:48 Uhr · Quelle: dpa
Treffen zwischen Israel und Libanon in Washington
Foto: Jacquelyn Martin/AP/dpa
Unterhändler Israels und des Libanons sollen weiter an einer Beilegung des Konflikts arbeiten.
Eigentlich sollen die Waffen schweigen, aber trotzdem greifen sich Israels Militär und die Hisbollah-Miliz immer wieder an. Unterhändler sollen die Feuerpause für neue Friedensgespräche nutzen.

Beirut/Tel Aviv/Washington (dpa) - Die fragile Waffenruhe im Krieg zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon wird um eineinhalb Monate verlängert. Unter Vermittlung der Vereinigten Staaten sollen Vertreter Israels und des Libanons währenddessen weiter an einer Lösung des Konflikts arbeiten, wie das US-Außenministerium mitteilte. Die aktuell geltende Waffenruhe war in den vergangenen Wochen allerdings von beiden Seiten immer wieder verletzt worden.

Bei den Gesprächen verhandelt Israel mit Libanons Regierung, die selbst nicht Konfliktpartei ist. Die Hisbollah nimmt nicht an den Gesprächen teil und lehnt diese ab. Beobachter gehen aber davon aus, dass die Miliz laufend über den Stand der Verhandlungen informiert wird.

Die abermalige Verlängerung der Ende April schon einmal ausgedehnten Feuerpause um weitere 45 Tage wurde nach einer dritten Gesprächsrunde zwischen israelischen und libanesischen Regierungsvertretern in Washington bekanntgegeben. «Die Friedensgespräche verliefen offen und konstruktiv und sollen nun auf zwei Ebenen vorangetrieben werden: auf sicherheitspolitischer und auf politischer Ebene», schrieb der israelische Botschafter in den USA, Jechiel Leiter, auf der Online-Plattform X. «Es wird Höhen und Tiefen geben, doch die Erfolgsaussichten sind groß.»

Libanesische Delegation: «Dringend benötigte Atempause»

Auch die libanesischen Unterhändler zeigten sich optimistisch. «Die Verlängerung des Waffenstillstands und die Einrichtung eines von den USA unterstützten Sicherheitsprozesses verschaffen unseren Bürgern eine dringend benötigte Atempause, stärken die staatlichen Institutionen und ebnen den Weg für dauerhafte Stabilität», zitierte die Nachrichtenseite «Naharnet» aus einer Stellungnahme der Delegation.

Der libanesische Staat ist in der Auseinandersetzung zwischen Israel und der von dessen Erzfeind Iran unterstützten Hisbollah nicht selbst Konfliktpartei. Angesichts der zahlreichen Opfer bei den israelischen Angriffen pocht die Regierung in Beirut aber auf die territoriale Integrität des Landes und eine dauerhafte Waffenruhe.

Vertreter der israelischen und der libanesischen Regierung sollen nun am 2. und 3. Juni zu einer neuen Verhandlungsrunde zusammenkommen. Zuvor soll am 29. Mai im Pentagon ein militärischer Dialog zwischen Delegationen beider Länder stattfinden. Israel und der Libanon hätten sich auf einen Verhandlungsrahmen geeinigt, um einen dauerhaften Frieden, eine uneingeschränkte Anerkennung der Souveränität und territorialen Integrität des jeweiligen Nachbarlandes sowie Sicherheit entlang ihrer Grenze zu fördern, teilte das US-Außenministerium mit.

Erneut Angriffe auf Hisbollah-Ziele im Südlibanon

Die Regierungen beider Länder hatten sich Mitte April erstmals auf eine Feuerpause geeinigt. Allerdings ist die Waffenruhe äußerst brüchig und wird von beiden Seiten immer wieder verletzt. Erst am Freitag wurden nach libanesischen Angaben bei einem mutmaßlich von den israelischen Streitkräften geführten Angriff im Süden des Landes sechs Menschen getötet, darunter drei Sanitäter. 

Nur Stunden nach der Bekanntgabe der verlängerten Feuerpause kam es zu israelischen Luftangriffen auf Hisbollah-Ziele im Südlibanon, wie ein israelischer Militärsprecher mitteilte. Vor dem Angriff hatte das Militär die Bevölkerung mehrerer Ortschaften im Südlibanon aufgefordert, wegen der bevorstehenden Attacke ihre Häuser zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Die Angriffe wurden mit Verstößen der Hisbollah gegen die bestehende Feuerpause begründet.

Nach Beginn des Iran-Kriegs hatte die Hisbollah, die im Libanon lange wie ein Staat im Staate agierte, aus Solidarität mit dem iranischen Machtapparat wieder Raketen und Drohnen auf den Norden Israels abgefeuert. Die israelischen Streitkräfte griffen daraufhin Stellungen der Miliz im Süden des Libanons und Hochburgen der Hisbollah in den Vororten der Hauptstadt Beirut an.

Libanesische Regierung soll Hisbollah an Angriffen hindern

Laut der ursprünglichen Vereinbarung soll die libanesische Regierung die Hisbollah mit internationaler Hilfe daran hindern, vom Libanon aus Angriffe auf israelische Ziele auszuführen. Israel soll demnach zwar auf «offensive Militäroperationen» im Libanon verzichten, sich aber gegen geplante, unmittelbar bevorstehende oder andauernde Angriffe verteidigen dürfen.

Seit dem erneuten Aufflammen der Kämpfe Anfang März wurden im Libanon offiziellen Angaben zufolge rund 2.900 Menschen getötet, darunter zahlreiche Frauen und knapp 200 Kinder.

Mutmaßlicher Miliz-Kommandeur in US-Gewahrsam

Unterdessen wurde ein mutmaßlicher Anführer der proiranischen Miliz Kataib Hisbollah aus dem Irak gefasst und in die USA gebracht. Mohammed Bakir Saad Dawud al-Saadi habe eine Reihe von Anschlägen in den USA und Europa angeordnet und geplant, teilte das US-Justizministerium mit. Wo und wann der 32-Jährige festgenommen wurde, blieb zunächst unklar.

Die Kataib Hisbollah zählt zu den stärksten und einflussreichsten Milizen im Irak. Die USA stufen die Gruppe als ausländische Terrororganisation ein. Al-Saadi soll zudem enge Verbindungen zu den Revolutionsgarden unterhalten haben, der Elitestreitmacht des Irans.

Konflikte / Krieg / Diplomatie / Libanon / Israel / USA / Iran
16.05.2026 · 11:48 Uhr
[0 Kommentare]
Berliner Stadtreinigung im Einsatz (Archiv)
Berlin - Berlins Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf hat eine Sauberkeitsoffensive für die Hauptstadt angekündigt. "Diese Stadt ist zu dreckig", sagte er der "Welt" (Montagsausgabe). Als erste Maßnahme nach einem Wahlsieg würde er einen Leitungsstab zum Thema Sauberkeit im Roten Rathaus einrichten. Seit Corona werde der öffentliche Raum zunehmend nicht […] (00)
vor 2 Minuten
Nach dem Ende ihrer Ehe mit Fußballstar Thomas Müller richtet Lisa Müller den Blick offenbar konsequent nach vorn.
(BANG) - Nach dem Ende ihrer Ehe mit Fußballstar Thomas Müller richtet Lisa Müller den Blick offenbar konsequent nach vorn. Statt sich in öffentlichen Diskussionen über die Trennung zu verlieren, konzentriert sich die Dressurreiterin auf ihre Zukunft. Und dabei soll es nun vor allem um Beruf, Sport, Selbstliebe und persönlicher Weiterentwicklung gehen. […] (00)
vor 23 Stunden
Signify – Die Immersion spielt eine zentrale Rolle
Statt in der Kneipe oder dem Stadion verfolgen Sportfans Live-Sportereignisse am liebsten zuhause. Das zeigt eine umfangreiche Befragung, die von Signify, dem Weltmarktführer für Beleuchtung, vor Kurzem in Auftrag gegeben wurde. Demnach bevorzugen satte 80 Prozent der Befragten das Sofa zuhause oder von Freund*innen gegenüber anderen Orten. In […] (00)
vor 3 Stunden
EA FC 26 verschenkt Pelé zur WM, aber du musst dich rechtzeitig einloggen
EA Sports FC 26 nutzt die internationale Fußballstimmung für eine große Ultimate-Team-Aktion. Passend zum „Festival of Football“ verschenkt EA eine besondere Pelé-ICON-Karte. Die brasilianische Fußballlegende kommt mit einer Gesamtwertung von 93 OVR ins Spiel und kann von Spielern kostenlos beansprucht werden. Der Zeitraum ist klar begrenzt. Wer Pelé […] (00)
vor 3 Stunden
Netflix startet koreanischen Psychothriller «Notes from the Last Row»
Die neue Serie erzählt von einem Literaturprofessor, der von dem Talent eines Studenten zunehmend besessen wird. Netflix veröffentlicht am 26. Juni die südkoreanische Dramaserie Notes from the Last Row. Hinter dem Projekt steht Regisseur Kim Gyu-tae, der bereits für Produktionen wie «The Trunk» und «Our Blues» verantwortlich war. Die Hauptrollen übernehmen Choi Min-sik und Choi Hyun-wook. Im […] (00)
vor 1 Stunde
Bundespräsident Steinmeier
Berlin (dpa) - Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kann sich nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios nun doch Olympische Spiele in Deutschland auch im Jahr 2036 vorstellen. Seine Bedenken seien zwar nicht verschwunden, heißt es unter Berufung auf das Bundespräsidialamt. Steinmeier sei mittlerweile aber fest davon überzeugt, dass alle Beteiligten […] (00)
vor 5 Minuten
kostenloses stock foto zu 50 €, anlagestrategie, banknoten
Die Diskussionen über einen möglichen Bärenmarkt sind zurück, nachdem Bitcoin in den letzten Wochen über $400 Milliarden an Marktkapitalisierung verloren hat. Der Kurs fiel von über $82.000 auf ein Tief von $59.000 am Freitag – der niedrigste Stand seit 19 Monaten. Obwohl sich der Kurs schnell wieder über die $60.000-Marke erholte, sind Analysten […] (00)
vor 1 Stunde
Latino-Domains: Der Countdown  läuft
Koeln, 06.06.2026 (PresseBox) - Die Einführung der Latino-Domains erreicht ihre entscheidende Phase. Nach einer mehrwöchigen Sunrise-Periode, in der Inhaber eingetragener Marken ihre Kennzeichen bevorzugt sichern konnten, öffnet sich die neue Domainendung am 12. Juni 2026 für die breite Öffentlichkeit. Damit beginnt ein neues Kapitel für Unternehmen, Organisationen und […] (00)
vor 21 Stunden
 
Satellitenaufnahme des Persischen Golfs
Tampa (dpa) - Das US-Militär hat nach eigenen Angaben im Bereich der Straße von Hormus zwei […] (00)
Flüchtlinge auf der Balkanroute (Archiv)
Brüssel - Nach Angaben der EU-Kommission ist die Zahl der irregulär eingereisten […] (01)
Dirk Wiese (Archiv)
Berlin - SPD-Parlamentsgeschäftsführer Dirk Wiese weist die Forderung der […] (00)
Michael von der Schulenburg (Archiv)
Brüssel - Nach dem Besuch von Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) und der Reise von […] (01)
Ein tiefgreifender Wandel für Curevac Die jüngsten Entwicklungen bei Curevac, einem […] (00)
USA - Deutschland
Chicago (dpa) - Die Frage nach seiner ziemlich lädierten Stimme nahm Julian […] (01)
Drei Prozent: «So klingt Deutschland»-Konserve verhallt völlig
Wirklich Schadensbegrenzung betreiben konnte eine wiederholte Musik-Reportage bei VOX nicht. […] (00)
Anthropic möchte weltweite Pause bei KI-Entwicklung: Könnten sonst Kontrolle verlieren
»Wir glauben, dass es gut für die Welt wäre, die Option zu haben, die Entwicklung […] (00)
 
 
Suchbegriff