Deutschlands Wirtschaft im Kriegsfall: Unternehmen unter Druck
Eine jüngste Erhebung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) wirft ein besorgniserregendes Licht auf die Vorkehrungen der deutschen Unternehmen für den Fall eines kriegsbedingten Ausnahmezustands. Nur etwa 20 Prozent der über 1000 befragten Betriebe haben Maßnahmen ergriffen, um bei einem Ausfall der Infrastruktur zu bestehen. Noch gravierender: Lediglich fünf Prozent der Unternehmen wären auf Personalausfälle, verursacht durch etwaige Einberufungen von Reservisten, vorbereitet. Ein derartiges Defizit an Prävention erstreckt sich auch auf potenzielle Störungen der Lieferketten.
Erfreulich hingegen zeigt sich das Bild im Bereich Cybersicherheit: Hier haben knapp 86 Prozent der Unternehmen bereits entsprechende Schutzvorkehrungen getroffen. IW-Geschäftsführer Hubertus Bardt und sein Team betonen, dass eine widerstandsfähige Wirtschaft im Ernstfall nicht nur für den militärischen Erfolg und den gesellschaftlichen Zusammenhalt unerlässlich sei, sondern auch erheblich die Verteidigungsfähigkeit stärke. Eine solide Krisenplanung, begleitet von einer intensiveren Zusammenarbeit zwischen Militär, Wirtschaft und Hilfsorganisationen, wird als unverzichtbar hervorgehoben.
Seit dem Ende des Kalten Krieges schien die Bedrohung durch einen Krieg in Europa in weite Ferne gerückt. Diese Annahme hat jedoch spätestens mit dem russischen Angriff auf die Ukraine und den veränderten globalen Machtverhältnissen an Substanz verloren. Die Wahrscheinlichkeit eines kriegerischen Konflikts ist heute höher als in den vergangenen Jahrzehnten.

