Diese 7 Open World Spiele retten nicht die Welt – und das ist ihr größtes Plus
Wir kennen es alle zur Genüge: Das Schicksal des Universums lastet schwer auf unseren virtuellen Schultern. Egal ob Drachenblut, auserwählter Super-Soldat oder prophezeiter Retter der Menschheit – meist geht es in Videospielen ums ganz große Ganze. Doch was, wenn die Apokalypse mal Pause macht? Wenn es nicht darum geht, einen kosmischen Bösewicht zu stürzen, sondern einfach nur darum, in einer chaotischen Welt nicht den Verstand zu verlieren? Einige der besten Open-World-Titel pfeifen auf epischen Bombast und erzählen stattdessen Geschichten, die unter die Haut gehen, weil sie intim, schmerzhaft und menschlich sind. Hier sind sieben Spiele, die beweisen, dass weniger oft mehr ist.
Wenn die Apokalypse nur Nebensache ist
Days Gone ist das Paradebeispiel für diesen Ansatz. Hier geht es nicht darum, ein Heilmittel für die Freaker-Seuche zu finden oder die Zivilisation neu aufzubauen. Deacon St. John ist kein strahlender Held, sondern ein gebrochener Biker, der durch eine Welt streift, die ihn längst aufgegeben hat. Sein Antrieb ist kein altruistischer Weltenretter-Komplex, sondern die quälende Ungewissheit über das Schicksal seiner Frau Sarah. Dieses ständige Murmeln in den Bart, die ungelenken Interaktionen mit seinem Kumpel Boozer – all das wirkt so herrlich unperfekt und authentisch, dass man fast vergisst, dass man gerade Horden von Zombies niedermäht. Es ist die Geschichte eines Mannes, der nicht die Welt retten will, sondern nur seinen eigenen Frieden finden muss.
Rache als einsamer Weg
Ganz ähnlich, wenn auch in einem völlig anderen Setting, funktioniert Ghost of Yotei. Während der Vorgänger noch den heroischen Widerstand gegen eine mongolische Invasion zelebrierte, schaltet dieser Teil einen Gang zurück. Atsu ist keine Generälin, die Armeen befehligt. Sie ist eine einsame Wölfin, getrieben von einem Rachedurst, der sie innerlich zu verzehren droht. Ihre Reise ist kein Feldzug für das „große Gute“, sondern eine persönliche Vendetta, bei der jeder Schwertstreich schwer wiegt. Die Stille der verschneiten Landschaften spiegelt ihre innere Isolation wider – hier kämpft niemand für Ruhm, sondern nur gegen die eigenen Dämonen.
Identitätssuche im Wüstensand
Auch Assassin’s Creed Mirage wagt den Schritt zurück zur Intimität. Nach den gigantischen, fast schon erdrückenden Welten von Valhalla und Odyssey fühlt sich Basims Geschichte in Bagdad fast schon kammerspielartig an. Es geht nicht um Götter, Mythen oder das Ende der Zeit. Es ist die Coming-of-Age-Story eines Straßendiebs, der von Albträumen geplagt wird und verzweifelt nach Antworten sucht. Die kompakte Welt und der Fokus auf persönliche Konflikte statt globaler Verschwörungen geben der Reihe endlich wieder das Gefühl von Bodenhaftung, das sie so lange vermissen ließ.
Moralische Zerrissenheit im Wilden Westen
Trotz seines kolossalen Umfangs verbirgt Red Dead Redemption 2 im Kern eine tief berührende Charakterstudie. Arthur Morgan ist hin- und hergerissen zwischen der Loyalität zu seiner zerbröckelnden Ersatzfamilie, der Van-der-Linde-Gang, und seinem eigenen moralischen Kompass. Rockstar gelingt hier das Kunststück, epische Panoramen mit einer extrem geerdeten Erzählung zu verweben. Arthurs Seelenpein, seine Suche nach Erlösung für vergangene Sünden und die Erkenntnis, dass seine Zeit abläuft, wiegen schwerer als jede Schießerei. Es ist der vergebliche Kampf eines Mannes gegen seine eigene Natur, während die Welt um ihn herum ihn gnadenlos aussortiert.
Ein Zuhause in der Hölle
Wer STALKER 2: Heart of Chornobyl spielt, merkt schnell: Die wahre Geschichte liegt nicht im Schicksal der Zone, sondern in Skifs banalem Wunsch nach Normalität. Nach einem bizarren Unfall verliert er seine Wohnung und damit seinen Anker im Leben – die Zone wird zum Mittel zum Zweck, um sein Zuhause zurückzuerobern. Inmitten von Anomalien und Mutanten wirkt Skifs Motivation fast schon rührend simpel. Er ist kein Superheld, sondern ein Getriebener, der lernen muss, wem er vertrauen kann. Diese Gleichgültigkeit gegenüber den großen Mächten der Zone macht seine Reise so greifbar: Er will nicht herrschen, er will nur überleben und ankommen.
Der freundliche Held aus der Nachbarschaft
Während Peter Parker oft gegen Alien-Invasionen kämpft, bleibt Marvel’s Spider-Man: Miles Morales herrlich lokal. Harlem zur Weihnachtszeit bietet den perfekten Rahmen für eine Coming-of-Age-Story, die den Fokus auf Familie, Freundschaft und die Hürden des Erwachsenwerdens legt. Miles muss nicht die Galaxis retten, sondern seine Community vor einem Bösewicht beschützen, zu dem er eine persönliche Verbindung hat. Diese Reduktion des Einsatzes erlaubt es dem Spiel, Miles‘ emotionale Entwicklung und seine Zerrissenheit zwischen Superhelden-Pflicht und Teenager-Alltag viel glaubwürdiger zu zeichnen als in den Hauptteilen.
Gangsterdrama in der Seele
Mafia: The Old Country führt uns zurück zu den Wurzeln des Genres und erzählt eine geerdete Geschichte über Loyalität und Verrat in Sizilien. Enzo Favara ist kein Weltenlenker, sondern ein Rädchen im Getriebe der Torrisi-Familie. Doch statt reiner Machtfantasien rückt das Spiel eine verbotene Liebe in den Fokus. Enzos Gefühle für Isabella stehen im krassen Widerspruch zum strengen Kodex der Omertà. Diese Spannung zwischen Pflichtgefühl und Herzenswunsch verleiht der Gewalt eine tragische Note. Man spürt mit jeder Entscheidung, dass dieses Pulverfass aus Tradition und Emotion nicht ohne Opfer explodieren wird.


