Vulkangruppen: Berliner Sicherheitsbehörden rätseln weiter

Nach einem Brandanschlag auf die Stromversorgung in Teilen Berlins rücken erneut die sogenannten "Vulkangruppen" ins Visier der Ermittler. Diese Gruppen, die aus dem anarchistischen Spektrum der linksextremistischen Szene stammen, sind laut Verfassungsschutz seit 2011 für zahlreiche Angriffe auf die öffentliche Infrastruktur in Berlin und Brandenburg verantwortlich. Ihre Taten führten mehrfach zu Strom- und Telekommunikationsausfällen sowie zu Störungen im öffentlichen Nahverkehr. Trotz der schwerwiegenden Schäden wissen die Behörden nur wenig über die Täter.
Die Verfassungsschutzberichte deuten zwar auf eine feste Struktur hin, doch gibt es kaum konkretes Wissen über die Mitgliederzahl in Berlin. Charakteristisch sind die Bekennerschreiben, die oft mit wechselnden Namen isländischer Vulkane wie Grimsvötn, Katla oder Ok unterzeichnet werden – eine Anspielung auf die erdrutschartigen Folgen des Vulkanausbruchs Eyjafjallajökull im Jahr 2010. Im Visier stehen besonders Ziele wie Kabelschächte, Funkmasten und Firmenfahrzeuge, mit der Absicht, die Verwundbarkeit der Infrastruktur aufzuzeigen.
Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen stellt fest, dass das Zentrum dieser Aktivitäten in Berlin zu liegen scheint, während die Wirkung weit über die Stadtgrenzen hinaus reiche. Bislang sind den Sicherheitsbehörden seit 2011 elf Tatkomplexe bekannt geworden, darunter der markante Angriff 2011 am Berliner Ostkreuz und der umfangreiche Stromausfall in Charlottenburg 2018. Besondere Aufmerksamkeit erregte ein Verdacht aus dem Jahr 2021 auf einen Anschlag nahe der Tesla-Baustelle. Der Autokonzern musste 2024 erneut Einschränkungen hinnehmen, als ein Strommast in Brand gesetzt wurde. Die Bundesanwaltschaft ermittelt inzwischen wegen des Verdachts auf Terrorismus. Zu den jüngeren Vorfällen zählt ein Brandanschlag im Berliner Villenviertel Dahlem im Mai 2025. Ob auch weitere Sabotagen des Jahres auf das Konto der "Vulkangruppen" gehen, bleibt unklar. Doch der politische Subtext der Bekennerschreiben zeigt unübersehbare Ähnlichkeiten.

