Erleichterung an der Börse: Gerresheimer klärt Finanzierungsfragen
Der Düsseldorfer Verpackungsspezialist Gerresheimer hat am Wochenende das Ergebnis einer Untersuchung bekannt gegeben, die von einer beauftragten Kanzlei aufgrund von Vorwürfen der Verfehlungen bei Rechnungslegungsvorschriften durchgeführt wurde. Diese Ermittlungen resultierten aus einer Prüfung der Finanzaufsicht Bafin, die im September verdächtige Buchungen im Konzernabschluss 2024 ins Visier genommen hatte. Die Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse sorgte am Montag an der Börse für eine kleine Erleichterung unter den Aktionären.
Trotz mehrfacher Anpassungen der Geschäftsziele verzeichnete die ohnehin gebeutelte Gerresheimer-Aktie im frühen Montagshandel einen Anstieg von gut einem Prozent auf 29,38 Euro. Diese Entwicklung setzt die zuletzt beobachtete Bodenbildung fort, die bei einem Kursniveau von rund 26 Euro begann. Trotz dieses Lichtblicks bleibt 2025 weiterhin ein Kursverlust von fast 60 Prozent zu verzeichnen.
Die Untersuchung enthüllte, dass ein Umsatz in Höhe von drei Millionen Euro vermutlich nicht im Geschäftsjahr 2024 hätte gebucht werden dürfen. Zuvor war Gerresheimer der Meinung gewesen, die Bilanzierung sei vorschriftsgemäß erfolgt. Der Umsatz des Unternehmens belief sich im Jahr 2024 dennoch auf mehr als zwei Milliarden Euro.
Bei den in Rede stehenden Transaktionen handelt es sich um 'Bill-and-Hold'-Vereinbarungen, bei denen Waren bereits fakturiert werden, obwohl der Käufer sie erst später übernehmen möchte. Solche Vereinbarungen sind nicht unüblich, doch müssen strenge Kriterien erfüllt werden, um sie als Umsatz buchen zu dürfen. Die Bafin äußerte den Verdacht, dass der Umsatz durch vorzeitige Buchung aufgebläht wurde, da in einigen Fällen die Verfügungsgewalt noch nicht auf den Kunden übergegangen sein könnte.
Gerresheimer gab nun bekannt, für das Geschäftsjahr 2024 'Bill-and-Hold'-Vereinbarungen im Umfang von insgesamt 28 Millionen Euro zu verzeichnen. Die externe Kanzlei, die bereits den Drei-Millionen-Vertrag untersucht hat, wird nun die Buchungen der restlichen 25 Millionen Euro prüfen. Das Unternehmen hat seine volle Kooperation mit der Bafin zugesagt, um eine lückenlose und transparente Aufklärung zu gewährleisten.
Gerresheimer hat sich von seinen Ursprüngen als Bierflaschen-Hersteller zum Spezialisten für medizinische Verpackungen entwickelt. Mit großen Werken in Bünde und Pfreimd und insgesamt 13.600 Mitarbeitenden produziert das Unternehmen Verpackungen für eine Vielzahl von Arzneimitteln und Kosmetika. Der Verwaltungssitz befindet sich am Düsseldorfer Flughafen.

