Krieg zwischen Israel und Iran

Europäer wollen Verhandlungen mit Iran fortsetzen

20. Juni 2025, 21:01 Uhr · Quelle: dpa
Die Außenminister von Deutschland, Frankreich und Großbritannien ziehen ein positives Fazit ihres Treffens mit ihrem iranischen Kollegen. Doch was werden Trump und Netanjahu tun?

Genf (dpa) - Die Außenminister von Deutschland, Frankreich und Großbritannien halten nach gut vierstündigen Verhandlungen mit ihrem iranischen Kollegen Abbas Araghtschi weitere Gespräche mit Teheran über eine diplomatische Lösung des Atomkonflikts für sinnvoll. «Das gute Ergebnis heute ist, dass wir den Raum verlassen mit dem Eindruck, dass die iranische Seite grundsätzlich bereit ist, über alle wichtigen Fragen weiter zu sprechen», sagte der deutsche Außenminister Johann Wadephul nach dem Treffen in Genf. 

Der Iran will die Gespräche fortführen. «Wir unterstützen die Fortsetzung der Gespräche mit den drei europäischen Ländern und der Europäischen Union und sind bereit, in naher Zukunft ein weiteres Treffen abzuhalten», sagte Araghtschi laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna. Er betonte aber: «Solange die Angriffe Israels andauern, werden wir mit keiner Partei verhandeln.» 

Offen ist allerdings weiterhin, ob US-Präsident Donald Trump doch bald auf der Seite Israels aktiv in den Konflikt eingreift. Und auch, ob der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu überhaupt zu Verhandlungen mit dem Erzfeind Iran über ein Ende des Krieges bereit wäre. 

Eine Woche nach Kriegsbeginn hatten Wadephul, der französische Außenminister Jean-Noël Barrot und der britische Außenminister David Lammy erstmals versucht, mit Araghtschi Chancen für eine diplomatische Lösung des Atomkonflikts auszuloten. Parallel zu schweren gegenseitigen Angriffen von Israel und Iran versuchten die europäischen Chefdiplomaten in der Schweiz zu klären, ob der Iran zum Einlenken bei seinem Atomprogramm und zum Verzicht auf Atomwaffen bereit ist.

US-Präsident Trump hatte seine Sprecherin Karoline Leavitt am Vorabend erklären lassen, er wolle vor dem Hintergrund der anstehenden Verhandlungen innerhalb der nächsten zwei Wochen entscheiden, ob die USA als wichtigster Verbündeter Israels in den Krieg eingreifen werden.

Wadephul betont Bedeutung von USA für Verhandlungslösung

Wadephul sprach von sehr ernsthaften Gesprächen. «Die ganze Region ist in einer außerordentlich kritischen Situation, und es ist unser gemeinsames Bestreben, eine weitere Eskalation zu vermeiden und in Verhandlungen weiterzukommen.» Für die Europäer sei wichtig, dass sie an diesen Gesprächen beteiligt würden. «Aber vor allen Dingen ist von großer Bedeutung, dass die Vereinigten Staaten von Amerika an diesen Verhandlungen und einer Lösung beteiligt werden», fügte er hinzu.

«Existenzielle Bedrohung für Staat Israel muss beseitigt werden»

Die Europäer sähen das Nuklearprogramm des Iran mit großer Sorge, sagte Wadephul. Deutschland sei dabei den Sicherheitsinteressen des Staates Israel besonders verpflichtet. «Iran ist eine existenzielle Bedrohung für den Staat Israel, und diese existenzielle Bedrohung für den Staat Israel, die muss beseitigt werden», betonte Wadephul anschließend im ZDF-«heute journal». «Aus meiner Sicht in dieser gefährlichen Situation am schnellsten und am effektivsten auf dem Verhandlungswege.»

Lammy: Dies ist ein gefährlicher Moment

Lammy sagte, man strebe an, die Gespräche und Verhandlungen mit Teheran fortzusetzen. «Dies ist ein gefährlicher Moment», sagte er. Er ergänzte: «Es ist von enormer Bedeutung, dass wir keine regionale Eskalation dieses Konflikts erleben – sowohl wegen der Folgen, die das für uns alle hätte, als auch für die Menschen zu Hause, die sich in dieser Zeit Sorgen um die Lebenshaltungskosten machen.» 

Auch Barrot sagte, die Europäer erwarteten vom Iran Gesprächsbereitschaft auch mit den USA, um eine Verhandlungslösung durch Dialog in der aktuellen Krisensituation zu erreichen. Das Risiko für die Nahostregion, aber auch für Europa, durch den Krieg zwischen Israel und dem Iran sei beträchtlich.

An den Gesprächen hatte auch die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas teil. Die Europäer kamen zunächst unter sich in der Residenz des deutschen Abrüstungsbotschafters zusammen. 

Luftwaffe fliegt Deutsche direkt aus Israel aus

Die Luftwaffe flog unterdessen mehrere Dutzend deutsche Staatsbürger aus Israel aus. Zwei Propellermaschinen vom Typ Airbus A400M mit 64 Personen an Bord befänden sich aktuell auf dem Weg von Tel Aviv nach Deutschland, teilten das Verteidigungsministerium und das Auswärtige Amt am Abend mit. Wegen des Krieges ist der Luftraum in beiden Ländern eigentlich für den Luftverkehr gesperrt. Zuerst hatte der «Spiegel» darüber berichtet.

Es ist das erste Mal in dem aktuellen Konflikt, dass Deutsche von der Bundeswehr ausgeflogen werden - zuvor gab es zwei Charterflüge, die allerdings nicht in Israel, sondern in Jordanien abhoben. Für die Reise dorthin waren längere Bus- oder Autofahrten notwendig, die die Betroffenen selbst organisieren mussten. 

Irans Außenminister: Wer Israels Angriff rechtfertigt, ist Komplize

Araghtschi hatte die internationale Gemeinschaft vor dem Treffen mit den Europäern im UN-Menschenrechtsrat aufgerufen, die Angriffe Israels auf sein Land zu verurteilen. «Jede Rechtfertigung dieses ungerechten und verbrecherischen Krieges käme einer Komplizenschaft gleich», sagte er. Der Iraner warf Israel wegen dessen Vorgehens im Gazastreifen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor.

 

Gegenseitige schwere Angriffe gehen weiter

Israel und Iran attackierten sich ungeachtet der Gespräche in Genf gegenseitig weiter. In der israelischen Stadt Haifa wurden laut dem israelischen Rettungsdienst Magen David Adom bei einem Angriff mindestens 23 Menschen verletzt, drei von ihnen schwer. Iranische Medien meldeten auch einen israelischen Angriff auf die Hafenstadt Buschehr, in der sich das einzige AKW des Landes befindet.

Schweiz und Großbritannien schließen Botschaften in Teheran

Großbritannien und die Schweiz, die seit Jahrzehnten auch die diplomatischen Interessen der USA im Iran vertritt, schlossen ihre Botschaften in Teheran. Die Briten teilten mit, das Botschaftspersonal wegen der Sicherheitslage vorübergehend aus dem Iran abzuziehen. Das Schweizer Außenministerium erklärte, die Entscheidung sei «angesichts der Intensität der militärischen Operationen im Iran und der äußerst instabilen Lage» getroffen worden.

UNHCR bereitet Krisenpläne für Flüchtlinge aus Iran vor

Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) bereitet sich auf größere Flüchtlingsgruppen aus dem Iran vor. «Wir erstellen Krisenpläne», sagte UNHCR-Chef Filippo Grandi der Deutschen Presse-Agentur. Es gebe bereits unbestätigte Berichte über ankommende Flüchtlinge aus dem Iran in Armenien, Aserbaidschan und Turkmenistan, sagte Grandi.

Seit Kriegsbeginn sind nach offiziellen Angaben in Israel 24 Menschen durch die iranischen Angriffe getötet sowie mehr als 800 verletzt worden. Im Iran kamen laut des in den USA ansässigen Menschenrechtsnetzwerks HRANA bislang mehr als 650 Menschen ums Leben; mehr als 2.000 seien verletzt worden. Die Aktivisten stützen sich auf Informanten und öffentlich zugängliche Quellen. Die Regierung selbst veröffentlicht keine Zahlen zu Verletzten und Todesopfern.

Krieg / Konflikte / Iran / Israel / Großbritannien / Frankreich / Deutschland / USA / Gesamtzusammenfassung
20.06.2025 · 21:01 Uhr
[0 Kommentare]
Jogger (Archiv)
Wiesbaden - In den privaten Haushalten in Deutschland hat es im Jahr 2023 rund 12,9 Millionen Fitnessgeräte gegeben. Diese verteilten sich auf 10,5 Millionen Haushalte, teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) am Dienstag mit. Damit besaß gut jeder vierte Haushalt (25,6 Prozent) in Deutschland mindestens einen Heimtrainer. Fünf Jahre zuvor lag der Anteil bei 23,3 Prozent. Das Einkommen spielt […] (00)
vor 15 Minuten
Big Bang Theory trifft Realität: Fusionsreaktoren als Teilchenquelle
In der Sitcom „The Big Bang Theory“ scheitern zwei Physiker daran, in einem Fusionsreaktor exotische Teilchen zu erzeugen – ein Running Gag, der wissenschaftlich lange als unrealistisch galt. Genau dieses fiktionale Problem hat nun reale Physik inspiriert. Ein Forschungsteam um Jure Zupan von der University of Cincinnati hat einen theoretischen Ansatz entwickelt, der zeigt, unter welchen […] (00)
vor 15 Stunden
Withings Body Scan 2 – Ein neuer Standard für die Gesundheitsvorsorge zu Hause
Mit der Erfindung der weltweit ersten vernetzten Waage im Jahr 2009 etablierte sich Withings als Pionier im Bereich Connected Health. Jetzt setzt das Unternehmen einen neuen Meilenstein in der präventiven Gesundheitsvorsorge: mit  Body Scan 2, der fortschrittlichsten Longevity-Station für zu Hause. In Zusammenarbeit mit führenden Forschungszentren für Herz- und Stoffwechselerkrankungen entwickelt […] (00)
vor 9 Minuten
Bandai Namco veröffentlicht Walkthrough-Trailer zu CODE VEIN II
Bandai Namco Entertainment Europe veröffentlicht heute einen neuen Trailer zu CODE VEIN II, der Einblicke in ein weitläufiges Spielgebiet sowie das Fähigkeiten- und Partnersystem bietet. Außerdem wird die Demo zum CODE VEIN II Character Creator ab dem 23. 2026 Januar verfügbar sein, bevor das Spiel am 30. Januar 2026 für PlayStation 5, Xbox Series X|S und PC (via Steam) erscheint. Das Video […] (00)
vor 10 Stunden
Netflix kündigt «Stranger Things»-Dokumentation zum Serienfinale an
Der Streamingdienst veröffentlicht im Januar eine neue Dokumentation, die einen exklusiven Blick hinter die Kulissen der finalen Staffel von «Stranger Things» wirft. Netflix hat den Starttermin für die bislang unangekündigte Dokumentation One Last Adventure: The Making of Stranger Things 5 festgelegt. Der Film erscheint am 12. Januar und begleitet die Entstehung der fünften und letzten Staffel der Erfolgsserie «Stranger Things». Regie führte […] (00)
vor 1 Stunde
Lennart Karl
München (dpa) - In der Debatte um seinen locker ausgesprochenen Traum von Real Madrid hat Bayern-Jungstar Lennart Karl Rückendeckung der deutschen Fußball-Legenden erhalten. «Ich finde es gut, wenn jemand auch schon mit 17 Selbstvertrauen hat. Sich die Ziele zu setzen, hat auch gar nichts mit Überheblichkeit zu tun. Ich finde es ehrlich, aber nicht überheblich und nicht arrogant», sagte Lothar Matthäus in seiner Sky-Kolumne. Dabei gehe es auch […] (00)
vor 37 Minuten
Delcy Rodríguez zur Interimspräsidentin Venezuelas ernannt
Reaktion auf Machtvakuum nach Maduros Festnahme Mit der Ernennung reagiert das oberste Gericht auf das entstandene Machtvakuum nach der Festsetzung Maduros und seiner Ehefrau durch US-Behörden. Ziel sei es, die Handlungsfähigkeit des Staates aufrechtzuerhalten und die verfassungsmäßige Ordnung zu sichern, hieß es aus Justizkreisen. Rodríguez forderte unmittelbar nach ihrer Ernennung die sofortige […] (00)
vor 24 Minuten
Immobilien-Investmentmarkt Köln 2025:  Stabilisierung und allmähliches Erwachen des Marktes
Köln, 06.01.2026 (lifePR) - Greif & Contzen Immobilien veröffentlicht einen ersten Jahresrückblick 2025 auf den Kölner Investmentmarkt. Das Investmentumfeld hat sich insgesamt stabilisiert und das Transaktionsvolumen stieg leicht über das Ergebnis des Vorjahres. Angebot und Nachfrage sind aber im Vergleich zu 2024 vielfältiger geworden. Nach einer ersten Auswertung wurden im Laufe des Jahres 2025 […] (00)
vor 2 Stunden
 
Nach dem US-Angriff auf Venezuela - Caracas
Caracas/Washington (dpa) - Nach der Gefangennahme des venezolanischen Staatschefs Nicolás […] (01)
Im New Yorker Gerichtssaal nahm der venezolanische Staatschef Nicolás Maduro mit fester Miene […] (00)
In einem dramatischen Schritt haben die Streitkräfte der Vereinigten Staaten von Amerika […] (00)
Der Alleingang der USA unter Donald Trump gegenüber Venezuela hat international nicht nur für […] (00)
Azteken-Epos und Politthriller: HISTOIRE TV im Januar
Eine aufwendig produzierte Serie über Aufstieg und Fall der Azteken trifft auf eine investigative […] (00)
Tennis: United Cup
Sydney (dpa) - Alexander Zverev und Co. droht beim United Cup das frühe Aus. Nach dem klaren 0: […] (02)
Sonderzölle vor Gericht: Puma fordert Rückzahlung
Klage gegen US-Regierung und Zollbehörde Ein US-Tochterunternehmen von Puma hat vor dem […] (00)
Tethering mit persönlichem Hotspot auf einem iPhone
Berlin (dpa/tmn) - Wenn der Internetanschluss daheim ausfällt, kann das Smartphone in die […] (00)
 
 
Suchbegriff