Dringende Appelle: Humanitäre Krisen im Schatten des Weltwirtschaftsforums
Das Weltwirtschaftsforum in Davos sieht sich mit Kritik konfrontiert, da es nach Ansicht der Hilfsorganisation International Rescue Committee (IRC) die Aufmerksamkeit für humanitäre Krisen vernachlässigt hat. In einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur bemängelte David Miliband, Präsident des IRC und ehemaliger britischer Außenminister, dass die großen globalen Herausforderungen in der diesjährigen Diskussion stark unterrepräsentiert gewesen seien. Die Teilnehmer der Konferenz, so Miliband, fokussierten sich vorwiegend auf ihre eigenen Angelegenheiten.
Für Aufsehen während der Veranstaltung sorgten insbesondere die Aussagen von US-Präsident Donald Trump sowie der Konflikt um Grönland und die Präsentation des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Miliband hob jedoch hervor, dass bedeutende humanitäre Krisen wie die Lage im Sudan kaum Beachtung fanden, obwohl sie Millionen von Menschen betreffen und tiefgreifende regionale Konsequenzen nach sich ziehen.
Zudem kritisierte er die Vernachlässigung der Klimakrise, welche untrennbar mit globalen Konflikten verbunden sei und dauerhaft auf der Agenda stehen müsse. In seiner Analyse wies Miliband auch darauf hin, dass sich die USA und andere Nationen zunehmend aus ihrer internationalen Verantwortung zurückzögen. Dies führe zu einem 'Flickenteppich-Multilateralismus', der das Risiko berge, globale Probleme unzureichend anzugehen.
Das Weltwirtschaftsforum erfülle seine Rolle, diese zentralen Fragen zu thematisieren, aktuell nur in begrenztem Maße. Die IRC veröffentlicht jedes Jahr eine 'Watchlist', die auf humanitäre Brennpunkte hinweist. Für das Jahr 2026 steht der Sudan erneut an oberster Stelle, gefolgt von den Palästinensischen Autonomiegebieten und dem Südsudan.
Dennoch äußerte Miliband leise Hoffnung für den Gazastreifen, da die Zahl der Lastwagen mit humanitären Hilfsgütern ansteige, obwohl die versprochenen 600 Lieferungen pro Tag noch nicht erreicht seien. Er hob hervor, dass trotz bestehender Unterernährung im Gazastreifen keine akute Hungersnot mehr herrsche.

