Ein Hoffnungsschimmer für den Einzelhandel: Konsumlaune stabilisiert sich langsam
Der Einzelhandel in Deutschland durchlebt eine Phase des Wandels, während die anhaltend zurückhaltende Kauflaune der Verbraucher den Sektor weiterhin herausfordert. Eine aktuelle Umfrage des Handelsverbandes Deutschland (HDE) unterstreicht, dass trotz eines leichten Umsatzwachstums die Zurückhaltung bei größeren Anschaffungen ungebrochen ist. HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth erläutert, dass die unsichere weltpolitische Lage 2025 als ein schwieriges Jahr für die Branche geprägt hat.
Interessanterweise verlief das Jahr 2025 besser als erwartet. Das Statistische Bundesamt meldet einen preisbereinigten Umsatzzuwachs von 2,7 Prozent, während der HDE lediglich ein Wachstum von 1,5 Prozent errechnete. Unterschiedliche Rechenansätze und die Einbeziehung von Internetgiganten wie Amazon tragen zu dieser Diskrepanz bei.
Besonders der Onlinehandel entpuppt sich als zentraler Wachstumstreiber. HDE-Präsident Alexander von Preen hat einen beeindruckenden Anstieg von 3 Prozent im Onlinebereich registriert, doch ein Drittel dieses Wachstums entfiel auf asiatische Plattformen wie Shein und Temu. Von Preen fordert rigorosere Regulierungen gegen diese Plattformen, die wegen niedriger Produktqualität wiederholt kritisiert werden.
Während die digitale Transformation zu neuen Einkaufsgewohnheiten und Möglichkeiten wie dem Einsatz von KI-gestützten Agenten führt, kämpft der stationäre Handel mit einem schwindenden Filialnetz. Gewisse Fachhändler wie Kodi mussten zahlreiche Schließungen hinnehmen, während andere wie Action und Decathlon expandieren. Der Wandel des Handels spiegelt sich auch in der veränderten Umsatzstruktur wider, wo klassische Produktverkäufe an Bedeutung verlieren und Dienstleistungen wie Reparaturen und Events wichtiger werden.
Die Inflationsängste scheinen abzunehmen, was sich positiv auf die Konsumlaune zu Jahresbeginn auswirkte, so Rolf Bürkl vom Nürnberger Institut für Marktentscheidungen. Doch die Händler bleiben vorsichtig: Laut HDE-Prognose soll der Umsatz, preisbereinigt um die Inflation, 2026 lediglich um 0,5 Prozent wachsen.

