Dänischer Mohammed-Karikaturist Kurt Westergaard gestorben

19. Juli 2021, 14:56 Uhr · Quelle: dpa

Kopenhagen (dpa) - Der Prophet Mohammed, dargestellt mit einer Bombe als Turban: Mit dieser umstrittenen und außenpolitisch folgenschweren Zeichnung ist der dänische Karikaturist Kurt Westergaard weltberühmt geworden.

Nun ist er übereinstimmenden dänischen Medienberichten zufolge nach längerer Krankheit im Alter von 86 Jahren gestorben.

Wie bereits Westergaards Karikatur aus dem Jahr 2005 löste auch sein Tod, den die Zeitung «Berlingske» am Sonntagabend unter Berufung auf seine Familie zuerst gemeldet hatte, internationale Reaktionen aus.

Würdigung in internationalen Meden

«Kurt Westergaards Kampf für die Meinungsfreiheit darf nicht mit ihm sterben», schrieb die Zeitung «Jyllands-Posten», die die Zeichnungen damals veröffentlicht hatte. «Berlingske» würdigte, Westergaard sei als Zeichner zum «Verkörperung der Meinungsfreiheit in Dänemark» geworden. Auch die BBC und der «Guardian» gingen auf den Tod des Dänen ein, während der langjährige Generalsekretär des norwegischen Presseverbandes, Per Edgar Kokkvold, dem Sender NRK sagte: «Er war furchtlos. Er weigerte sich, sich zu beugen.» Westergaard sei so zu einem Symbol für die geworden, die für die Meinungsfreiheit kämpften.

Kurt Westergaard und mehrere weitere Karikaturisten waren 2005 einem Aufruf von «Jyllands-Posten» nachgekommen, Zeichnungen des Propheten Mohammed anzufertigen. Zwölf Karikaturen wurden unter der Überschrift «Mohammeds Gesicht» im Kulturteil der Zeitung veröffentlicht, doch keine stieß auf solch eine Empörung wie die von Westergaard.

Die Darstellung zeigte den Propheten mit einem Turban in Form einer Bombe mit brennender Lunte. Monate nach der Publikation lösten die Zeichnungen eine gewaltsame Protestwelle in der islamischen Welt aus, bei der unter anderem dänische Botschaften angegriffen wurden. Dutzende Menschen kamen bei den Auseinandersetzungen ums Leben.

Karikaturenstreit

Der in Dänemark als «Mohammed-Krise» bezeichnete Karikaturenstreit löste in Westergaards Heimatland die größte außenpolitische Krise seit dem Zweiten Weltkrieg aus. Mehrere muslimisch geprägte Länder forderten die dänische Regierung zum Bestrafen der Veröffentlichung auf, unter anderem, weil die bildliche Darstellung Mohammeds in weiten Teilen der islamischen Welt ein Tabu ist.

In dem skandinavischen Land und darüber hinaus führten die Ereignisse zudem zu einer erbittert geführten Debatte über die Grenzen der Meinungs- und Religionsfreiheit. Und für den studierten Deutschlehrer Westergaard, der seit den 1980er Jahren und bis zu seinem 75. Lebensjahr als Satirezeichner und Illustrator für die konservative «Jyllands-Posten» tätig gewesen war, hatte all das auch persönliche Folgen: Er lebte fortan unter dem Schutz des dänischen Geheimdienstes und an geheimen Orten. 2010 entkam er nur knapp einem Mordanschlag, als ein 28 Jahre alter Mann mit einer Axt in sein Haus eindrang.

Das französische Satiremagazin «Charlie Hebdo» druckte die Karikaturen 2006 - ergänzt um eigene Zeichnungen - schließlich nach. Sechs Jahre später veröffentlichte die Zeitschrift unter Verweis auf die Rede- und Pressefreiheit neue Mohammed-Karikaturen, und wieder löste das wütende Reaktionen unter Muslimen aus.

Islamistischer Terroranschlag war «Schock» für Westergaard

Anfang 2015 kam es schließlich zum islamistischen Terroranschlag auf «Charlie Hebdo». Einen Monat später wurde auch in Kopenhagen ein Terrorangriff verübt - auf eine Synagoge und eine Veranstaltung mit einem anderen Mohammed-Karikaturisten, dem Schweden Lars Vilks.

«Das war ein Schock für mich, wie für alle Menschen. Es ist schrecklich», sagte Westergaard kurz nach dem Anschlag auf «Charlie Hebdo» in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. Darin ging er auch auf den Angriff auf ihn selbst ein. Er habe damals nur seine Arbeit gemacht, sagte Westergaard über seine Karikatur. «Ich habe in der dänischen satirischen Tradition gearbeitet, ich habe nichts Schlimmes getan.» Und weiter: «Es ist sehr wichtig, dass wir jetzt im Hinblick auf die Meinungsfreiheit nicht anfangen, einzuknicken. Das Schlimmste ist, wenn die Selbstzensur eine Chance bekommt.»

Beifall auch von Rechts

Nach der Nachricht seines Todes wurde Westergaard von Politikern aus Dänemark und dem Ausland gewürdigt, darunter viele Rechtspopulisten. Westergaard habe einen hohen Preis im Kampf für die Meinungsfreiheit bezahlt, schrieb etwa der Vorsitzende der rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei, Kristian Thulesen Dahl, auf Twitter. Der Niederländer Geert Wilders, einer der populärsten Köpfe der rechten Szene in Europa, meinte: «Der große Kurt Westergaard ist gestorben. Er war ein mutiger Mann. Ein Beispiel für uns alle.»

Westergaard hatte sich selbst einmal als Atheisten bezeichnet. «Ich möchte gerne als der in Erinnerung bleiben, der für die Meinungsfreiheit gekämpft hat», wurde Westergaard von «Berlingske» zitiert. «Aber es besteht kein Zweifel daran, dass einige mich als ein Satan in Erinnerung behalten werden, der die Religion von einer Milliarde Menschen beleidigt hat.»

Konflikte / Medien / Personen / Dänemark
19.07.2021 · 14:56 Uhr
[1 Kommentar]
Mann droht mit Anschlag in ICE
Siegburg (dpa) - Ein Mann hat Polizeiangaben zufolge in einem ICE in Nordrhein-Westfalen mit einem Anschlag gedroht und zwölf Fahrgäste mit Knallkörpern leicht verletzt. Der 20-Jährige warf in dem Zug auf dem Weg nach Frankfurt am Donnerstagabend laut Zeugenaussagen pyrotechnische Gegenstände, die mit Kunststoffkugeln gefüllt waren, wie ein Sprecher der […] (00)
vor 12 Minuten
Johnny Depp, Alice Cooper und Joe Perry werden von einem slowakischen Veranstalter verklagt.
(BANG) - Die Band Hollywood Vampires wird von einem slowakischen Veranstalter verklagt, der behauptet, nach der kurzfristigen Absage eines Konzerts im Jahr 2023 keine Rückerstattung erhalten zu haben. Johnny Depp, Alice Cooper und Joe Perry sehen sich mit einem neuen Rechtsstreit konfrontiert, nachdem ein europäischer Konzertveranstalter eine Klage […] (00)
vor 7 Stunden
Apple iPad Air 3 WLAN landet auf der Vintage-Liste
Apple hat nun auch die WLAN-Version des iPad Air 3 offiziell in seine sogenannte Vintage-Liste aufgenommen. Damit folgt das Tablet den Mobilfunk-Modellen, die diesen Status bereits zuvor erreicht hatten. Das beliebte Gerät feierte vor gut sieben Jahren, im März 2019, seine Markteinführung. Augmented Reality auf dem iPad, Quelle: Patrick […] (00)
vor 8 Stunden
Assassin’s Creed – Xbox Free Play Days und zusätzlich Rabatte im Store
Während der Xbox Free Play Days können vom 2. bis 6. April alle Xbox-Spieler: innen kostenlos auf die folgenden Titel der  Assassin’s Creed -Reihe zugreifen, ohne dass eine Xbox Game Pass-Mitgliedschaft erforderlich ist: Assassin’s Creed Unity Assassin’s Creed Syndicate Assassin’s Creed Origins Assassin’s Creed Odyssey […] (00)
vor 2 Stunden
John Travolta wird sein lang geplantes Regiedebüt  beim Cannes Film Festival vorstellen.
(BANG) - John Travolta wird sein lang geplantes Regiedebüt 'Propeller One-Way Night Coach' bei der 79. Ausgabe der Cannes Film Festival vorstellen. Mit diesem Projekt, an dem er seit Jahrzehnten gearbeitet hat, kehrt der 72-jährige Schauspieler an die Croisette zurück. Der Apple-Originalfilm wird in der nicht-kompetitiven Cannes-Premiere-Sektion im […] (00)
vor 7 Stunden
Bayern München - Manchester United
München (dpa) - Nach der kleinen Sternstunde für die Fußballerinnen des FC Bayern in der Champions League schnappte sich Nationalspielerin Linda Dallmann ein Megafon und heizte in der Münchner Fankurve ausgelassen den eigenen Anhang an. Der deutsche Doublesieger zog vor der Vereinsrekordkulisse von 25.000 Zuschauern in der Königinnenklasse erstmals seit […] (01)
vor 4 Stunden
bitcoin, crypto, finance, coin, money, currency, cryptocurrency, blockchain, investment, closeup
Die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten setzen Bitcoin und andere risikobehaftete Anlagen unter erheblichen Druck. Da die Anlegerstimmung zunehmend vorsichtig wird, analysieren Experten die möglichen Auswirkungen steigender Ölpreise auf Bitcoin. Die allgemeine Prognose ist nicht positiv, da weitere Kursrückgänge für die führende Kryptowährung erwartet […] (00)
vor 52 Minuten
Wenn der Vorplatz zum Showroom wird
Sinsheim, 02.04.2026 (lifePR) - Wenn sich am ersten Sonntag im Monat von 9 bis 14 Uhr der Vorplatz des Technik Museum Speyer mit automobilen Raritäten füllt, ist wieder Benzingespräch-Zeit. Von April bis September 2026 (ausgenommen Mai) lädt das Museum zum beliebten Treffpunkt für Old- und Youngtimerfans ein – im Jubiläumsjahr erstmals mit zusätzlichen […] (00)
vor 7 Stunden
 
Finanzministerium schlägt Ersatz für Ehegattensplitting vor
Berlin (dpa) - Das Finanzministerium schlägt vor, das Ehegattensplitting durch ein […] (01)
Lufthansa-Maschine (Archiv)
Frankfurt am Main - Die Internationale Pilotenvereinigung IFALPA hat die Lufthansa […] (00)
KFW (Archiv)
Frankfurt am Main - Der Iran-Krieg drückt auf die Stimmung im deutschen Mittelstand. […] (00)
Galeria Kaufhof an der Kö
Düsseldorf (dpa) - Nächtlicher Beutezug über eine zentrale U-Bahn-Station in Düsseldorf: […] (02)
Vernähtes Holz: Neue Ansätze für stabile Leichtbaumaterialien
Die mechanischen Eigenschaften von Holz machen es zu einem vielseitigen, aber auch […] (00)
Super Mario Bros Wonder Switch 2 Edition im Test: Mehr Chaos, mehr Koop, mehr Mario
Manchmal braucht es kein komplett neues Spiel, sondern einfach die Version, die sich […] (00)
Andreas Mitter
Planegg (dpa) - Erst Assistent, jetzt Chef: Andreas Mitter wird Bundestrainer der […] (04)
Netflix erweitert Cast von «Tires» für dritte Staffel
Die Comedyserie bekommt mehrere prominente Neuzugänge für die kommenden Folgen. Der […] (00)
 
 
Suchbegriff