Deutschlands Wirtschaft unzureichend auf Kriegsfall vorbereitet: Industrie sieht Handlungsbedarf
Die jüngsten Ergebnisse einer Umfrage des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft offenbaren deutliche Schwächen in der Vorbereitung deutscher Unternehmen auf einen potentiellen Kriegsfall. Aus der Befragung von über 1000 Firmen geht hervor, dass lediglich etwa ein Fünftel über Schutzmaßnahmen gegen Ausfälle in der Infrastruktur verfügt. Ein noch düsteres Bild zeigt sich bei der Vorbereitung auf Personalausfälle, wie sie durch die Einziehung von Reservisten entstehen könnten – hier ist gerade einmal jede zwanzigste Firma gewappnet. Zudem besteht bei vielen Unternehmen eine besorgniserregende Vulnerabilität gegenüber Engpässen in den Lieferketten.
Entspannend wirkt lediglich die Tatsache, dass rund 86 Prozent der Unternehmen wirksame Schutzmaßnahmen gegen Cybergefahren installiert haben. Doch eine resiliente Wirtschaftsstruktur sei laut der Analyse unter Leitung von IW-Geschäftsführer Hubertus Bardt unerlässlich für den gesellschaftlichen Rückhalt, für die Ausrüstung der Streitkräfte und letztlich den militärischen Erfolg. Die Studie mit dem Titel 'Die Rolle der Privatwirtschaft in der Gesamtverteidigung Deutschlands' betont die Notwendigkeit umfassender Notfall- und Krisenpläne sowie einer verbesserten Kommunikation zwischen Militär, Wirtschaft und Hilfsorganisationen.
Seit dem Ende des Kalten Krieges hat sich die Bedrohungslage für Deutschland signifikant gewandelt. Ein Krieg in Europa ist – nicht zuletzt durch die russische Invasion in die Ukraine vor vier Jahren – weitaus wahrscheinlicher geworden.

