Eine Million Euro für Hinweise: Ein Krimi auf Berlins Straßen
Der Verdacht auf Terrorismus hat in den Straßen von Berlin und Brandenburg Alarm ausgelöst. Das Bundeskriminalamt bietet eine außergewöhnlich hohe Belohnung von einer Million Euro für Hinweise, die zur Aufklärung eines mutmaßlich linksextremen Brandanschlags führen könnten. Diese Tat hatte vor einem Monat in Berlin zu einem weitreichenden Stromausfall geführt. Ob bereits heiße Spuren eingegangen sind, bleibt im Dunkeln, denn die Bundesanwaltschaft schweigt zu laufenden Ermittlungen.
Seit Tagen leuchten auf elektronischen Tafeln in Berlin und Brandenburg die Fahndungsaufrufe in Rot – doch sie sind befristet bis zum 24. Februar, ein Termin, der laut Innenministerium aus taktischen Polizeigründen gewählt wurde. Der Anschlag hatte über 100.000 Menschen mitten im Winter im Dunkeln gelassen, als am 3. Januar Hochspannungskabel in Brand gesetzt wurden.
Der Zufall wollte es, dass dieser Anschlag keineswegs ein Einzelfall war. Der Berliner Innen-Staatssekretär Christian Hochgrebe bestätigte, dass die sogenannten Vulkangruppen seit 2011 in mindestens 18 Fällen zuschlugen, darunter Anschläge auf das S-Bahnnetz und Stromleitungen der Hauptstadt. Eine weitere Kampagne namens "Switch off" dokumentiert über 50 weitere Vorfälle von Farbattacken bis zu schweren Brandstiftungen. Der Verfassungsschutz sieht Berlin als Dreh- und Angelpunkt linksextremistischer Aktivitäten, doch auch in anderen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen und Bayern kam es zu ähnlichen Attacken.
Trotz markiger Worte von Politikern wie Berlins Innensenatorin Iris Spranger und dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner, die schnelle Erfolge versprachen, bleiben die Täter im Verborgenen. Verfassungsschutz-Chef Michael Fischer spricht von hochprofessionellen Gruppen, die sich konspirativ verhalten. Der Einsatz von Feuer anstelle von Sprengstoff erschwert zusätzlich die Ermittlungen, da nur selten Spuren erhalten bleiben, wie Fischer unterstreicht. Dennoch konnten im aktuellen Fall Fußspuren im Schnee gefunden werden, deren Bedeutung jedoch zweifelhaft ist.
Ungewöhnlich für die Behörden ist der Mangel an Informanten innerhalb der linksextremen Szene, ein Problem, das bei anderen extremistischen Ideologien weniger ausgeprägt ist. Es gibt kaum Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden, was die Auflösung der Strukturen behindert. Trotz ausführlicher Bekennerschreiben bleibt unklar, ob sie zur Klärung des jüngsten Anschlags beitragen. Die Bedrohung durch diese Geheimniskrämer bleibt, so Hochgrebe. Die öko-anarchistische Ideologie gewinnt an Relevanz, und ein Teil der linksextremen Szene radikalisiert sich weiter. Bekennerschreiben fungieren oft zugleich als Handlungsaufruf, und die Sicherheitsexperten erwarten keine Umkehr dieser Entwicklung in naher Zukunft.

