Winterliche Gasknappheit sorgt für Diskussionen über strategische Reserven
Deutschland erlebt einen ungewöhnlich strengen Winter, der die Füllstände der Gasspeicher auf ein historisches Tief sinken lässt. Trotz der beunruhigend geringen Speicherfüllstände versichern die Bundesnetzagentur und das Bundeswirtschaftsministerium derzeit, dass die Gasversorgung gesichert sei. Dabei betonen Experten wie Timm Kehler vom Verband Gas- und Wasserstoffwirtschaft und Sebastian Heinermann von der Initiative Energien Speichern die unterdurchschnittlichen Füllstände als potenzielle Schwachstelle in der Versorgungssicherheit.
Während die moderate Witterung im Dezember zunächst für eine Entspannung sorgte, fordert der kältere Januar einen hohen Gasverbrauch, der die Bedenken erneut befeuert. Kritik aus der Branche, etwa von einem Sprecher des Energieunternehmens Uniper, richtet sich gegen fehlende Anreize zur Befüllung der Speicher, was bei einem langen, kalten Winter zu Engpässen führen könnte.
Stefan Dohler von EWE warnt, die Lage sei ähnlich kritisch wie Anfang 2022. Besonders alarmierend ist für ihn das Szenario, in dem die Füllstände bis Ende März bei nur noch 5 Prozent liegen könnten.
Die Rolle der LNG-Terminals an Nord- und Ostsee tritt zunehmend in den Fokus, da sie mittelfristig rund 16 Prozent des Bedarfs in den kalten Monaten decken und als strategisch wichtig gelten. Eine Sprecherin von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche betont deren Flexibilität und die damit einhergehende sinkende Bedeutung der Gasspeicher.
Trotz der Herausforderungen hält Trading Hub Europe vorerst ein Eingreifen für nicht erforderlich. Doch Stimmen wie die von Dohler fordern dringend die Diskussion über eine nationale strategische Gasreserve, um auf zukünftige Engpässe besser vorbereitet zu sein.
Österreich dient hier als mögliches Vorbild, wo bereits eine solche Reserve besteht. Uniper stellt unterdessen Anträge für die Stilllegung von Speichern in Bayern, da der wirtschaftlich tragfähige Betrieb unter den aktuellen Marktbedingungen langfristig nicht gewährleistet sei. Die Bundesnetzagentur prüft diese Anträge und sieht mögliche Folgen auf die Versorgungssicherheit dabei als ausschlaggebend an.

