Die Deutsche Autoindustrie im Umbruch: Herausforderungen und Chancen
Die deutsche Autoindustrie, ein Eckpfeiler der nationalen Wirtschaft, beschäftigt rund 770.000 Menschen und trägt maßgeblich zu den Exporten bei – 2023 entfielen 17 Prozent der Exporte auf Autos und Teile. Doch die Branche steht vor tiefgreifenden Herausforderungen. Erstmals seit drei Jahrzehnten könnten betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen bei Volkswagen anstehen. Experten befürchten, dass dies nur der Anfang sein könnte.
Die Hersteller befinden sich in einer schwierigen Lage. Schwache Absatzzahlen und hohe Kosten für den Wandel zur Elektromobilität drücken die Gewinne. Volkswagen meldete einen Rückgang des Überschusses um 14 Prozent im ersten Halbjahr, BMW verzeichnete ein Minus von fast 15 Prozent und bei Mercedes-Benz waren es fast 16 Prozent. Alle drei Unternehmen mussten ihre Gewinnziele für das Gesamtjahr nach unten korrigieren.
Auch die Werke sind betroffen. Die Auslastung der Produktionsstätten von Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz liegt im Schnitt nur bei etwas mehr als zwei Dritteln, sagt der Datenspezialist Marklines. Die Branche produziert mit hohem Personalaufwand deutlich weniger Fahrzeuge als in früheren Jahren. Dies wirkt sich negativ auf die Produktivität aus, da die Zahl der Beschäftigten nicht im gleichen Maße gesunken ist wie die Produktionsmengen.
Zudem sieht es bei den Automobilzulieferern nicht besser aus. Diese sind stark von der Auftragslage der Hersteller abhängig, und viele planen Stellenstreichungen. ZF plant bis Ende 2028 den Abbau von 11.000 bis 14.000 Stellen, während Continental erwägt, sein Autozuliefergeschäft komplett auszugliedern und an die Börse zu bringen.
Obwohl die Material- und Lieferengpässe weitestgehend behoben sind, hat die Nachfrage nach Neuwagen nachgelassen. Neue Wettbewerber wie Tesla und chinesische Hersteller gewinnen Marktanteile, was die deutschen Autobauer zusätzlich unter Druck setzt.
Die Schwächen des Standorts Deutschland treten in der aktuellen Krise deutlich zutage. Vier Jahre nach der Pandemie liegt die deutsche Industrieproduktion immer noch zehn Prozent unter dem Vor-Corona-Niveau. Das Geschäftsmodell der kostengünstigen Energie und offenen Exportmärkte ist nicht länger tragfähig.
Der Export bleibt ein wesentlicher Pfeiler, doch die Gewichtungen auf dem Weltmarkt verschieben sich. Während die traditionellen Märkte in Europa und Nordamerika schrumpfen, wächst die Nachfrage in China und Indien – zunehmend bedient von lokalen Herstellern.
Doch es gibt auch Hoffnung: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) betont, dass deutsche Automobilhersteller weiterhin das Potenzial haben, sich im globalen Wettbewerb zu behaupten. Eine Neuausrichtung und verstärkte Innovationskraft sind notwendig, um den Umstieg auf Elektromobilität und autonomes Fahren erfolgreich zu gestalten.

